Zeitverträge Befristete Jobs schaden der Wissenschaft

2,8 Millionen Menschen in Deutschland haben nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Das ist nicht nur für die Betroffenen schlecht. Es schadet auch der Zukunft des Wissenschaftsstandortes Deutschland, mahnen Experten.

Zwar wetteifern Nachwuchswissenschaftler bei

Rund 2,8 Millionen Menschen in Deutschland haben nach Auskunft der Bundesregierung einen befristeten Job. Vor allem Frauen und junge Menschen arbeiten demnach mit befristeten Verträgen. Während 7,6 Prozent der weiblichen Beschäftigten einen Arbeitsvertrag auf Zeit haben, sind es bei den Männern 6,5 Prozent. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der „Rheinischen Post“ (Freitag) vorliegt.

Der Anteil der Befristungen fällt in den einzelnen Branchen unterschiedlich aus. Die meisten verzeichnet die Sparte Erziehung und Unterricht mit 12,7 Prozent, gefolgt vom Gastgewerbe, wo jeder zehnte Arbeitnehmer einen Job auf Zeit hat, und vom Gesundheits- und Sozialwesen mit 8,8 Prozent befristeter Beschäftigung.

Aus Sicht der Linken ist die Situation nicht hinnehmbar: Zukunftsplanung oder die Gründung einer Familie bedürften der Sicherheit eines unbefristeten Jobs, kritisiert Jutta Krellmann, gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linksfraktion. Die Linke fordert, dass das unbefristete Arbeitsverhältnis wieder die Regel wird.

Hier haben die meisten Menschen einen befristeten Arbeitsvertrag

GEW dringt auf bessere Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler

Aber nicht nur Familien leiden unter Zeitverträgen. Auch die Wissenschaft könne Schaden nehmen, heißt es bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es sind nämlich nicht nur Altenpflegerinnen und Kellner, die keinen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen. Auch an den Universitäten gehören befristete Verträge zum Alltag. Entsprechend pocht die GEW auf bessere Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler.

Was ist ein befristeter Arbeitsvertrag?

Akademische Freiheit setze auch angemessene Rahmenbedingungen für freie Forschung und Lehre voraus, dazu gehörten auskömmliche Finanzierung und faire Beschäftigungsbedingungen, sagte GEW-Vize Andreas Keller. Hier gebe es auch in Deutschland Grund zur Sorge. Am Samstag wollen Tausende Menschen weltweit bei einem „March for Science“ (Demonstration für die Wissenschaft) die Bedeutung der Wissenschaft hervorheben.

"Wenn neun von zehn wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit einem Zeitvertrag abgespeist werden, bleibt das nicht ohne Folgen für die Kontinuität und Qualität sowie Kritik- und Innovationsfähigkeit wissenschaftlicher Arbeit", sagte Keller.

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