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Zufriedenheit am Arbeitsplatz Machen Sie sich mehr Gedanken über Benefits

Benefits werden zunehmend beliebter und können die Zufriedenheit im Job erhöhen. Quelle: imago images

Benefits lohnen sich nicht nur finanziell. Sie können die Zufriedenheit mit dem Job steigern – aber auch völlig überflüssig sein. Experten meinen: Wählerisch sein ist Trumpf.

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Geld ist für immer mehr Beschäftigte längst nicht mehr alles. In einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half nannte nicht mal jeder vierte der 1000 befragten Fachkräfte das Gehalt als Topfaktor für Zufriedenheit im Job (23 Prozent). Sinnvolle Aufgaben (17 Prozent), Work-Life-Balance (13 Prozent) oder Wertschätzung (10 Prozent) landeten weit vorn. Das erklärt auch die zunehmende Beliebtheit von Benefits. Sie erlauben es, eine Brücke zu schlagen von der rein monetären Entlohnung hin zu individuellen Angeboten, mit denen der Arbeitgeber auf diese Bedürfnisse der Beschäftigten eingehen kann.

Zusatzleistungen sind natürlich ein alter Schuh, siehe die betriebliche Altersversorgung. Mittlerweile geht es aber nicht mehr nur um die Aufstockung staatlicher Leistungen oder darum, das Büro angenehmer zu gestalten, wie es die New Economy mit Kickertischen und Gratisessen versucht hat. Nicht mehr das Private soll am Arbeitsplatz Einzug halten. Vielmehr geht es heute darum, dass die Arbeit möglichst wenig die wertvolle Freizeit einschränkt. Zugleich sinke in der zunehmend flexiblen Arbeitswelt mit Projektteams und Homeoffice häufig die emotionale Bindung an die Firma, gibt Benefits-Experte Jens Lemke zu bedenken. „Anders als bei der Entlohnung in Geld bieten die Sachzuwendungen dem Arbeitgeber die Möglichkeit eine emotionale Botschaft der Fürsorge und Wertschätzung zu transportieren“, meint der geschäftsführende Gesellschafter der Commodis GmbH, eines Dienstleister für die digitalisierte Verwaltung von Arbeitgeberleistungen. Das sei wie zu Weihnachten: „Das richtige Geschenk lässt die Kinderaugen leuchten. Der Geldumschlag des Onkels dagegen löst nur ein pflichtbewusstes Danke aus.“

Die beliebtesten Benefits

Dazu passt das Ergebnis eine Untersuchung der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu und des Personaldienstleisters Kienbaum. In einer Umfrage unter 11.000 Arbeitnehmern waren es 2018 gerade nicht die geldwerten Vorteile, die als persönliche Favoriten benannt wurden. „Für 75,3 Prozent der Befragten waren flexible Arbeitszeiten das attraktivste Angebot des Arbeitgebers“, berichtet Senior Consultant Matthias Kopiske, der den Benefits Survey bei Kienbaum betreut hat. Weit vorn landeten auch Homeoffice, betriebliche Altersvorsorge, Diensthandy oder Firmenparkplatz.

Die beliebtesten Benefits

Die Liste unterstreicht: Bei Benefits macht es der Mix. Nicht jeder Mitarbeiter kann mit jeder Zusatzleistung etwas anfangen, selbst wenn sich der Arbeitgeber die etwas kosten lässt. Ein klassisches Beispiel ist da die Mitgliedschaft im Fitnessclub, wenn sie mehr zum schlechten Gewissen als zum Wohlbefinden beiträgt. Individualität ist bei dem Thema gleichermaßen für Angestellte und Arbeitgeber Herausforderung und Trumpf zugleich. „'One-size-fits-all' funktioniert bei Benefits nicht“, mahnt Lemke. „Der Versuch, das perfekte Benefit zu finden, das alle Mitarbeiter glücklich macht“, sei einer der größte Fehler, den Arbeitgeber hier machen könnten.

„Beschäftigte sollten darauf achten, inwieweit das angebotene Portfolio an Benefits zu ihren Bedürfnissen passt“, rät auch Kopiske. „Abhängig von den eigenen Lebensumständen können spezifische Leistungen eine komplett unterschiedliche Werthaltigkeit besitzen. Während für die einen ein hundefreundlicher Arbeitsplatz zum wichtigsten Faktor werden kann, ist für andere der Beitrag des Arbeitgebers zur Kinderbetreuung entscheidend.“

Um wirklich von Benefits profitieren zu können, sollten Beschäftigte das Thema zunächst einmal ernst nehmen. Zusatzleistungen sind nicht bloß ein nettes Extra. Sie können maßgeblich dabei helfen, Zufriedenheit zu steigern und Kosten zu sparen. Insofern sollten sie wie die Höhe des Lohns regelmäßig neu evaluiert werden. Im jährlichen Mitarbeitergespräch will man vielleicht nicht jedes Mal eine Gehaltserhöhung verlangen. Aber bei Benefits lohnt sich das Gespräch auf jeden Fall. Denn auch die Arbeitgeber wissen mittlerweile, dass sie in Vorleistung treten müssen, da häufig aber noch zu wenig tun.

„Der Blick in den Markt zeigt, dass nicht einzelne Leistungen, sondern ein ausgewogenes Leistungsportfolio wirklich attraktiv für Arbeitnehmer sind“, erklärt Kopiske. Derzeit würde aber nur etwa die Hälfte der Unternehmen regelmäßig und strukturiert die Bedürfnisse der Mitarbeiter abfragen. Das kann dem Einzelnen bei Verhandlungen über Zusatzleistungen viel Spielraum eröffnen, indem auch Benefits ins Auge gefasst werden, die die Firma derzeit gar nicht anbietet – vorausgesetzt, der Arbeitgeber weiß den bei Benefits mitdenkenden Angestellter als wertvollen Impulsgeber zu schätzen.

Benefits statt Gehalt

Das zunehmend große Angebot an Zusatzleistungen durch Arbeitgeber ist nicht nur dem Wettbewerb um Fachkräfte geschuldet. In einer Kienbaum-Umfrage unter Arbeitgebern erwarteten zwei von drei Teilnehmern, dass Beschäftigte wegen eines individualisierten Top-Portfolios auf durchschnittlich zehn Prozent des Jahresgehalts verzichten werden. Auch dieser Umstand sollte bei Verhandlungen berücksichtigt werden. Benefits sind häufig eben keine Gratis-Zusatzleistung, sondern Teil eines „All inclusive“-Pakets, bei dem jeder Teil vom Arbeitgeber sorgfältig kalkuliert wurde.

Trotzdem kann bei Benefits der Nutzen die Kosten bei weitem übersteigen. Gerade das macht die Extras für beide Seiten so wertvoll. „In der Phase der Gehaltsverhandlungen kann der Wunsch eines Bewerbers nach einer spezifischen Zusatzleistung für den Arbeitgeber leichter und gegebenenfalls kostengünstiger zu erfüllen sein als ein entsprechend höheres Nettogehalt“, gibt Kopiske zu bedenken. Das gilt nicht nur für bei Neueinstellungen, sondern ebenso für die regelmäßigen Feedback-Runden.

Nachrechnen und Fantasie lohnen sich. Von steuerfreien Sachbezügen hat der Arbeitnehmer am Ende womöglich mehr als von mehr Gehaltsplus oder einer Sonderzahlung, auf die Abgaben fällig werden. Zu den steuerfreien Benefits gehören Kitabeiträge, Gesundheitsförderung, Computer oder Zuschüsse für den Arbeitsweg. Die Stiftung Warentest rechnet vor: Von einer einmaligen Prämie in Höhe von 1500 bleiben netto schnell nur rund 745 Euro über. Da könne es sich finanziell lohnen, ein kaputtes Notebook durch ein neues Dienstgerät zu ersetzen, das privat genutzt werden darf. Allerdings bleibt dieser Computer immer Eigentum der Firma und muss bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses zurückgegeben werden (Stiftung Warentest hat eine Liste steuerfreier Extras zusammengestellt).

Bei der Frage nach den grundsätzlich besten geldwerten Benefits für bestimmte Gruppen wie Eltern, Singles oder Pendler winken beide Experten weitgehend ab. Wie gesagt: „Das beste Benefit gibt es nicht“, unterstreicht Lemke. Hier liegt der Nutzen buchstäblich im Auge des Betrachters.

Fazit: Benefits sind ein wertvolles Mittel, um das Beste aus dem Job herauszuholen. Sie sollten deshalb regelmäßig auf ihren aktuellen Nutzen hin überprüft und gegebenenfalls neu verhandelt werden. Manchmal lohnt es sich, für gute Benefits auf Barzahlungen zu verzichten. Allerdings müssen etwaige Steuerabgaben beachtet werden. Benefits werden zudem nicht bei der Berechnung von Arbeitslosengeld oder Rente berücksichtigt.

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