Resonanz: Wann Konsum doch glücklich macht

„Kaufen macht nicht glücklich – besser ist es, in Erlebnisse zu investieren.“ Diese Regel galt lange unter Soziologen und Therapeuten. Doch inzwischen haben Forscher ein kleines „aber“ dazu gefügt.

Wenn Konsumenten Dinge häufig und lange nutzen, stellt sich eher eine anhaltende oder wiederkehrende Freude ein, als nach einem Restaurantbesuch oder einer Kurzreise.
Denn das Glück über ein Ereignis verblasst im Alltag recht schnell. Berufstätige kennen das: Die gefühlte Erholung des Urlaubs ist oft schon nach dem ersten Arbeitstag verschwunden. Der Kauf realer Produkte hingegen hält länger und kann einen ungleich größeren Wert darstellen.

Zwei Voraussetzungen müssen allerdings erfüllt sein: Der Käufer legt sich einen Gegenstand zu, der ihm wirklich etwas bedeutet. Und, er erlebt etwas damit. Wer sich das lang ersehnte Rennrad kauft und regelmäßig Tagestouren damit fährt, wird eine tiefere Befriedigung erleben, als jemand der sich nur für einen Vormittag ein Fahrrad ausleiht, um in die nächste Stadt zu radeln.
Ein Phänomen das Bikepacker Maximilian Droste bestätigt. Mit seinem Rennrad ist der 23-Jährige voriges Jahr von New York nach San Francisco gefahren. 6400 Kilometer Abenteuer - durch gleisende Wüstenhitze, über schneebedeckte Bergwipfel und vorbei an quirligen Städten. „Dabei ist das Rad gleichzeitig dein bester Freund und schlimmster Feind“, schmunzelt der Student, der auch die ein oder andere Panne managen musste. Vorort ein Rad zu leihen, kam für den Berliner nicht in Frage. Es musste sein eigenes Rennrad sein, an dem er jede Speiche kennt und mit dem er schon viel erlebt hat.

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So stellen Sie fest, ob die Arbeitsqualität stimmt

  • Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten

    Können die Beschäftigten Einfluss auf die Arbeitsmenge nehmen?

    Ist es ihnen möglich, die Gestaltung ihrer Arbeitszeit zu beeinflussen?

    Können sie ihre Arbeit selbstständig planen?

     

    Quelle: Gute-Arbeit-Index 2015

  • Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten

    Bietet der Betrieb berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten?

    Können die Beschäftigten eigene Ideen in ihre Arbeit einbringen? Ihr Wissen und Können weiterentwickeln?

    Haben Sie Aufstiegschancen?

  • Führungsqualität und Betriebskultur

    Gibt es Wertschätzung durch Vorgesetzte? Hilfe von Kolleginnen?

    Ein offenes Meinungsklima? Wird rechtzeitig informiert? Planen die Vorgesetzten gut?

    Wird Kollegialität gefördert?

  • Sinn der Arbeit

    Haben die Beschäftigten den Eindruck, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten? Einen wichtigen Beitrag für den Betrieb?

    Identifizieren sie sich mit ihrer Arbeit?

  • Arbeitszeitlage

    Wird am Wochenende gearbeitet? In den Abendstunden? In der Nacht?

    Wird von den Beschäftigten erwartet, ständig für die Arbeit erreichbar zu sein?

    Leisten sie auch unbezahlte Arbeit für den Betrieb?

  • Soziale und emotionale Anforderungen

    Sind die Beschäftigten respektloser Behandlung ausgesetzt?

    Müssen sie ihre Gefühle bei der Arbeit verbergen?

    Kommt es zu Konflikten oder Streitigkeiten mit Kund/innen, Patient/innen, Klient/innen?

  • Körperliche Anforderungen

    Muss in ungünstigen Körperhaltungen gearbeitet werden? Bei Kälte, Nässe, Zugluft?

    Müssen die Beschäftigten körperlich schwer arbeiten?

    Sind sie bei der Arbeit Lärm ausgesetzt?

    Widersprüchliche Anforderungen und Arbeitsintensität?

    Gibt es Arbeitshetze? Unterbrechungen des Arbeitsflusses? Schwer zu vereinbarende Anforderungen?

    Werden alle arbeitswichtigen Informationen geliefert?

    Müssen Abstriche bei der Qualität der Arbeitsausführung gemacht werden?

  • Einkommen und Rente

    Wird die Arbeit leistungsgerecht bezahlt?

    Hat das Einkommen ein Niveau, dass sich davon leben lässt?

    Wird die Rente, die sich aus der Erwerbstätigkeit ergibt, später zum Leben reichen?

  • Betriebliche Sozialleistung

    Gibt es ausreichend Angebote zur Altersvorsorge im Betrieb?

    Werden Maßnahmen zur Gesundheitsförderung offeriert?

    Werden Sozialleistungen geboten, z.B. Kinderbetreuung, Fahrtkosten- oder Essenszuschüsse?

    Beschäftigungssicherheit / Berufliche Zukunftssicherung?

    Sind die Beschäftigten in Sorge, dass ihr Arbeitsplatz durch technische Veränderungen oder Umstrukturierungen überflüssig wird?

    Machen sie sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft? Um den Arbeitsplatz?

„Steige ich heute in den Sattel, fällt mir ein, wie ich in den Rocky Mountains vom Schnee überrascht wurde oder wie mir zwei Fremde Landarbeiter beim Reparieren meiner Kette geholfen haben“, schwärmt Droste. Ein Leihrad hätte er zurücklassen müssen und somit viele kleine Erinnerungsmomente im Alltag verpasst.
Rainer Brang nutzt diese These als Basis für sein Produkt. Der Softwareentwickler hat mit dem Hörbert einen Musikspieler für Kinder entwickelt, der wertig aus Holz statt aus Plastik hergestellt ist und lange lebt. Er bestärkt die Glücksforscher: „Uns schreiben Eltern, dass Kinder den Player wie ein Familienmitglied sehen“, verdeutlicht der Erfinder des tragbaren MP3-Spielers. Dieser bedeute den Kindern viel, weil er das erste elektronische Gerät ist, das ihnen alleine gehört.

Sie können damit unabhängig von den Eltern Hörspiele oder Musik hören – immer wieder. Wenn dann noch der Name des Kindes auf dem Spieler gelasert ist, ist die Chance groß, dass das „Resonanzversprechen“ gelingt
Davon sprechen Soziologen und Politikwissenschaftler wie Hartmut Rosa, wenn wir etwas kaufen, das uns berührt. Wir gehen in Resonanz, wenn wir uns die Dinge aneignen. Wenn sie uns anverwandt werden – so wie den Kinder der Musikspieler. Oder dem Sportler das lange ersehnte Bergfahrrad.

Raj Raghunathan "Wer zu viel denkt, macht sich unglücklich"

Klug, erfolgreich – und glücklich? Mitnichten, meint Raj Raghunathan. Gerade kluge Menschen sind oft unglücklicher. Der US-Professor erklärt, warum Geld, Erfolg und Karriere nicht automatisch zufrieden machen.

Denken macht unglücklich. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Was wir aber viel häufiger erleben, ist, dass wir Produkte kaufen, die wir kaum benutzen. Sprich: Wir erleben nichts mit ihnen. Am deutlichsten wird das beim Ausleihen. Sharing versagt in Sachen Glücksmomente. Konsumforscher Wolfgang Ulrich kommt zu der These: Geliehene Dinge können ihren Emotionswert nicht voll entfalten. Schlimmer noch. Leihen führt uns in die Sucht, da es die Verdinglichung vorantreibt. Wir also immer mehr von dem brauchen, was wir uns früher nicht leisten konnten. Zumindest aber führt es zu einer permanenten Beschleunigung. Die Angst, etwas zu verpassen, steigt. Wir sind gestresst und brennen letztlich aus.

Glück "In jedem von uns steckt ein Feel-Good-Manager"

In Zeiten von Terror und Krisen erscheint das Glück wie ein rares Gut. Die "Glücksministerin" und Autorin Gina Schöler hilft Menschen bei der Suche nach dem Glück. Worauf es dabei ankommt, erzählt sie im Interview.

Glücklich im Job: Wie das trotz mieser Kollegen gelingt. Quelle: Getty Images

Übertragen wir beide Studien auf den Alltag bedeutet das: Wer lange auf etwas spart, kann dessen Anschaffung mehr genießen, als jemand, der Dinge nur leiht. Auch das kennen wir aus Kindertagen. Für meine erste HiFi-Anlage musste mein Konfirmationsgeld herhalten sowie der Lohn aus Ferienjobs. Mehr als 800 Mark kosteten Verstärker, Boxen und Abspielgeräte.

Viele Nachmittage saß ich vor dem Turm, hörte Platten und CDs und freut mich an den edlen, schwarzen Geräten mit Chromleisten und -reglern.
Entwickler Brang setzt übrigens genau auf diesen Wertigkeit-Effekt. Hörbert besteht aus Massivholz und hat ein Edelstahlgitter vor dem Lautsprecher. Und statt einfach beliebige Musikschnipsel aus der Cloud am Laptop zu hören, müssen Eltern Musikstücke und Hörspiele einzeln auf den Hörbert laden. Die Daten werden somit ein stückweit greifbar und erlangen dadurch selbst mehr Bedeutung.

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