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Dammanns Jobtalk

"Coming out" darf nicht die Karriere kosten

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Schluss mit rosa

Guido Westerwelle mit seinem Lebensgefährten Quelle: dpa

Allen Diversity-Bekenntnissen zum Trotz ist in der Teppichetage Schluss mit rosa: "Ganz oben wird die Luft dünn, da würde ein Outing nicht gut ankommen", so heißt es. In der zweiten und dritten Führungsebene gebe es eine Reihe von Schwulen, aber auch dort habe sich nicht jeder geoutet.

Jeder zweite Schwule verschleiert seine wahre Identität

Während führende Politiker wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle oder Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sich mittlerweile wie selbstverständlich mit ihren Lebensgefährten zeigen, ist Homosexualität in der Wirtschaft noch immer eine der größten Hürden auf dem Weg nach oben.

Einer Umfrage unter 2230 Schwulen und Lesben aus dem Jahr 2007 der Universität zu Köln zufolge, verschweigt jeder zweite homosexuelle Mitarbeiter seine sexuelle Identität am Arbeitsplatz – aus Angst vor Unverständnis und Diskriminierung. Drei Viertel der Schwulen und Lesben wurden im Job schon mal diskriminiert, ein Zehntel war sogar schon körperlicher Aggression ausgesetzt.

Die Diskriminierung findet auf mehr oder weniger subtile Weise statt. Sie reicht vom dummen Spruch über zufälliges Anrempeln bis hin zur Tür, die wie zufällig zuschlägt, so dass der Nachkommende getroffen wird.

Ein "zweites Leben" zu führen, kostet viel Produktivität

"Die sexuelle Orientierung eines Mitarbeiters geht das Unternehmen nichts an", lautet dennoch die vorherrschende Meinung in vielen Unternehmen bis heute. "Häufig höre ich von Führungskräften: "Es ist uns egal, ob jemand weiß, schwarz, hetero- oder homosexuell ist".

Das ist zwar einerseits richtig, denn die sexuelle Orientierung sollte tatsächlich keine Rolle im Berufsalltag spielen. Faktisch tut sie es aber doch, weshalb Diversity-Experte und Unternehmensberater Michael Stuber dagegen hält. "Es sollte uns nicht egal sein, denn nur, wer Unterschiede bewusst beachtet, kann vielfältige Potenziale systematisch nutzen".

Auch Bernd Schachtsiek, Chef des Völklinger Kreises, fordert die sexuelle Orientierung auch im Betrieb zum Thema zu machen: "Man kann beruflich und privat da nicht trennen. Schließlich wird am Arbeitsplatz auch über Privates gesprochen." Bis zu 20 Prozent ihrer Arbeitskraft verwendeten Homosexuelle darauf, ihre Identität zu verschleiern.

Ein ständig laufender Prozess, der viel Kraft kostet und damit auch Energie, die eigentlich dem Arbeitgeber zugute kommen sollte. Christian Weis, Sprecher des Schwulen- und Lesbennetzwerks Arco bei der Commerzbank erklärt das so: "Genau betrachtet, outen sich heterosexuelle Mitarbeiter jeden Tag: Wenn sie vom Theaterbesuch mit ihrem Ehemann erzählen, wenn ein Foto ihrer Freundin auf dem Schreibtisch steht", sagt Weis.

Wer dagegen aus Angst vor Diskriminierung anderen über Jahre eine falsche Identität vorgaukeln muss oder stets neue Geschichten über sein/ihr Privatleben erfinden muss, um nicht aufzufliegen, verschwendet unnötig Kraft und Produktivität.

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