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Eigenmarke im Netz Ich bin viele - aber wer eigentlich zurzeit?

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[1] Definieren

Definieren Quelle: Daniel Stolle

Vor jedem Neuanfang steht gründliche Planung. Andernfalls riskiert jeder Jobwechsler, sein Publikum zu verwirren und sein Image endgültig ins Diffuse zu zerstäuben. Dabei gilt es, die neue Eigenmarke zunächst genau zu definieren: Wofür wollen Sie künftig stehen? Was ist die wesentliche Veränderung in Ihrem Beruf? Was zeichnet Sie künftig aus?

Nutzen Sie die erste Zeit in der Versenkung zur Standortbestimmung und Selbstanalyse. Diese Fokussierung hilft nicht zuletzt dabei, seine Kräfte später umso effektiver zu konzentrieren. Sie ist aber auch notwendig, um in dem ganzen virtuellen Knäuel einen roten Faden zu spinnen und diesen herauszuarbeiten.

„Das ist wie Spurenlegen“, sagt Marcus Schmidt, Chef der Personalberatung Hanover Matrix in München. „Man simuliert dabei eine Markenkontinuität, die bislang noch nicht existiert.“

Wechsel begründen

Beispiel Georg Kofler. Der war erst Chef des Privatsenders ProSieben, dann beim damaligen Abosender Premiere, bevor er schließlich den Kofler Energies Club gründete – laut Eigenwerbung eine Art ADAC des deutschen Energiesparers. Nach nur vier Monaten kam das Aus, Kofler hatte Millionen versenkt und gab gegenüber der „Zeit“ zerknirscht zu, der „Flop“ gehe ihm gegen die Sportlerehre.

Seinen Wechsel – raus aus den Medien, rein in die Energiebranche – begründete er dennoch geschickt, mit zwei klassischen Argumenten: Ermattung („Drang, Neuland zu betreten“) und Gründergeist. Letztlich habe er sich schon immer unternehmerisch betätigt, und das wolle er auch künftig tun.

Einmal Unternehmer, immer Unternehmer – diese Art der Legendenbildung ist nötig, um den eigenen Marktwert trotz eines Bruchs in der Vita nicht zu mindern. „Arbeitgeber wie spätere Geschäftspartner wollen keine Selbstfindungsexperimente finanzieren“, sagt Personalberater Schmidt. „Die wollen mit Spezialisten arbeiten, die das können, wofür sie stehen – und zwar dank jahrelanger Erfahrung.“

Nur wenn der Bruch zu groß wird und der Jobwechsel partout keine Kontinuität erkennen lässt, hilft der Kunstgriff der sogenannten Paradessenz. Dahinter verbirgt sich die scheinbar schizophrene Strategie, zwei entgegengesetzte Qualitäten in einem Produkt zu vereinen. Wie etwa bei einem Smartphone, das dank entsprechender Programme auch Wasserwaage oder Fernsteuerung sein kann. Durch solche Kontraste lässt sich viel Aufmerksamkeit erzeugen, die dann dafür sorgt, dass sich das neue Image umso schneller einprägt.

Im Internet kommt allerdings noch die Besonderheit dazu, seine neue Zielgruppe vorab zu lokalisieren, um ihr später exakt auf den einschlägigen Plattformen zu begegnen. Berufsanfänger, die das Eigenmarketing beispielsweise in erster Linie zur Jobsuche nutzen, sollten wissen, dass Personaler Kandidaten bisher vor allem auf Xing und LinkedIn suchen, weniger auf Facebook. Eine Fanpage ist zu diesem Zweck daher weniger effektiv als ein gepflegtes Business-Profil.

Wer sich hingegen als Experte für ein neues Fachgebiet darstellen oder mit seiner neuen Position rehabilitieren will, braucht viele neue Suchmaschineneinträge – vor allem, um die alten, womöglich schmachvollen zu verdrängen. Dabei wiederum hilft ein Blog am besten. Idealerweise unter eigener Internet-Adresse.

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