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Eigenmarke im Netz Ich bin viele - aber wer eigentlich zurzeit?

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[2] Konstruieren

Konstruieren Quelle: Daniel Stolle

Kein gelungener Rollentausch ohne eine glaubhafte Geschichte. Die sollte im Netz später gezielt gestreut werden – auf Facebook, Twitter, Xing genauso wie in Blogs oder den Seiten des neuen Arbeitgebers. Nennen können Betroffene dabei ruhig die triftigen Gründe für den Wechsel, den übereilten Abgang oder die neuen Ziele.

Diese Selbsterklärung sollte jedoch nie nach einer Rechtfertigung oder gar Flucht klingen, sondern vielmehr nach einem geplanten Aufbruch. „Nach zehn Jahren erfolgreichen Engagements suche ich nun eine neue Herausforderung“ – der Satz ist zwar so abgedroschen wie Heu im Herbst, aber immer noch besser als gar keine Begründung. Ihr Fehlen riecht stets verdächtig nach Rauswurf.

Überdies sollte jeder Bruch das Element einer logischen Entwicklung enthalten – einen Leitgedanken, der all die Flicken zusammenhält. Falsch dagegen wäre ein larmoyantes „Ich habe von der ewigen Pendelei die Nase voll“.

Neustart als Neuausrichtung

Gut ist, den Neustart immer mit einer Art Neuausrichtung zu deklarieren. Das wird umso glaubhafter, wenn zwischen dem Beenden und Beginnen eine gewisse Zeit verstreicht. Hastigen Kurswechseln wohnt der Nimbus der Not und des Aktionismus inne. Eine Phase der Besinnung dagegen verleiht dem Imagewechsel eine gewisse Bedeutungsschwere.

Denken Sie an Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Erst nachdem der seinerzeit von seiner Auslandsreise zurückgekehrt war, gab er bekannt, dass er nicht mehr als FDP-Parteivorsitzender kandidieren werde. Zugleich begründete er seine Demission nicht etwa mit dem politischen Druck, der damals auf ihm lastete, sondern vielmehr mit dem Wunsch, einer neuen Generation Platz machen zu wollen. Das mag ein durchschaubares Manöver gewesen sein. Das Kommunikationskonzept dahinter aber war genau richtig.

Adressieren Sie dabei aber nicht nur den Verstand des Publikums. Setzen Sie – dosiert – ebenso auf Emotionen. Wer berührt und inspiriert, der bewegt etwas und wird dafür bewundert.

In der Psychologie gibt es das sogenannte Resonanzphänomen, wonach starke Emotionen einen unbewussten Widerhall finden. Wer dann etwa seinen Rollentausch mit typischen Lebensphasen vergleicht, die andere nachvollziehen können oder gar selber kennen, erzeugt Resonanz – und nicht zuletzt auch Verständnis und Sympathie. Helfen kann dabei aber auch, sich bei den bisherigen Weggefährten, Mentoren und Förderern namentlich zu bedanken. Das beweist Loyalität und Demut.

Damit die Geschichte genug Kraft entwickelt und zur Legendenbildung beiträgt, ist es zudem erforderlich, dass Sie schon etwas Konkretes in petto haben. Reine Absichtserklärungen werden allenfalls zur Kenntnis genommen. Wirklich überzeugend wirkt der Wechsel erst durch den konkreten Beweis, einen Beleg dafür, dass Sie es nicht nur ernst meinen, sondern dazu auch fähig sind.

Bevor Sie also mit dem neuen Image durchstarten, haben Sie idealerweise schon vorher und im Verborgenen Ihre neuen Online-Profile und -Präsenzen angelegt und aufgebaut. Das neue Blog existiert, und es gibt dort schon reichlich zu lesen. Gleiches gilt für Ihre Twitter-, Facebook- und Xing-Seiten. Nur so gelingt auch der bei Schritt drei wichtige Überraschungseffekt.

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