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Ein Plädoyer für mehr Zeit Über Arbeit und Zen-Gärten

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Zeit sparen und effizienter arbeiten

Zeit scheint in der hektischen Gesellschaft so rar geworden zu sein, dass inzwischen ein neuer Markt entstanden ist. Wir laufen gestresst durch den Alltag und geben dann einen Haufen Geld für Yoga- und Entspannungskurse aus. Wir dekorieren unsere Häuser mit Mini-Zengärten, ergonomischen Meditationskissen und Springbrunnen mit LED-Lichteffekt und merken kaum, dass wir damit versuchen, unsere innere Ruhe in kürzerer Zeit zu maximieren und eine steilere Kurve auf dem Zeit-Nutzen-Diagramm herzustellen.

Dabei wusste schon das kleine Mädchen Momo aus dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Ende, dass es nichts bringt, immer mehr Zeit sparen zu wollen. Denn die Zeit ist keine Ware, die wir für spätere Zwecke zurücklegen und uns ansammeln können.

Vielmehr ist sie kontinuierlich mit uns verbunden, wir alle besitzen täglich das gleiche Kontingent an zeitlicher Ressource: 24 Stunden, die bei allen objektiv betrachtet gleich schnell vergehen. Was wir mit dem Tag anstellen, liegt letztlich allein in unserer Hand.

Wie gehen Sie mit Stress und Ärger um?
Den Stress erkennenDenken Sie darüber nach, welche Faktoren Stress auslösen und bringen Sie diese in eine Rangfolge. Nicht alle Gründe wiegen gleich schwer. Stressauslöser, die bisher als unumgänglich gelten, könnten zu körperlicher und seelischer Beeinträchtigung führen. Quelle: Fotolia
Intuition nicht verkümmern lassenIn kritischen Situationen spontan regieren zu können, ist nicht nur auf der Straße wichtig. Auch im Büro sollte die Bedeutung des Bauchgefühls nicht unterschätzt werden. Wer in Situationen mit Kollegen und Kunden zu kopflastig reagiert, kann sie in Sekunden vergraulen. Laut Conen ist Intuition lernbar – und kann wieder erweckt werden, falls man dazu bereit ist. Quelle: Fotolia
Aufbrechen oder Ausharren?Jede Veränderung schenkt ein Stück neues Leben. Dennoch ist nicht jeder Unmut Grund genug, alles über den Haufen zu werfen. Veränderung ist kein Allheilmittel. Tiefen durchzustehen ist das eine, chronischer Frust das andere. Quelle: Fotolia
Die Gesundheit leidetViele vermeiden es über Jahre, sich Erschöpfung einzugestehen. Ein Burnout kann ein schleichender Prozess sein. Jahrelanger Medikamenten, Alkoholmissbrauch, Autoimmunerkrankungen oder psychische Auffälligkeiten weisen auf Erschöpfung hin. Quelle: imago images
Das Bauchgefühl verbessernLernen Sie ihre Sinne wieder einzusetzen. Riechen und fühlen Sie die Natur oder konzentrieren Sie sich auf die verschiedenen Bestandteile ihres Essens. Verlangsamen Sie eine Aktivität wenn es möglich ist und genießen Sie den Augenblick. Versuchen Sie die Umgebung abzuscannen und sich einzuprägen. Quelle: Fotolia
Das Chamäleon-PrinzipDas Chamäleon sollte das Tier dieses Jahrhunderts werden. Es zeigt alle Fähigkeit, die heute notwendig sind. Vor allem kann es sich auf veränderte Bedingungen einstellen. Es geht nicht darum, seine Authentizität zu verlieren. Es geht darum, sich nicht mehr zu wünschen, dass alles wieder so wird, wie es mal war. Das macht unglücklich. Wagen Sie in der Jobkrise den Sprung in eine zweite Karriere. Quelle: dpa
Neue Energie gewinnenHinterfragen Sie, wo Sie wie viel Energie investieren und ob es sich lohnt. Hinterfragen Sie Ihre innere Motivation und konzipieren Sie um. Schaffen Sie es Ihr Energielevel unter Kontrolle zu halten, bleibt mehr für die Freizeit über. Quelle: Fotolia

In Endes Roman versuchen die meisten Figuren verbittert, Zeit zu sparen und effizienter zu arbeiten. Letztlich bleibt die eingesparte Zeit aber einfach weg, die Figuren des Romans bekommen sie nicht wieder, was dazu führt, dass sie nach und nach ihr Lächeln verlieren und nur noch schlecht gelaunt durchs Leben gehen. Momo ist die einzige Person, die Zeit besitzt und diese mit anderen Menschen teilen kann. Sie fängt gar nicht an zu sparen, sondern verschenkt ihre Zeit und wird dadurch erst richtig reich. Nicht reich an Geld oder materiellen Gütern, sondern reich an Liebe und Glück.

Vielleicht sollten wir uns alle ein Beispiel an Momo nehmen. Wir haben die Entscheidung, ob wir uns Zeit im Leben nehmen oder ob uns die Zeit das Leben nimmt. Wenn wir uns bei jemandem nicht melden, so liegt dies nicht daran, dass wir keine Zeit haben, denn jeder von uns verfügt über die gleiche Anzahl an Stunden pro Tag. Es ist alles eine Frage der Prioritätensetzung – und vielleicht täten wir gut daran, unsere Gewichtungen nochmal zu überprüfen, bevor wir das nächste Mal unseren Partner, unsere Freunde und Kinder abwimmeln mit der Begründung, noch etwas Wichtiges erledigen zu müssen.

Denken Sie positiv!

In dem Roman Momo gibt es ein schönes Zitat, das folgendermaßen lautet:  „Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit.

Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“ Verlängern wir also die Momente, die wir uns für Herzensdinge nehmen. Für die Familie, für Freunde und für uns selbst. Achten wir auf ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben und füllen wir unsere Zeit mit Leben.

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