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Emotionen am Arbeitsplatz Wenn Wut die Leistung steigert

Es klingt zunächst skurril: Gerade am Arbeitsplatz führt gute Laune nicht immer zu guten Ergebnissen - im Gegenteil.

Schlechte Gefühle müssen nicht immer kontraproduktiv sein: So treibt Wut die Menschen kurzfristig an. Quelle: Fotolia

Seine Arbeit für den US-Geheimdienst NSA machte Edward Snowden wütend. Nachdem er entdeckt hatte, dass die USA und Großbritannien das Internet großräumig überwachen, machte er sein Wissen 2013 öffentlich und ist seitdem auf der Flucht.

„Snowden hat aus einer sehr moralischen Wut heraus gehandelt“, sagt Dirk Lindebaum von der Management School der Universität von Liverpool. Die seitdem brodelnde Spionageaffäre zeigt, dass Wut, aber auch andere negative Emotionen positive Folgen haben können.

„Neid, Scham, Schuldgefühle. Das sind alles negative Emotionen, die sozial sehr positiv wirken können“, sagt Lindebaum. Diese Aspekte haben Lindebaum und andere Forscher untersucht - und ihre Ergebnisse in einer Sonderausgabe des Wissenschaftsjournals „Human Relations“ veröffentlicht. Damit rütteln die Autoren an einer Grundannahme in der Forschung: Gute Emotionen führen zu guten Ergebnissen am Arbeitsplatz, schlechte Emotionen führen zu schlechten Ergebnissen. Das müsse nicht so sein, sagt Lindebaum. „In manchen Fällen gibt es auch eine asymmetrische Beziehung zwischen Emotionen und Ergebnissen.“

Zehn Mittel gegen Stress
Plane den TagDer beste Weg Stress zu bekämpfen ist zu vermeiden, dass er überhaupt entsteht. Das funktioniert durch Planung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des US-Psychologen und Selbsthilfe-Autors Robert Epstein unter 3000 Teilnehmern in 30 Ländern. Die meisten der Befragten nannten eine gute Planung als wirksamstes Mittel gegen Stress. Quelle: dpa
Schau dir süße Tiere anDas Internet quillt über von süßen Tierfotos und -videos. In seinem Buch „59 Seconds: Change Your Life in Under a Minute“ berichtet Autor Richard Wiseman von einer Studie, in der sich die Probanden Tierfilme angeschaut haben. Ihre Herzfrequenz und ihr Blutdruck sanken in weniger als einer Minute. Quelle: dpa
Geh in die NaturDie Nähe zur Natur hilft, Stress zu vergessen. Eine Umfrage unter mehr als 4500 Niederländern zeigt, dass Menschen, die in einer Gegend mit viel Grün innerhalb eines Umkreises von drei Kilometern leben, weniger von stressigen Lebenssituationen beeinflusst werden und eine höhere mentale Gesundheit aufweisen. Quelle: dpa
Umgebe Dich mit KunstKunst senkt Stress. In einem Experiment mussten 210 US-Studenten Aufgaben an einem Computer lösen – manche davon in einem Raum mit Naturgemälden und abstrakter Malerei. Jene Teilnehmer, die von Kunst umgeben waren, fühlten weniger Wut und Stress. Quelle: dpa
Definiere deine AufgabenMehr Anforderungen, mehr Druck? Im Gegenteil, fand eine US-Studie unter knapp 1500 Armeekadetten heraus, die an einem 35-tägigen Assessment-Center teilgenommen haben. Je mehr Anforderungen, an die Kadetten gestellt wurden, desto weniger beruflichen Druck verspürten sie. Schließlich waren sie sich über ihre Rolle im Klaren. Andere waren unsicherer – und somit auch gestresster. Quelle: Fotolia
Verzichte auf ÜberstundenÜberstunden machen wohlhabender? Das stimmt, aber sie machen nicht glücklicher. Der zugleich anfallende Stress, die Erschöpfung und Konflikte zwischen Arbeit und Freizeit gleichen den Effekt auf die Zufriedenheit wieder aus, stellt eine Studie der Pennsylvania State University fest. Quelle: dpa
Sieh das PositiveStress fängt im Kopf an. Wer sich ständig sorgt, empfindet mehr Stress als Menschen, die positiv denken. In einer Studie mussten Probanden Aufgaben erledigen, während sie entweder über ein persönlich Besorgnis erregendes Thema oder über ein erfreuliches Thema nachdenken sollten. Das Resultat: Wer sich Sorgen machte, war weniger produktiv. Das bedeutet am Ende noch mehr Stress. Also lieber zuversichtlich sein und effizient arbeiten, als sich über den Stress den Kopf zu zerbrechen und kaum voran zu kommen. Quelle: Fotolia

Dies hat er am Beispiel von Wut untersucht. Diese wirkt sich am Arbeitsplatz oft negativ aus, etwa wenn ein Kollege den anderen tyrannisiert. Wenn ein anderer Kollege jedoch darüber wütend wird und dazwischen geht, zeigt sich ein positiver Aspekt von Wut.

Um herauszufinden, wie sich Wut auf Produktivität auswirkt, hat Lindebaum 19 Bauingenieure interviewt. Das Resultat: Es lohnt sich für sie, vor allem dann wütend zu werden, wenn sich ein Bauprojekt verzögert und die Mitarbeiter angetrieben werden müssen. Das funktioniert jedoch nicht ewig. „Sie sagen selbst, sie können es nicht immer machen, weil sich der Effekt dann verliert“, sagt Lindebaum.

In Arbeit
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Eine weitere Erkenntnis der Forscher: Positive Gefühle können sich auch negativ auswirken. So macht gute Laune Mitarbeiter etwa selbstgefällig und nachlässig. „Für Menschen, die in einem Atomkraftwerk oder in einer Goldmine arbeiten, kann es ernste Folge haben, die Risiken nicht allzu ernst zu nehmen“, sagt Lindebaum. Daher lautet der Appell der Wissenschaftler: Nicht alles, was sich positiv anfühlt, muss auch im Ergebnis positiv sein.

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