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EntscheidungsMacher Joe Kaeser: Der Mann, der den Radikalumbau wagte

Joe Kaeser Quelle: dpa

Joe Kaeser zeigt gern klare Kante. Dem Siemens-Konzern verordnete er gleich einen radikalen Umbau. Für seinen Stil erntet Kaeser durchaus Kritik – aber auch viele Erfolge.

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Mit der Initiative „Management der Zukunft“ zeichnen die WirtschaftsWoche und KPMG jährlich CEOs aus, die mit ihren Entscheidungen für Mut und Führungsstärke stehen. Warum Siemens-Chef Joe Kaeser zu den Nominierten für den Titel EntscheidungsMacher 2020 zählt, erfahren Sie in diesem Text.

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Der Mann an der Spitze von Siemens hat viele Namen: Joe Kaeser, wie er sich seit seiner Siemens-Tätigkeit in den USA nennt, Josef Käser, wie der 62-Jährige ursprünglich heißt, oder einfach nur „der Käser Sepp“, wie man ihn in seiner Heimat Arnbruck im bayerischen Wald nennt.

Weniger Spielraum als bei seinem Namen lässt der gelernte Betriebswirt bei der Interpretation seines Management-Stils. Kaeser, der Siemens seit 2013 leitet, mag es radikal im ursprünglichen Sinne des Worts: „von Grund aus erfolgend“. Während seine Vorgänger Sparprogramm auf Sparprogramm verordneten, wagte sich Kaeser an die Wurzel sinkender Margen im Industriebereich und baut Siemens gerade von Grund aus um.

Der Mischkonzern, der vom Industriegeschäft mit Kraftwerksturbinen über fertige Züge bis hin zu Softwarelösungen für vernetzte Fabriken ein sehr breites Portfolio aufweist, wird unter Kaeser zu einer schlanken Holding. Das Herzstück bildet das Digitalgeschäft, während die klassischen Industriegeschäfte als selbstständige Unternehmen an die Börse gehen. Den Auftakt machte 2018 die Medizinsparte „Siemens Healthineers“. 2020 soll das Energiegeschäft „Siemens Energy“ folgen, bei dem Siemens nur eine Minderheitenbeteiligung halten will. Die Zukunft der Zugsparte ist nach der gescheiterten Fusion mit dem französischen Konkurrenten Alstom noch offen.

Ohne Kritik blieb der Radikalumbau durch Kaeser nicht. Kritiker befürchten eine Zerschlagung von Siemens und sehen die DNA des Traditionskonzerns bedroht. Doch wohin Tradition ohne Innovation führen kann, zeigt derweil Siemens-Konkurrent General Electric. Nach einem Quartalsverlust von knapp 23 Milliarden Dollar Ende 2018 stand trotz Sanierungsmaßnahmen unter dem Ergebnis des dritten Quartals 2019 immer noch ein Verlust von 1,3 Milliarden Dollar.

Kaeser konnte sich bei der Präsentation der letzten Quartalszahlen das Schmunzeln hingegen kaum verkneifen. Trotz schwächelnder Konjunktur konnte Joe Kaeser ein überzeugendes Ergebnis vorlegen. Im vierten Quartal stiegt der Umsatz um 8 Prozent auf 24,5 Milliarden Euro. Im Geschäftsjahr 2018/19 stieg der Auftragseingang um sieben Prozent auf 98 Milliarden. Der Umsatz legte um fünf Prozent auf 86,8 Milliarden zu.

Aus der Riege der Top-Manager sticht Kaeser auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hervor. Anstatt auf Hochglanzfotos von Konzernveranstaltungen zu setzen, lässt Kaeser dort mit politischen Botschaften und Appellen aufhorchen. Etwa wenn er sich für die Seenotretterin Carola Rakete einsetzt, Tesla-Chef Elon Musk auf die Schippe nimmt oder klare Statements gegen die AfD abgibt. Unumstritten ist Kaesers politisches Engagement nicht. Die klare Kante und seine Neigung zum Unbequemen können aber auch Kaesers schärfste Kritiker ihm nicht absprechen.

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