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Erfolgsaussichten Warum Faulheit der Karriere nützt

Weniger arbeiten und trotzdem erfolgreich sein? Das geht, sagt nicht nur der britische Buchautor Peter Taylor. Faulheit ist sinnvoller, als viele glauben und kann sogar zum Erfolg führen.

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Faulsein mit Stil
Abwarten, Tee trinken!Kaffee vor Arbeitsbeginn, Kaffee in der Mittagspause und Kaffee als Überstunden-Überlebenshilfe – kennt jeder. Finger weg, sagt aber Tom Hodgkinson und ruft zum Teetrinken auf. Denn den trinke man langsam und bedächtig – und möglichst gaaaanz entspannt, nicht wie Kaffee, in mächtigen Pappbechern "to go" und hektisch zwischendurch. Sein Vorbild ist die chinesische Teezeremonie, bei der Haltung, Geschirr und Stille eine Einheit eingehen. Kaffee dagegen sollte der Müßiggänger meiden, er sei ein Feind der Ruhe und des Müßiggangs. „Wir sind vom freudlosen Kaffeetrinken befallen und verseucht worden […] Wir sollten uns ihm widersetzen und uns zum Tee bekennen, dem uralten Getränk von Dichtern, Philosophen und Grüblern.“ Quelle: AP
Weg mit dem Wecker!„Der Schlaf ist ein mächtiger Verführer, daher die furchterregende Apparatur, die wir zu seiner Bekämpfung entwickelt haben. Ich meine die Weckeruhr. Großer Gott! Welches boshafte Genie hat diese beiden Feinde des Nichtstuns – Uhr und Wecken – zu einer Einheit zusammengefügt?“ Verschlafen als Sünde? Das gilt vielleicht für die Arbeitswelt aber nicht für Tom Hodgkinson. Er rät, aufzustehen, wenn wir es wollen und erst dann, wenn wir glauben, es lohne sich. Also fort mit dem Wecker und den Tag gemütlich starten. Quelle: dpa
Ein kleiner Spaziergang schadet nie!„Sei ein Flaneur der Mittagspause. Schlendere. Trödele. Lass dich treiben. Es ist ein höchst angenehmes Gefühl, anderen überlegen zu sein und selbst über sein Schicksal bestimmen zu können, wenn man einfach den Schritt verlangsamt und sich willenlos treiben lässt. Auf diese Weise zu schlendern heißt, sich zu weigern, ein Opfer der Stadt zu werden, es hilft einem vielmehr, sie zu erfassen und zu genießen.“ Zur Kunst des rechten Spazierengehens zitiert Hodgkinson Walter Benjamin. Ihm zufolge soll man die Straße, die Bäume so sehen als wäre man gerade in einem fremden Land angekommen. Quelle: dapd
Ein Drink zwischendurch fördert den Müßiggang!„Der Cocktail symbolisiert ein Wohlgefühl des Geistes, also träume all die Träume, die deinem Herzen am nächsten sind. Sie können wahr werden, und zu keiner anderen Zeit wird ihre Erfüllung so nah erscheinen. Denn dies ist die Cocktailstunde.“ Mit Cocktails, Wein oder Bier den Arbeitstag beenden, die irdischen Sorgen zur Seite legen und Geselligkeit zulassen, das rät Hodgkinson dem gewillten Müßiggänger. Den ersten Drink sollte man möglichst früh zu sich nehmen, damit der Abend schön wird. Und wem das noch nicht reicht, für den hat Hodgkinson noch einen Tipp auf Lager: "Absinth tötet dich, aber er bringt dich zum Leben." Quelle: AP
Krank sein, aber richtig!Krank sein ist nervig? Weit gefehlt! Krank sein gehört zum Leben dazu, meint Hodgkinson, und das soll bitteschön akzeptiert werden. Das beste was der Müßiggänger dann machen kann, ist die Krankheit in Ruhe aussitzen und entspannt genesen. Früher gab es tagelange Ruhe- und Liegekuren für Erkältete oder monatelange Aufenthalte in Badeorten für nervös Leidende. Hodgkinsons Tipps für eine schnell Genesung: „Wie es bei vielen anderen Aspekten des müßigen Lebens der Fall ist, ist die vernünftige Lösung für die Krankheit nicht der Versuch, sie zunichte zu machen, sondern Strategien für den Umgang mit ihr zu entwickeln.“ Quelle: dpa
Angeln - altmodisch, aber entspannend!Angeln zur Entspannung? Das ist nicht abwegig, meint Hodgkinson und weiß auch warum: "Der wahre Inhalt des Angelns, sein Kern, ist sicherlich die vollkommene Stille und Reglosigkeit. Es geht darum, ruhig und bewegungslos zu sein; und es geht ums Warten. Es geht um Sein und gleichzeitig Nichtsein. Es ist etwas für Philosophen und Poeten. Ja, es ist Philosophie und Poesie.“ Quelle: dpa
Rauchen befreit von Lastern!Das ständige „Ja“ und „Nein“ sagen zum Rauchen beschreibt Hodgkinson als ständigen Kampf und gibt einen einfachen Tipp ab, wie man sich von diesem Laster befreien kann: „Rauchen heißt Müßiggang, und es ist schwierig, stolz zu sein, wenn man arbeitet und beschäftigt ist. Wie das Angeln verwandelt das Rauchen den gewöhnlichen Menschen in etwas Heldenhafteres, Vollkommeneres; es macht einen Herrn aus einem Sklaven (…) Wie das Angeln bringt das Rauchen Tätigkeit und Untätigkeit miteinander in Einklang. Wenn man raucht, tut man nicht nichts, man raucht. Man ist gleichzeitig beschäftigt und bewegungslos.“ Quelle: dpa

Dauerstress, Überstunden, Leistungsdruck: In vielen Unternehmen gehört das zum Alltag. Vor allem Menschen, die Karriere machen möchten, versuchen, noch mehr in noch kürzerer Zeit zu leisten.

Dabei haben bereits mehr als 25 Stunden Arbeit pro Woche einen negativen Effekt auf das Gehirn. Wissenschaftler der Universität von Melbourne haben herausgefunden, dass das Gehirn am meisten leistet, wenn es nur an drei Tagen der Woche arbeitet. Dazu haben die Forscher Arbeitsgewohnheiten und Ergebnisse eines Intelligenztests von über 6000 Frauen und Männern über 40 ausgewertet und festgestellt: Die kognitiven Fähigkeiten wie Kreativität, Problemlösung und Konzentration nahmen mit jeder Arbeitsstunde zu – bis zur 25. Stunde. Danach sanken sie wieder.

Colin McKenzie, einer der Autoren der Studie, hat folgende Erklärung: "Arbeiten in Teilzeit ist besser, um die kognitiven Fähigkeiten von Menschen zu verbessern." Trotzdem sind mindestens 40-Stunden-Wochen, oft sogar 50, 60 oder 70 Stunden, die Regel.

Wie gehen Sie mit Stress und Ärger um?

"Wir sind in Handlungszwängen gefangen – und es ist sehr schwer diesem Hamsterrad aus "noch mehr tun, noch mehr leisten", zu entkommen," sagt Philosoph Patrick Spät, der sich mit Kapitalismus- und Arbeitskritik beschäftigt. Er hat mehrere Bücher und Streitschriften zu diesem Thema geschrieben.

Im Grunde mache das aber überhaupt keinen Sinn, weil Studien gezeigt haben, dass sich kaum ein Mensch mehr als fünf Stunden am Tag konzentrieren kann. "Wir müssten die Arbeitszeit radikal auf eine 20- bis 25-Stunden-Woche reduzieren."

Dem entgegen steht allerdings, dass viele Unternehmen die Leistung ihrer Mitarbeiter noch immer mit der Arbeitszeit gleichsetzen. Konkret heißt das: Wer mehr Zeit im Büro verbringt, wird vom Chef oft mehr wertgeschätzt und für produktiver gehalten. Aber das ist Quatsch, wie eine Studie der Universität Stanford zeigt. Demnach nimmt die Produktivität von Arbeitnehmer drastisch ab, wenn sie mehr als 50 Stunden im Büro verbringen. Entscheidend ist die Zeit, die effizient mit Arbeit verbracht wird – und nicht die, in der Löcher in die Luft gestarrt werden.

Fünf Tipps zur Stressbewältigung

Aber wie gelingt es, weniger zu arbeiten? Der britische Buchautor und frühere Projektmanager Peter Taylor hat eine ganz andere Lösung: Er hat aus seinem Hang zur Faulheit eine Tugend gemacht. In seinem vielbeachteten Buch "Lazy Winner" vertritt er die These, dass es längst nicht mehr darum geht, mehr und härter zu arbeiten, sondern klüger.

Heißt konkret: Menschen sollten erst nachdenken, anstatt sich sofort in die Arbeit zu stürzen und unnötige Tätigkeiten auszuführen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass eines Tages die große Chance kommt – und man sie nicht erkennt, weil man zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist.

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