Freeletics, Sworkit, 7MWC „Apps bergen ein Verletzungsrisiko“

Jeder dritte Deutsche trainiert mit Fitness-Apps wie Freeletics oder Sworkit. Das kann eine tolle Ergänzung im Alltag sein. Im Interview erklärt ein Personal Trainer, worauf es beim Training ankommt.

WirtschaftsWoche Coach: Herr Klein, brauchen wir bald keine Trainer mehr? 

Hannes Klein: Der Trend geht ganz klar zur Digitalisierung. Man will zu den Leuten nach Hause und es ihnen so einfach wie möglich machen, sodass sie gar nicht erst aus der Bude müssen. Das läuft über Fitness-Apps, aber auch über kostenlose Videos in den sozialen Netzwerken. Ich denke aber, es wird immer Leute geben, die die professionelle Anleitung von einem ausgebildeten Coach einer App vorziehen - erwiesenermaßen erreicht man mit Personal Training seine Ziele am schnellsten und riskiert dabei nicht seine Gesundheit.

Zur Person

Inwiefern kann ein Training mit Apps gesundheitsgefährdend sein? 

Selbst bei erfahrenen Athleten schleichen sich immer wieder Fehler ein. Und das Problem sehe ich besonders bei Fitness-Apps. Selbst wenn sie gut animiert sind und wenn der Trainierende permanent auf die Animation gucken kann, kann er sich trotzdem nicht sicher sein, dass er die richtige Körperhaltung hat, weil er sich ja selber nicht sieht. Selbst mit einem Spiegel ist es schwierig, wenn man ein intensives Training hat. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass wenn ich neben einem Anfänger stehe und sage: mach mal den Rücken gerade, dann sagt der meistens, ja mach ich doch. Weil man als Einsteiger einfach nicht das Körpergefühl hat.

Warum sind die Fitness-Apps so erfolgreich?

Viele wollen sich den Weg ins Fitnessstudio und natürlich auch die Kosten sparen. Ein mittelklassiges Studio kostet in der Regel 40 bis 50 Euro im Monat. Das ist halt teurer, als wenn ich eine monatliche Gebühr von ein paar Euro für eine App zahle, wo ich genauso regelmäßig meine Trainings bekomme. 

Tipps für den Anfang

Das klingt doch gut.

Ja. Allerdings trainieren die meisten Menschen mit den Apps zuhause. Und die Erfahrung zeigt, dass man zuhause meistens nur halbherzig trainiert. In den eigenen vier Wänden hat man einfach zu viel Ablenkung. Den Partner, das Kind, den Abwasch und vieles mehr.

Also lieber Finger weg von Fitness-Apps?

Nein. Generell kann man sagen: Wenn man Athlet ist und nur eine Anleitung braucht, dann sind die Apps super geeignet. Das Problem ist eher, dass die meisten Einsteiger diese Apps benutzen. Und das birgt eben Verletzungsrisiken.

Wie kann man das umgehen?

Einsteigern würde ich immer empfehlen, erst einmal ein Checkup beim Arzt zu machen. Und dann vielleicht vier bis fünf einzelne Stunden bei einem Personal Trainer zu buchen, um sich ein paar Techniken und Drills zeigen zu lassen und bestimmte Körperpositionen zu lernen. Letztlich besteht jedes Training aus sitzen, stehen, ziehen, schieben. Man muss halt einfach wissen, welche Muskeln man wann aktivieren muss, um beispielsweise den Rücken gerade zu halten. Und wenn man das alles weiß, steht dem Training mit Apps nichts im Wege. 

Tipps für Fortgeschrittene

Woran erkennt man eine gute Fitness-App?

Eine gute App fragt ganz am Anfang erst einmal, wie alt der Trainierende ist, ob Männlein oder Weiblein und am besten noch nach dem Gewicht für den Vorher-nachher-Vergleich. Und übersichtlich sollte sie sein. Sie sollte die Leute dort abholen, wo sie sind oder hin möchten. Ob Cardio, Abnehmen oder Muskelaufbau - die haben einen Riesenangebot, das aber ganz schnell unübersichtlich wird - gerade für Einsteiger. Toll ist: Bei manchen Apps gibt es eine ganze Community, die dahinter steht. Da treffen sich die Leute dann irgendwo, um zusammen Sport zu machen. 

Hand aufs Herz. Wenn ich das alles richtig mache, werde ich dann zu Superwoman?

So einfach ist das nicht. Vielerorts im Fitnessbereich, nicht nur in den Apps, wird den Leuten vorgegaukelt: ‚Mach Sport und alles wird gut‘. Aber eigentlich bräuchte man als erstes aber eine Schlaf-App. Ich propagiere gern das Motto ‚Sleep, Eat, Train, Repeat‘. Denn darauf kommt es an, das ist der eigentliche Schlüssel zum Erfolg. Aber das ganze Leben umzustellen, ist halt für die meisten Menschen zu viel.

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