Führungsqualität Eltern können die besseren Chefs sein

Krankes Kind, kein Babysitter, Kitastreik: In der Vereinbarkeitsdebatte schwingt oft die Frage mit, wie zuverlässig Eltern als Arbeitnehmer sein können. Dabei sind - gute - Eltern sogar die besseren Führungskräfte.

Gute Eltern können gleichzeitig auch gute Führungskräfte sein. Quelle: Fotolia

"Ich führe ein sehr erfolgreiches, kleines Familienunternehmen", sagte einst eine Schauspielerin in einem Werbeclip, die ihre Rolle als Hausfrau und Mutter in einem Vorstellungsgespräch besser verkaufen wollte. Und damit hatte sie Recht: Eine gute Führungskraft gibt ihren Mitarbeitern Anleitung, traut ihnen etwas zu, fördert, lobt und kritisiert. Insofern unterscheiden sich die Aufgaben nicht wesentlich von denen eines Elternteils.

Kinder und Mitarbeiter stehen natürlich niemals auf einer Stufe: Der Stellenwert eines Mitarbeiters als Partner im Unternehmen auf Augenhöhe ist eine Sache. Die natürliche Beziehung zwischen Eltern und Kind eine komplett andere. Aber Eltern können als Führungskräfte von ihren emotionalen und sozialen Kompetenzen aus beiden Bereichen profitieren.

Sind Eltern also die besseren Chefs? Nicht zwangsläufig. Aber sie können es sein, wenn sie erkennen, dass gelebte Führungskompetenz in der Familie und gelebte Führungskompetenz im Unternehmen erhebliche Synergie-Effekte aufweisen. Eltern können diese Synergien in Form von Führungspotential nutzen, wenn sie sich bewusst reflektieren. Wenn sie als authentisches Vorbild agieren und führen, fordern und fördern. Wenn sie flexibel situations- und personenbezogen handeln, kommunizieren, motivieren, begleiten, konstruktiv kritisieren und Impulse geben.

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Was können Eltern konkret auf ihr Führungsverhalten im Unternehmen übertragen?

1) Trauen Sie Ihrem Mitarbeiter mehr zu als er sich selbst, indem Sie ihm Ziele setzen

Die Mutter bringt ihrem Sohn das Radfahren bei. Regelmäßig üben die beiden. Die Mutter geht in immer größer werdenden Abständen neben dem Kind her. Die Mutter erlebt: Mein Sohn erfährt die Hilfestellung, die regelmäßige Motivation und die absolute Sicherheit durch mich. Vertrauensvoll lässt er sich auf die neue „wackelige“ Situation ein und erlebt evolutorisch seine eigene Verbesserung.

Genauso muss die Unternehmerin ihre Mitarbeiter führen: Sie delegiert Arbeitsvorgänge und Projekte, ist als Chefin aber „im Hintergrund“ für eventuelle Rückfragen oder Hilfe immer erreichbar. Die Mitarbeiter erleben: Die Chefin traut ihnen nach einer Vorbereitung Aufgaben zu. Bei Fragen oder Unsicherheiten finden sie stets Unterstützung. Die Chefin setzt den Mitarbeitern Ziele, an denen diese wachsen können. Sie traut ihren Mitarbeitern eventuell sogar mehr zu, als sie sich selber. Der Mitarbeiter erkennt seine persönliche Leistungschance. Durch die Selbstständigkeit gewinnt der Mitarbeiter an Selbstvertrauen und Freude an der Eigenverantwortung. Das Unternehmen profitiert, indem es den Mitarbeitern „Unternehmer im Unternehmen sein“ ermöglicht.

2) Loben Sie Ihre Mitarbeiter

Die Mutter lobt ihr Kind konkret für seine Leistung beim Radfahren. Sie erkennt insbesondere auch Teilschritte an. Sie verbessert konstruktiv, so dass das Kind lernt und – ganz wichtig – motiviert bleibt. Die Mutter freut sich: Durch ihre geduldige Unterstützung gepaart mit ihren aufmunternden Hinweisen zum Lernprozess, gewinnt ihr Sohn die Zuversicht, dass er das Radfahren sukzessive lernt.

Auch im Unternehmen sollten Mitarbeiter konkret, zeitnah zu einem Ereignis und „unter vier Augen“ gelobt werden. Diese Zuwendung zeigt dem Mitarbeiter auch für Teilergebnisse die Anerkennung durch die Chefin. Untersuchungen, wie die alljährlich erscheinende Gallup-Studie zur Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit, zeigen seit etlichen Jahren immer wieder, dass Mitarbeitern diese persönliche Wahrnehmung und Wertschätzung immens wichtig ist. „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ ist ein Satz, der sich auch im Unternehmen bewahrheitet und unternehmerischen Erfolg generiert. Echtes Interesse an der Leitung der Mitarbeiter und echte Freude daran motiviert zu echtem Commitment dem Unternehmen gegenüber.

Was bei Müttern und Vätern zu kurz kommt

3) Kritisieren Sie Ihren Mitarbeiter nur, wenn Sie ihn in seiner Arbeit unterstützen wollen

Ein Junge und sein Vater sind im Supermarkt. Der Junge bekommt von der Verkäuferin an der Fleischtheke ein Stückchen Wurst. Er nimmt es und isst es. Im nächsten Gang – außerhalb der Reichweite der Wurstverkäuferin - spricht der Vater mit seinem Sohn darüber, dass er mit dessen Verhalten an der Wursttheke eben nicht einverstanden sei. Er erklärt, dass es für die Familienmitglieder doch selbstverständlich sei, dass sie, wenn sie etwas geschenkt bekämen, sich dafür bedankten.

Genauso muss der Vater als Führungskraft seinen Mitarbeitern gegenüber auftreten: Gibt es etwas zu kritisieren, sollte er das Gespräch unter vier Augen suchen – nach Abstimmung terminiert und in seinem Büro mit verschlossener Tür. Der Chef zeigt seine Betroffenheit über das Fehlverhalten. Kritisiert jedoch nicht die Person, sondern das Verhalten, beispielsweise häufige Verspätungen, und fragt nach einer plausiblen Erklärung. Sachlichkeit hat oberste Priorität. Eine gelebte „Fehler-Kultur“ trägt maßgeblich zur Weiterentwicklung und damit dem Erfolg des Unternehmens bei.

Eltern motivieren ihre Kinder durch konstruktive, liebevolle Kritik und Vertrauen in sie. Kinder lernen dadurch und werden selbstbewusst. Das gilt auch für Mitarbeiter im Businesskontext. Wer sich allerdings auch zu Hause nur durch Drohen und Bestrafen Gehör beziehungsweise Autorität verschaffen kann, wird mit dieser Strategie sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext auf die Nase fallen.

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