Geld Welche Rolle Geld bei Partnerschaften spielt

"Geld ist ein Medium, das hinterrücks alle unsere Beziehungen strukturiert", sagt ein Sozialpsychologe. Nach einer Scheidung sieht das dann oft so aus: Emotionale Schulden werden mit Geld verrechnet.

"Ich muss dir ein Geständnis machen", sagt der junge Mann kurz vor der Hochzeit. "Ich verdiene nur 1500 Euro im Monat. Wirst du damit auskommen?" "Zur Not schon", erwidert die Braut in diesem Witz mit Bart. "Doch wovon willst DU leben?" Der Mann, der das Geld nach Hause bringt, und die Frau, die es ausgibt - dieses Klischee trifft heute auf weit weniger Paare zu als in der Generation zuvor. Doch hat sich der Umgang von Eheleuten mit ihren Finanzen wirklich verändert?

Viele glauben: Nein, im Gegenteil. Unser Verhältnis zum Geld ist archaisch. Wenn sich Paare über Geld streiten, hängt dies meist damit zusammen, dass sie sich unbewusst mit den finanziellen Konflikten in ihren Herkunftsfamilien auseinandersetzen, glaubt der Frankfurter Sozialpsychologe Professor Rolf Haubl. Der "Geldstil" eines Menschen werde früh geprägt und sei dann relativ stabil. "Über das Geld werden oft latente Beziehungskonflikte ausgetragen", sagt Haubl, der auch Direktor des Sigmund-Freud-Instituts ist.

Wo die Deutschen ihr Vermögen anhäufen
Immer reicherDas Vermögen der Deutschen wächst und wächst. Seit Jahrzehnten steigert sich das Geldvermögen der Privathaushalte fast stetig - zuletzt gab es zu Beginn der Finanzkrise 2008 eine Delle in der Kurve. Nach der Wiedervereinigung lag das Geldvermögen noch bei 1,751 Billionen Euro, fünf Jahre später hatte es schon einen Wert von vier Billionen Euro. 2011 stieg das Vermögen um rund 57 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr an. Die positive Konjunktur und die stabile Lage am Arbeitsmarkt hätten das verfügbare Einkommen gesteigert und damit die Vermögensbildung begünstigt, erklärten die Währungshüter. Gebremst wurde die Entwicklung durch Kursverluste an den Kapitalmärkten Quelle: ap
Bargeld und SichteinlagenDen größte Teil des Vermögens der deutschen Privathaushalte liegt noch immer auf dem Konto und in Bargeld vor. Fast zwei Billionen Euro in Geldnoten und Sichteinlagen befindet sich im Besitz der Deutschen. Rund 608 Milliarden Euro davon waren im vergangenen Jahr in Spareinlagen angelegt, berichtet die deutsche Bundesbank. Quelle: gms
TermingelderZugelegt im Bereich der Sichteinlagen haben erstmals seit Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008 das Volumen bei Termineinlagen. Mit 280,5 Milliarden Euro haben Deutsche in diesem Jahr 18 Milliarden Euro mehr in den kurz- und mittelfristigen Anlagen bei Banken und Geldinstituten angelegt. Hintergründe sind laut Bundesbank die wieder größere Zinsspanne im Vergleich zu den täglich fälligen Einlagen und die schwindende Rendite bei festverzinslichen Wertpapieren. Quelle: ap
VersicherungenAuch die Versicherer vom wachsenden Vermögen. Neben den Banken sind sie die größten Verwalter: Mit fast 1,4 Billionen Euro Ansprüchen der Versicherten ist ein Großteil des Geldes bei ihnen angelegt. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs 2011 das Vermögen, das insbesondere in langfristigen Produkten wie Lebensversicherungen angelegt ist um 45 Milliarden Euro. Quelle: dpa
AktienAn der Börse hingegen sind die Deutschen vorsichtiger geworden. 2010 lagen noch 243,5 Milliarden Euro des Vermögen der deutschen Privathaushalte in Aktien, ein Jahr später sind es nur noch 221,4 Milliarden Euro - rund 22 Milliarden Euro weniger. Quelle: dapd
ZertifikateZertifikate locken auch wegen des höheren Risikos mit mehr Erträgen im Vergleich zu Aktien. Bei den Deutschen siegte jedoch die Vorsicht: Auch das Vermögen in Zertifikaten ging deutlich zurück. Während 2010 noch rund 435 Milliarden Euro des Vermögens der deutschen Privathaushalte in Investmentzertifikate angelegt war, sind es 2011 nur noch knapp 395 Milliarden Euro (minus 40 Milliarden). Das lässt sich zum Teil auch durch die teils hohen Kursverluste erklären. Quelle: dpa
Festverzinsliche Wertpapiere247 Milliarden Euro befinden sich in festverzinslichen Wertpapieren wie Schuldbriefe oder Anleihen. Ein Jahr zuvor waren das mit 259,6 Milliarden Euro noch ein wenig mehr. Quelle: dpa
Ansprüche aus PensionsrückstellungenWenig verändert hat sich hingegen das Vermögen der Deutschen in Form von Pensionsrückstellungen, also die Ansprüche auf die betriebliche Altersvorsorge. 2010 lagen 281,2 Milliarden Euro in Pensionsrückstellungen, 2011 waren es acht Milliarden mehr. Quelle: dpa

Für Männer bedeute Geld etwas anderes als für Frauen. Er verbinde Geld mit Erfolg und Macht, sie mit Sicherheit und Selbstständigkeit. In einer Gesellschaft, in der Geld eine so wichtige Bedeutung habe wie in unserer, würde es zu einem Medium, "das hinterrücks alle unsere Beziehungen strukturiert", sagt Haubl. Er hält "monetäre Kompetenz" für eine der wichtigsten Kulturtechniken. "Wir sollten nicht nur früh lernen, was wir mit Geld machen, sondern auch was Geld mit uns macht."

Tipps für Dispokredite

Früher zahlte der Mann seiner Ehefrau Haushaltsgeld aus

Der Bad Homburger Konfliktberater Jochen Cunz erlebt nur selten Paare, die über Geld streiten. In mehr als zwanzig Jahren hat er fast 500 Paare durch Krisen begleitet. Die häufigsten Gründe für eine Beratung seien Probleme in der Gesprächskultur und mit der Sexualität. "Während der Beziehung oder während einer Ehe ist Geld ganz selten ein Thema gewesen", berichtet der Therapeut. Allerdings komme das Thema oft nach einer Trennung auf. "Hier werden emotionale Schulden mit Geld verrechnet." Eine weitere Beobachtung: "Frauen spielen ihre Macht über die Kinder aus und Männer übers Geld."

Wer im Freundeskreis und in der Nachbarschaft rumfragt, trifft auf zwei Typen von Paaren. Die eine Gruppe sagt: "Wieso sollten wir unser Geld nicht teilen? Wir teilen alles andere ja auch: Kinder, Haus, Bett, Name - wieso also nicht das Konto?" Die anderen meinen: "Mein Konto aufzugeben wäre undenkbar für mich. Es ist für mich der greifbarste Beweis, unabhängig zu sein." Sowohl die einen als auch die anderen kennen aus ihrer Kindheit Paare, in denen der Mann der Frau zum Monatsanfang das "Haushaltsgeld" auszahlte.

Bei Banken ist wenig zu erfahren über die Frage, wie Paare heute mit Geld umgehen. "Interessante Frage", finden alle - aber Antworten hat keiner. Thesen hingegen schon. "Dass Paare ausschließlich ein Gemeinschaftsgirokonto führen, wird bei Jüngeren seltener als bei deren Eltern vorkommen", sagt ein Experte für den Bereich Girokonto-Strategie. Gründe: "Das Streben nach finanzieller Individualität und nach Unabhängigkeit führt tendenziell zu mehr Einzelkonten."

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%