Generation Y

Gute Führung ist eine Frage der Persönlichkeit

Viele junge Menschen wollen einen Job, in dem sie aufgehen und sich selbst verwirklichen können. Aber das passt nicht damit zusammen, wie Unternehmen heute funktionieren.

"Wenn man alles gut macht, kommt die Kohle von allein"
Zwölf deutsche Gründer erzählen in
Anna Alex, Outfittery:
Albrecht Krockow, Post Collective Quelle: Bastien Carrillo
Detlef Isermann, P&M Cosmetics:
Fridtjof Detzner, Jimdo:
Kai Böringschulte, Compeon:
Franziska von Hardenberg, Bloomy Days:

Ich habe zweimal meinen Arbeitsplatz gewechselt. Zweimal wegen schlechter Führung. Mein Ausweg war Anfang 2016 die Selbstständigkeit. So bin ich jetzt mein eigener Chef und nicht mehr von launischen Führungslegasthenikern abhängig.

Rückblickend war das die beste Entscheidung. Eine Entscheidung, die übrigens auch viele andere – vor allem gut qualifizierte junge Menschen – treffen. Die Dropout-Rate gut qualifizierter junger Nachwuchskräfte in Unternehmen ist hoch. Schuld ist in den meisten Fällen die schlechte Führungsqualität direkter Vorgesetzter. Das zeigen jährlich auch Studienergebnisse des Gallup-Instituts.

Führung ist erwünscht!

Zur Person

Sind Sie der Meinung, junge Menschen wollen doch eigentlich nicht geführt werden: Sie streben nach maximalem Freiheitsgrad in sicheren Strukturen? Der erste Gedanke ist falsch, der zweite richtig. Junge Menschen wollen geführt werden – trotz hohem Freiheitsgrad. Und genau das ist der Knackpunkt. Führung findet in vielen Unternehmen nicht statt, weil viele Führungskräfte über ein falsches Auswahlsystem in ihre Führungsrolle befördert wurden.

Wir alle kennen solche Fälle: Herr Meyer, der beste Vertriebler im Team, wird zur Führungskraft befördert, ohne je systematisch gelernt zu haben, was Menschenführung bedeutet. Schlimmstenfalls ist Herr Meyer dann auch irgendwann von seiner Führungsrolle genervt. Er möchte nämlich lieber selber für beste Verkaufszahlen zu sorgen, als sich mit den Fragen, Anregungen und Problemen einer Horde von Mitarbeitern auseinanderzusetzen. Klingt nachvollziehbar, oder?

Sechs Führungstipps für neue Chefs
Manager werden ist nicht schwer...
Arbeit und Privatleben trennen Quelle: Fotolia
Lernen Sie zu delegieren Quelle: Fotolia
Seien Sie kommunikativ Quelle: Fotolia
Vermeiden Sie Mikro-Management Quelle: Fotolia
Nehmen Sie Ihre Bedürfnisse wahr Quelle: Fotolia
Finden Sie einen Mentor Quelle: Fotolia

Mögen Sie Menschen wirklich?

Wolfgang Jenewein der Hochschule St. Gallen hat in einem Interview folgende Frage formuliert, die sich Führungskräfte stellen sollten: „Mögen Sie Menschen wirklich?“ Es ist eine kleine Frage, aber aus meiner Sicht birgt sie das größte Geheimnis guter Führung in sich. Denn erst wenn eine Führungskraft Menschen wirklich mag, kann sie auch aktiv auf Mitarbeiter zuzugehen (statt sie überwiegend per E-Mail zu kontaktieren), sie jeden Tag aufs neue motivieren und inspirieren, ihre Stärken erkennen und sie dabei unterstützen, diese auszubauen und weiterzuentwickeln.

Genau das ist es, was junge Menschen heute wollen. Deshalb brauchen wir heute, wenn wir Potenziale optimal entwickeln wollen, andere Auswahlkriterien für Führungskräfte. Führung ist im Kern eine Frage der Persönlichkeit, nicht eine Frage der Tools. Es reicht heute nicht mehr aus, nur Compliance zu erzeugen – es geht um Commitment. Und das geht langfristig – ohne selbst als Führungskraft auszubrennen – nur, wenn man Menschen wirklich mag.

So wird Ihr Unternehmen agil
Von der Natur lernenWie führen Manager ihre Teams und Unternehmen, wie behalten sie den Überblick? Die Experten Guillaume Alvarez von Steelcase, Wilhelm Bauer vom Fraunhofer IAO und Iñaki Lozano Ehlers, Gründer und Geschäftsführer von BICG haben für die Unternehmensführung und –kultur von Morgen acht Ansätze entwickelt. Der erste besagt: Die zunehmende Komplexität wird beherrschbar, wenn Projekte und Teams als adaptive Strukturen aufgebaut sind. Lassen Sie sich dazu von der Natur inspirieren, beispielsweise von Regenwäldern oder Ameisenkolonien: Systeme wie diese bestehen aus wechselseitig eng miteinander verknüpften Teilen, wodurch sie sich extrem schnell verändern und anpassen können. Quelle: dpa
Es geht um mehr als GeldUm ein Unternehmen zum Erfolg zu führen, müssen sich alle Anstrengungen auf das Wesentliche konzentrieren: den eigentlichen Zweck eines Unternehmens. Wer nur den Profit vor Augen hat, wird eventuell kurzfristig damit erfolgreich sein – langfristig ergeben sich daraus jedoch Probleme, zum Beispiel unzufriedene Mitarbeiter oder Qualitätseinbußen. Quelle: dpa
Vertrauen schenkenStatt selbst Entscheidungen zu treffen, gilt es, Mitarbeiter zu eigenem Denken und Handeln zu befähigen. Schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der sich Mitarbeiter wohlfühlen und ihr Potenzial entfalten können. Quelle: Fotolia
Wände einreißenHierarchische Strukturen und repräsentative Einzelbüros sind nicht länger zeitgemäß, sondern müssen abgelöst werden von teamorientierten Flächen. Räume, in denen Sie als Führungskraft Teil des Teams und jederzeit greifbar sind, implizieren Offenheit, Transparenz und dadurch zufriedenere Mitarbeiter. Quelle: Fotolia
Wandlungsfähig bleibenPassen Sie sich an die Veränderungen unserer Arbeitswelt an, anstatt sie auszusitzen. Wer Themen wie Digitalisierung verschläft, bleibt nicht am Puls der Zeit, sondern verschließt sich neuen Chancen und Innovationen. Quelle: Fotolia
Fehler positiv sehenRückschläge sind die ideale Möglichkeit, um Dinge zu verbessern und neue Lösungen zu finden. Nehmen Sie sich Design-Thinking-Methoden zum Vorbild und geben Sie Ihren Mitarbeitern die Chance, bisherige Herangehensweisen aus einem neuen Blickwinkel zu überdenken und daraus zu lernen. Quelle: Fotolia
Unternehmenskultur fördernBesprechen Sie Normen und Werte, aber auch Ziele und Visionen des Unternehmens mit Ihrem Team. Die Transparenz beseitigt Missverständnisse und führt schließlich zu mehr Erfolg, da alle an demselben Strang ziehen. Quelle: Fotolia

Umso wichtiger wird es sein, das Profil von Führung neu zu hinterfragen: „Wie können wir die Rolle von Führung (in allen Hierarchiestufen) so definieren und gestalten, dass sie zu einer attraktiven Rolle im Unternehmen wird?“ (also abgesehen von der Bezahlung). Was muss die Rolle ausfüllen, wie müssen wir Führung neu denken und wo müssen wir differenzieren zwischen Führung, Management und Fachexpertise?

Fest steht: Unternehmen müssen in die Weiterbildung ihrer Nachwuchs-Führungskräfte investieren, statt nur in das Topmanagement. Denn sie schaden sich dadurch vermutlich unbewusst, wenn sie es zulassen, dass die Führungskräfte auf unteren Führungsebenen zu kurz kommen. Aus zwei Gründen:

1. Eine der größten Herausforderungen von Führungskräften ist der Übergang vom Mitarbeiter zum Vorgesetzten. Eine gute Vorbereitung und Begleitung dieses Wechsels ist von zentraler Bedeutung.

2. Talentierte Nachwuchskräfte fühlen sich möglicherweise unterfordert und das können Unternehmen vermutlich an der Dropout-Quote ihrer Nachwuchstalente beobachten.

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