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Amazonhändler-Aufkäufer Thrasio „Wir investieren 500 Millionen Dollar in Europa“

Die Techfirma Thrasio kauft weltweit kleine Amazonmarken auf und will so eine neue Generation von Konsumgüterkonzern schaffen. Quelle: imago images

Mit reichlich Kapital will das US-Unternehmen Thrasio in Deutschland vielversprechende Amazon-Händler übernehmen. Im Interview erzählen Sami Turkie und Ken Kubec, was sie am hiesigen Markt reizt – und wie sie sich von der Konkurrenz abheben wollen.

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Auf Amazon geht es häufig um Produkte für wenige Euro. Zumindest für viele Verbraucher, die dort regelmäßig shoppen. Für die Techfirma Thrasio hingegen geht es um Millionen. Damit kauft das US-Unternehmen weltweit kleine Amazonmarken auf und will so eine neue Generation von Konsumgüterkonzern schaffen. Eine ganze Reihe an deutschen Firmen folgt dem Modell von Thrasio bereits. Zeit für ein Gespräch mit Sami Turkie, Geschäftsführer von Thrasio Deutschland, und Ken Kubec, weltweit verantwortlich für Zukäufe.

WirtschaftsWoche: Herr Turkie, Herr Kubec, Sie haben bereits 100 kleinere Amazonhändler übernommen. Haben Sie überhaupt noch den Überblick über all diese aufgekauften Marken?
Sami Turkie: Unser Ziel ist es, die besten Produkte in den Kategorien zu haben, die Verbraucher täglich benötigen. Wir kaufen vertrauenswürdige Marken. Und unser Team macht sich dann daran, sie zu verbessern – und die Aufmerksamkeit für diese Marken zu steigern.

Ken Kubec: Die typische Unternehmung, die wir kaufen, besteht aus einem Einzelunternehmer mit ein paar virtuellen Assistenten oder einer Handvoll Freelancern. Wir haben unsere Plattform so aufgebaut, dass wir uns mit einzelnen Gruppen auf Lieferkette, Finanzen, Werbung und Marketing fokussieren können. Das erlaubt es uns, neue Zukäufe schnell zu integrieren. Unsere Checkliste, um eine neue Marke – egal wie groß oder komplex – an Bord zu bringen, umfasst 507 einzelne Schritte.

Thrasio-Manager Ken Kubec. Quelle: PR

Wie soll es weitergehen?
Turkie: Wir suchen intensiv nach neuen Marken, weltweit schließen wir jede Woche Deals ab. Und wir lassen diese Marken auf Amazon und darüber hinaus weiter wachsen – auf anderen Plattformen, im Direktvertrieb oder über den Handel. 100 Marken sind für uns nur der Anfang. Wir gehen davon aus, dass wir die nächsten 100 Marken in der halben Zeit kaufen. Unsere weltweite Expansion ist ein weiterer Wachstumsweg. So werden wir die besten Produkte finden – und sie dann wiederum rund um die Welt verkaufen können.

Warum sehen Sie sich jetzt verstärkt in Deutschland um? 
Turkie: Deutschland ist einer der führenden E-Commerce-Märkte in Europa. Dazu kommt: Es ist einer der weltweit größten Amazonmärkte. Und es gibt hier zahlreiche erfolgreiche Händler, die genau unsere Kriterien treffen. Sie haben ein sehr gut optimiertes Portfolio von hochwertigen Produkten mit einer starken Marke. Wir sehen ein sehr großes Potenzial, diese deutschen Marken in Europa wachsen zu lassen – aber auch auf dem US-Markt.

Sami Turkie, Geschäftsführer von Thrasio Deutschland. Quelle: Privat

Wie finden Sie diese Marken aus der unüberschaubaren Anzahl von Amazonhändlern?
Turkie: Als Marktführer haben wir das Glück, dass viele Verkäufer auf uns zukommen. Daneben haben wir aber noch ein starkes Team für die Geschäftsentwicklung, das gut vernetzt ist und daran arbeitet, gute Amazon-Verkäufer zu identifizieren.

Wie sind Sie in Deutschland denn selbst vertreten?
Turkie: Unser Motto ist: „Think global, act local“. Wir haben Niederlassungen in Düsseldorf, Berlin und London. Unser Team wächst konstant mit der Anzahl der Deals, die wir abschließen. Deutschland ist einer unserer wichtigsten Märkte weltweit.

Was bedeutet das in Zahlen?
Kubec: Es gibt im Moment kein Limit, wenn es um die Zahl der Geschäfte geht, die wir übernehmen könnten. Wir können 500 Millionen Dollar für Zukäufe in Deutschland und Europa ausgeben. Wir glauben, dass der europäische Amazon-Marktplatz noch in den Kinderschuhen steckt. Daher wollen wir früh eine Führungsposition aufbauen und dann unsere Größe und unser Kapital nutzen, um diese Stellung auszubauen.

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Mit einem ähnlichen Ziel sind einige Konkurrenten unterwegs. Wie wollen Sie sich absetzen – auch in Verhandlungen mit Amazonhändlern?
Kubec: Vor allem mit unserer Erfahrung, wenn es um die Integration und die Skalierung von Marken geht. Amazon ist ein komplexer Marktplatz. Es kann schon eine echte Herausforderung werden, ein Unternehmen dort zu führen. Dutzende Marken zu steuern, erfordert sehr stabile Prozesse und eine Menge an Wissen und Erfahrung. Die Lehren, die wir durch den Kauf, die Integration und das Wachstum von 100 und mehr Marken gewonnen haben, verschaffen uns einen wichtigen Vorteil. Und: Mit mehr als 15.000 Produkten haben wir eine große Breite an Information zur Hand. Das ist ein Know-how, das man kaum in diesem Bereich erreicht, ohne Millionen von Transaktionen zu beobachten.

Mehr zum Thema: Techfirmen wollen aus einem Durcheinander an kleinen Marken eine neue Art von Konsumgüterkonzernen formen. Das Risiko: Über kurz oder lang könnte es mehr Kapital als sinnvolle Übernahmeziele geben.

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