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Auto1-Mitgründer Christian Bertermann Auto kaufen? „Wir machen das online – und zwar besser als alle anderen“

Autohero-Transporter Quelle: Auto1

Auto1 ist das wertvollste, nicht börsennotierte Start-up Deutschlands. Im Interview erklärt Mitgründer Christian Bertermann, wie er nun mit dem Portal Autohero Gebrauchtwagen online an Privatpersonen verkaufen will.

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Christian Bertermann (36) ist gebürtiger Münchener, seine Mutter arbeitet als Apothekerin, sein Vater ist Arzt. Bertermann studierte BWL in Mannheim. 2010 heuerte er bei Citydeal an, einem Gutscheine-Startup der Samwer-Brüder. Als die Gründer es im selben Jahr an das US-Vorbild Groupon verkauften, wechselte Bertermann zu Groupon, arbeitete im Produktmanagement und verantwortete ein Team von 120 Mitarbeitern. Im Sommer 2012 gründete Bertermann mit dem Juristen Hakan Koç in Berlin Auto1.

Über die Plattform Wirkaufendeinauto.de kauft das Unternehmen Gebrauchtwagen von Privatpersonen und verkauft sie weiter an Autohändler. Zu den Investoren zählen u.a. Piton Capital, Baillie Gifford & Co., Target Global, Cherry Ventures sowie der „Vision“-Investitionsfonds des japanischen Technologiekonzerns Softbank. Im Jahr 2019 erwirtschaftete Auto1 rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz. Im Sommer wurde Auto1 von der Londoner M&A-Beratung GP Bullhound mit mehr als 3 Milliarden Euro bewertet, damit ist das Jungunternehmen das wertvollste deutsche, nichtbörsennotierte Start-up.

WirtschaftsWoche: Herr Bertermann, zum neuen Jahr wechselt Ihr Mitgründer Hakan Koç in den Aufsichtsrat, Sie werden alleiniger Chef. Hat Ihr Kollege keine Lust mehr?
Christian Bertermann: Ganz im Gegenteil. Seitdem Hakan und ich das Unternehmen 2012 gegründet haben, haben wir eine unausgesprochene Aufgabenteilung: Hakan hat sich vor allem um die Finanzierung der Firma gekümmert, um die Betreuung von Geldgebern und um die Finanzierungsrunden. Ich habe mich auf das operative Tagesgeschäft konzentriert. Die Strategie haben wir immer gemeinsam festgelegt. Wir glauben, dass diese Aufteilung unseren Stärken entspricht. Und es hat bisher auch hervorragend für Auto1 funktioniert. Die neue Aufgabenteilung wird keine Auswirkungen auf unser operatives Geschäft haben.

Christian Bertermann Quelle: Auto1

Die Aufgaben werden aber doch nicht weniger, dafür wird der Vorstand kleiner. Was soll vorteilhaft daran sein, wenn der Chef überlastet ist?
Ich bin ja nicht allein. Mit Markus Boser habe ich einen sehr erfahrenen Finanzchef an meiner Seite. Und unter uns haben wir ein sehr starkes Management-Team, unsere fünf Senior Vice Presidents, die unsere mehr als 4000 Mitarbeiter führen. Auto1 ist erwachsen geworden, wir sind heute eine Riesenfirma, mit rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2019. Und wenn Hakan im Aufsichtsrat ist und ich das Geschäft operativ führe, haben wir die allerbesten Voraussetzungen, um unsere Vision von Auto1 zu verwirklichen.

Eine tragende Rolle in dieser Vision soll die Plattform Autohero spielen, über die Sie Autos an Privatkunden verkaufen: Die in diesem Jahr eingesammelten 255 Millionen Euro werden Sie in den Aufbau von Autohero stecken. Wie viel steuerte die Plattform 2019 zum Auto1-Gesamtumsatz bei?
Der Verkauf an Privatkunden lag 2019 bei unter fünf Prozent des Gesamtumsatzes. In diesem Jahr wird sich der Anteil verdoppeln, aber trotzdem noch klein bleiben angesichts der rund 3,5 Milliarden Euro Gesamtumsatz im vergangenen Jahr. Es braucht ein bisschen Zeit, um da ein Gegengewicht zu schaffen. Und wir sehen bei Autohero enormes Wachstumspotenzial. Denn: Einen Gebrauchtwagen offline zu kaufen ist einfach sehr aufwändig. Wir glauben, das geht viel besser – nämlich online.

Auf Ihrer Webseite Wirkaufendeinauto.de haben Sie ja auch schon länger die Möglichkeit für Privatkunden, Autos auch zu kaufen. Wieso bauen Sie mit Autohero eine neue Plattform auf, die Sie nun erst bekannt machen müssen?
Wir probieren immer mal wieder neue Sachen aus, das ist ja das Schöne als junges Unternehmen. Der Fahrzeugmarkt auf wirkaufendeinauto.de war für uns ein Testballon. Wir haben uns gefragt: Passt das eigentlich zu dem, was die Kunden dort suchen? Dann haben wir herausgefunden: Die meisten Kunden auf wirkaufendeinauto.de interessieren sich in erster Linie dafür, ihr Auto zu verkaufen. Die Frage „Welcher wird mein Neuer?“ ist da gar nicht so präsent. Deswegen werden wir den Autoverkauf dort runternehmen…

…und viel Geld in den Aufbau von Autohero stecken.
Ja, denn es ist die natürliche Erweiterung unseres Geschäftsmodells, dass wir Gebrauchtwagen selbst an den Endkunden verkaufen. Wir sind der größte Einkäufer von Gebrauchtwagen in ganz Europa. Niemand handelt mehr Einheiten als wir, und niemand kauft mehr Autos von privat als wir. Der Markt für Gebrauchtwagen in Europa ist riesig, rund 700 Milliarden Euro groß, wenn man die Finanzierung einbezieht. Es gibt keinen einzigen Player in Europa mit einer vergleichbaren Marke. Das ist für uns eine riesige Gelegenheit – und unsere Investoren sehen das genauso. Der nächste logische Schritt ist für uns also, unsere Plattform für den Verkauf von Gebrauchtwagen an Endkunden auszubauen. So können wir die komplette Wertschöpfungskette in diesem Markt bedienen. Aber dafür wollen wir keine Glaspaläste bauen. Wir machen das online – und zwar besser als alle anderen.

Was wollen Sie besser machen als die beiden führenden Anzeigenportalen Mobile.de und Autoscout24, die es bereits seit 1996 bzw. 1998 gibt?
Die beiden Portale spielen eine wichtige Rolle bei der Suche nach dem passenden Fahrzeug. 70 bis 80 Prozent der Käufer recherchieren vor dem Kauf online. Aber Mobile.de und Autoscout24 sind reine Anzeigenportale, die die Informationen angebotener Gebrauchtwagen aggregieren. Und das machen sie sehr gut. Wir stellen unseren Bestand dort auch selbst ein, sind also Partner und Kunden von diesen Anzeigenportalen.

Aber?
Wenn ich auf Mobile.de oder Autoscout ein Auto gefunden habe, kann ich ja nur zwei Sachen machen: Entweder kann ich dem Verkäufer eine Mail schicken oder ihn anrufen. Ich habe als Kunde immer den Eindruck, dass ich mich darum kümmern muss, dass ich das Auto am Ende auch bekomme. Ich muss sicherstellen, dass der Prozess funktioniert und dass ich das rechtzeitig bezahle und dass es kein anderer bekommt – und ich muss vielleicht noch 200 oder auch 500 Kilometer weit fahren, um das Auto abzuholen. Das ist nicht die Kundenerfahrung, die ich erwarte. Ich würde erwarten: Das Auto möchte ich jetzt haben, ich kann es auch bezahlen – also möchte ich es mit einem Klick kaufen und dann zur Haustür gebracht bekommen. Und genau das ist es, was Autohero möglich macht.

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