WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Berliner Startup-Szene "Tape übernimmt Amen – eine Liebeshochzeit"

Der Berliner Musikvideoanbieter tape.tv übernimmt das bis dato meist gehypte Berliner Startup: Amen. Die beiden Gründer Conrad Fritzsch und Felix Petersen wollen nun gemeinsam das Musikfernsehen neu erfinden. Was die beiden planen und wie ihnen dabei ein exklusiver Deal mit Vodafone helfen soll, verraten sie im Interview.

Felix Petersen und Conrad Fritzsch (von links) Quelle: PR

WirtschaftsWoche Online: Tape übernimmt Amen - was heißt das konkret?

Conrad Fritzsch: Das gesamte Team von Amen zieht zu tape.tv. Und wir organisieren uns anders. Felix Petersen wird auf Vorstandsebene neuer Produktchef und mit unserem neuen Team wollen wir gemeinsam ein besseres tape.tv bauen.

Wie sieht denn ein besseres tape.tv aus?

Felix Petersen: Wir machen das erste wirkliche Social-Music-Television. Derzeit habe ich als musikinteressierter Mensch zwei Möglichkeiten: Ich kann entweder in einen riesigen Laden gehen - nichts anderes sind iTunes und Spotify -  und habe die Qual der Wahl. Oder ich kann lineare Musikstreams konsumieren - Radio, den Hiphop- oder Indiekanal. Trotz zehn Jahren iTunes gibt es weder auf der Audio- noch au der Video-Schiene eine gute Lösung, Musik zu entdecken und einfach mal eine halbe Stunde neue, spannende Musik zu hören, die einem auch wirklich gefällt. Um so ein Angebot zu schaffen, ergänzen sich Amen und tape.tv sehr gut: Tape als Contentanbieter und Amen mit seiner Web-Produktdenke.

Das ging doch früher bei Last.fm schon und funktioniert auch bei Spotify gut - was wollen sie da anders machen?

Felix Petersen: Wir denken, dass das noch nicht gut gelöst ist. Wir werden da einen Schritt weiter gehen und etwas Neuartiges schaffen. 

Conrad Fritzsch: Wir haben bisher stark mit Künstlern und Labels gearbeitet, bei uns hängen Platinalben von Cro, Gold von Kraftklub und Casper - die schicken uns das, weil wir mit ihnen sehr eng gearbeitet haben und diese Künstler mit aufgebaut haben. Das ist auch das Feedback der Musikindustrie - wir sind da sehr nachhaltig. Bisher gab es zu den Usern eine Art Wand: Wir haben gemacht, was uns wichtig war. Jetzt wollen wir die User viel stärker einbinden, sie können Teil des Ganzen werden. Bisher gibt es da eine große Lücke. Nur weil ich einen Facebook-Button auf der Seite habe, ist meine Produkt ja nicht gleich social. Social heißt, dass man sich mit dem Content auseinandersetzt, sprich: Engagement.

"Ein Pinterest für Musikvideos"

Die wichtigsten Web-TV-Anbieter
Screenshot Webseite tape.tv Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Live.tv Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Sevenload Quelle: Screenshot
Screenshot Zattoo-Webseite Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Sendungverpasst.de Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Qtom.de Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite TV-Stream.to Quelle: Screenshot

Nochmal konkret: Was kann mir tape.tv liefern, was mir andere nicht liefern?

Felix Petersen: Bisher wird bei Musikcharts ja nur die Zahl der verkauften Tonträger gezählt. Bei Amen hatten wir für alle möglichen Charts einen anderen Mechanismus: Einer hat eine starke Meinung, die andere inspiriert, Dinge hinzuzufügen. Besonders gut hat das im Musikbereich funktioniert: die besten Balkan-Songs, die besten Songs für den ersten Kuss, die besten Berlin-Sommerhits - also auch sehr spezifische Sachen. Zusammen mit tape.tv können interessante nutzerkuratierte Listen entstehen -  so ein bisschen ein Pinterest für Musikvideos. Letztendlich geht es um Mixtapes - also Mixtapes 2.0.

Aber sowas gibt es doch schon: Allein für Spotify gibt es doch viele dieser Seiten siehe beispielsweise Playlists.net, die die abstrusesten Musik-Listen anbieten.

Es gibt auch einige andere Anbieter im Markt, die Listen anbieten. Nur leider mangelt es dort an der Partizipation der Nutzer. Auch sollte man das mit dem Wort 'Liste' nicht zu wörtlich nehmen. Wir reden von einer Kartierung und Kuratierung durch die User. Auf die genaue Lösung darf man gespannt sein. 

Vor ziemlich genau einem Jahr im WiWo-Interview mit Oliver Voß hieß es, dass Amen nun in Phase zwei eintritt und man 2013 mit der Monetarisierung beginnen wollte. Was ist schief gelaufen?

Felix Petersen: Ich sehe Amen nicht als Misserfolg sondern als erfolgreiches Experiment, dass einige völlig neuartige Lösungen für die Strukturierung und sinnvolle Nutzbarmachung von Posts und Meinungen im Netz aufgezeigt hat. Wir sind stolz darauf, ein innovatives mobiles soziales Netzwerk entwickelt zu haben, dass unseren Usern auch noch Spaß macht. Das ist quasi die Formel 1 des Internets und mit dem, was Path und Foursquare tun, zu vergleichen. Die Nutzer waren anfangs richtig süchtig nach Amen, aber nach drei bis vier Monaten wurde es ihnen dann irgendwann zu langweilig. Wir haben versucht, den Nutzwert mehr herauszustellen aber letztendlich gelang es uns nicht, die Listen mit solchem nachhaltigen Content zu verknüpfen. Wenn ich eine Liste der besten Songs aller Zeiten habe, dann will ich die auch hören. Drittens hatten wir das Problem, dass diese holzschnittartigen Aussagen zwar innerhalb von Amen gut funktioniert haben, aber außerhalb nicht. Meine Freunde waren befremdet, wenn ich bei Twitter "David Hasselhoff ist der schlechteste Sänger der Welt" verbreitet habe. Wenn man schnell wachsen will, ist man auf die daraus entstehenden viralen Effekte aber angewiesen. Instagram ist so schnell groß geworden, weil die Fotos sehr plakativ sind und eben auch auf Facebook und Twitter geteilt worden sind. Dieses virale Wachstum fehlte uns am Ende.

Wir wussten aber auch von vornherein, dass wir es entweder schaffen, innerhalb eines Jahres das nächste Twitter zu werden oder nochmal was anderes probieren müssen.

Und was sagen eure Investoren dazu?

Conrad Fritzsch: Die sind froh, dass das, was bei Amen entwickelt wurde, in der Kombination bei tape.tv jetzt richtig Druck auf die Straße bringen kann. In der Kombination ergänzt sich das sehr gut. So ein Investment kann sich um ein Vielfaches vermehren.

Felix Petersen: Amen hatte den Anspruch, eine universelle Suchmaschine zu werden und Inhalte zu ordnen. Dieser horizontale Ansatz war anscheinend etwas zu breit. Als wir auf unsere Investoren zugegangen sind und ihnen die Idee präsentiert haben, uns mit dem deutschen Marktführer im Social Music Television zusammenzutun, waren sie sehr positiv eingestellt. Sowohl Investoren, Mitarbeiter als auch wir beide, Conrad und ich, sehen das als echte Liebeshochzeit.

Amen und tape.tv ergänzen sich

Die bekanntesten Musik-Portale im Internet
Amazon startet Prime Music in Deutschland und Österreich - als Bestandteil von Amazon Prime ohne zusätzliche Kosten. Quelle: obs
Apple Music Quelle: dpa
Die seit März 2012 existierende Plattform Spotify bietet mehr als 30 Millionen Songs an. Eine Gratis-Version erlaubt das Anhören der Musik mit Werbeunterbrechungen. Zusätzliche Premiumfunktionen wie das Downloaden von Liedern sind wie bei den meisten Streaming-Angeboten kostenpflichtig. Nach eigenen Angaben hat Spotify mehr als 75 Millionen Nutzer, 20 Millionen von ihnen zahlen. Der Streaming-Dienst ist in 58 Ländern verfügbar. Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich
Die Streaming-Plattform Deezer ist vor allem in Frankreich sehr beliebt. 2007 startete sie als erster Gratis-Streamingdienst auf dem Markt. Heute kostet eine Mitgliedschaft, wie auch bei vielen anderen Diensten, Geld. Kostenlos gibt es nur ein Radio-Angebot und Lied-Ausschnitte. Die Plattform ist mittlerweile in mehr als 180 Ländern verfügbar. Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich Quelle: Screenshot
Mit Ampya versucht die ProSiebenSat.1 Media seit 2011 auf dem boomenden Markt der Streaming-Dienste Fuß zu fassen. Beflügelt durch viel Werbung auf den TV-Kanälen des Medienunternehmens zählt Ampya zu den bekanntesten Diensten in Deutschland. 2014 wurde Ampya von Deezer mit dem Ziel übernommen, in Europa noch weiter zu wachsen. Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich Quelle: Screenshot
Seit 2012 ist WiMP aus der Bethaphase heraus. Gegründet wurde der Musikstreamingdienst in Norwegen, wo sein Mutterkonzern "Aspiro" sitzt. WiMP gibt es bis jetzt in fünf Ländern zu hören: Deutschland, Norwegen, Dänemark, Schweden und Polen. "Aspiro" spielt schon mit dem Gedanken WiMP auch in Finnland, Portugal, Österreich und der Schweiz zu etablieren. Mit einer hohen Sound-Qualität (gegen Aufpreis) und einem eigenen Redaktionsteam, das Musik empfiehlt, will sich WiMP von der Konkurrenz abheben. Preis: 4,99 bis 19,90 Euro monatlich
Napster startete als Musiktauschbörse und wurde schnell zur Plattform für illegale Raubkopien. Auf rechtlichen Druck der Musik-Industrie wurde die Plattform 2001 geschlossen. Der legale Streaming-Dienst gleichen Namens bietet mehr als 25 Millionen Songs und ist damit einer der größten überhaupt. Nach einer kostenlosen Testphase gibt es den Dienst allerdings nur noch gegen Geld. Preis: 7,95 bis 9,95 Euro monatlich Quelle: AP

Wie viel Geld ist geflossen?

Felix Petersen: Alle sind happy, aber Zahlen nennen wir nicht.

Die größte Herausforderung bei allen Social Networks ist ja, die Leute zum Mitmachen zu bekommen. Wie wollen Sie das angehen?

Felix Petersen: Wir haben bei Amen gezeigt, was wir können. Es reicht schon relativ wenig Partizipation, um attraktive Listen zusammenzubekommen. Und das Schöne bei tape.tv ist: Musik an sich ist schon mal ein ziemlich attraktiver Content. Das kombinieren wir mit der Mitmachlogik von Amen.

Conrad Fritzsch: Nicht zu vergessen: Wenn du einen Song dreimal hörst, dann wissen wir ja schon, dass du das Lied magst. Diese Informationen kombinieren wir mit dem Voting-Verfahren von Amen und der Auswahl unserer Redaktion, die ja auch zu Nutzung führt.

Beim Blick auf die Reichweite von tape.tv gewinnt man den Eindruck, dass es nicht so richtig gut läuft. Von Juni 2012 auf August 2012 haben sich die Visits beinahe halbiert, derzeit macht ihr knapp vier Millionen Visits im Monat und habt rund 1,56 Millionen Unique User laut Agof. Was ist da los?

Conrad Fritzsch: Die Agof und die IVW haben im vergangenen Jahr ihre Messmethoden umgestellt. Das heißt: Alle Player, die bei unseren mehr als 120 Kooperationspartnern wie Bild, Spiegel, Web.de aber auch großen Blogs wie mitvergnuegen.com und whudat.de eingebunden waren, zählen nun nicht mehr als Traffic bei uns, auch wenn wir dort immer noch unsere Werbung ausspielen können. Das zweite ist: Wenn wir User in langfristige User konvertieren wollen, dann werden Verweildauer und Unique User die harte Währung sein. Nutzer, die häufig kommen und lange bleiben, kannst du in andere Modelle wie beispielsweise Abomodelle konvertieren. Wir haben geschaut, welche Trafficquellen besonders wertvolle User liefern und welche nicht. Und haben dann auch selektiert. Und wenn man sich unsere Geschäftszahlen anschaut, dann sieht die Situation derzeit sehr gut aus.

Felix Petersen: Zu tape.tv kommen sehr viele Leute - über die unterschiedlichsten Seiten - durch die Verbindung zu den Künstlern, Konzerte wie "Auf den Dächern" und anderen Seiten. Derzeit liegt die Verweildauer des durchschnittlichen Nutzers ja schon rund 20 bis 30 Minuten - das ist ziemlich gut. Wir wollen, dass die User noch länger bleiben und wir sie zu dauerhaften Usern konvertieren. Bei Amen haben wir das geschafft.

Große Finanzierungsrunde 2014 geplant

So schauen Sie Fernsehen im Netz
UltravioletAus Hollywood kommt eine neue On-Demand-Plattform. Die dort ansässigen Studios wollen im zweiten Halbjahr mit dem digitalen Service Ultraviolet starten. Von großen Handelsunternehmen habe man bereits ein positives Feedback bekommen. Voraussichtlich im September soll die Homepage dann mit dem kompletten Online-Angebot auch in Deutschland und Frankreich verfügbar sein. Anmelden können Nutzer sich bereit. Bereits seit Oktober 2011 ist die Seite zum Videodownload in den USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Australien und Neuseeland erhältlich. Bisher sind 12,5 Millionen Haushalte registriert. Quelle: Screenshot
Maxdomemaxdome ist das Filmportal der ProSiebenSat.1 Media AG und ist schon seit längerem, nämlich 2006, im Video-On-Demand-Geschäft tätig. Ähnlich zu iTunes können Filme auch einzeln, ohne Abo ausgeliehen oder gekauft werden. Daneben existieren einige Flatrate Preismodelle. Nach eigenen Angaben stehen maxdome über 45.000 Videos aus verschiedenen Kategorien zur Verfügung, viele davon Eigenproduktionen von Pro7 und Sat1. Quelle: Screenshot
LOVEFiLMAmazons Tochterunternehmen LOVEFiLM ist ein Online-Videoverleih, als auch Video-On-Demand-Plattform. So verschickt die Internet-Videothek leihweise DVDs und Blu-rays per Post und ist gleichzeitig als Video-On-Demand-Angebot nutzbar. Mittlerweile hat das Unternehmen nach eigenen Angaben über 12.000 VOD-Titel und ist damit gleichauf mit Watchever. Quelle: Screenshot
WatcheverWatchever bietet mit dem Erwerb einer Flatrate die Möglichkeit, auf Smart TVs, Notebooks, Tablets, Smartphones und Spielekonsolen Filme oder Serien zu schauen. Über Facebook können die eigenen Bemerkungen zu den gesehenen Inhalten mit Freunden geteilt werden. Durch die Bewertung der Filme werden dem Nutzer passende, personalisierte Filmempfehlungen präsentiert. Quelle: Presse
MyVideoMyVideo ist ein Videoportal, das genau wie youtube in erster Linie auf nutzergeneriertem Content aufbaut. Neben selbstgedrehten Videoclips bietet MyVideo vor allem professionelle Inhalte an. So haben die Nutzer Zugriff auf über 3,8 Millionen Musikvideos, exklusive Web-TV-Produktionen, Serien oder Kinofilme. Quelle: Screenshot
iTunesLängst ist Apples iTunes nicht mehr nur auf Musik und Apps beschränkt. Apples iTunes-Videothek hebt sich in vielfacher Hinsicht von der Video-On-Demand-Konkurrenz ab. So bietet der IT-Gigant mit über 13.000 Filmen und Serien zwar die größte Auswahl, ein Abomodell sucht man hier allerdings vergeblich. Einzelne Inhalte müssen also stets geliehen oder gekauft werden, wobei der Anspruch auf geliehene Filme nach drei Tagen verloren geht. Apple punktet auch bei der Tonqualität, indem fast jeder Film in Dolby Digital 5.1 daherkommt. Quelle: Screenshot
EntertainDas Entertain-Angebot der Telekom bietet individuelles Fernsehen. Durch die Aufnahmefunktion wird das TV-Programm aufgezeichnet und über das Handy oder den PC organisiert. Das Video on Demand-Programm bietet eine Auswahl aus über 19.000 Film-, TV- und Serien-Highlights. Quelle: Presse

Sie haben in den zwölf Monaten sehr viel angekündigt: mobil durchstarten, von einem Freemium-Modell war die Rede, die Expansion nach Frankreich und Großbritannien stand an. Was ist daraus geworden?

Conrad Fritzsch: Wir haben unsere mobile Seite vor einigen Monaten gelauncht und Contentproduktionen wie „Auf den Dächern“ auch im Ausland gestartet. Aber um richtig durchzustarten und schnelles Wachstum auch finanzieren zu können, brauchen wir ein zweites Geschäftsmodell im Ausland. Wir brauchen ein Abomodell. Deshalb haben wir jetzt mit der Akquisition von Amen ein starkes Produktteam und darauf aufbauend können jetzt die weiteren Themen folgen. Heißt: mobil ausbauen, Abomodelle andocken und dann die Expansion ins Ausland. Das andere Thema, an dem wir arbeiten: Wenn du Tape benutzt, stellst du schnell fest, dass da zwar jede Menge toller Content ist, aber die Visualität noch nicht stimmt und auch der Mechanismus aus dem Produkt heraus, Empfehlungen zu bekommen, noch besser funktionieren kann.

In welchem Zeitraum sollen diese Schritte denn jetzt folgen?

Conrad Fritzsch: Ihr solltet uns wie in der Politik üblich, 100 Tage geben, einen ordentlichen Schlachtplan zu machen, damit wir den Begriff des Social-Music-TV mit Leben füllen. Aber wir werden nicht an einer großen Lösung schrauben, sondern das wird ein fließender Prozess sein. Aber der Fokus liegt auf Mobile.

tape.tv hat 2012 eine Finanzierungsrunde über fünf Millionen Euro abgeschlossen. Wie lange reicht denn das Geld noch?

Conrad Fritzsch: Wenn du die Produktentwicklung im Haus hast, brauchst du eigentlich nur noch Geld zum Wachsen. Nach dem großen Ströer-Deal vor vier Wochen und der Amen-Akquisition planen wir jetzt zwei Sachen: Erstens, mit Hilfe des Mediavolumens bei Ströer allen Leuten in Deutschland sagen, dass sie Musikfernsehen konsumieren können - und zwar überall und immer. Zweitens: Das Produkt so weiterentwickeln, dass das eben auch so funktioniert: Ich stehe an der Bushaltestelle, sehe die Werbung für tape.tv und es geht sofort los. Und dann sehe ich auch noch Videos, die mir gefallen und ich kann einfach nur zugucken oder mit dem Content arbeiten, sprich bewerten. 

Und ja: Wenn wir unser Produkt dann skalieren wollen, dann brauchen wir Wachstumsgeld. Bedeutet: Wir streben für Frühjahr 2014 eine große Finanzierungsrunde an, wo wir dann dieses Geld einsammeln.

Ihr seid derzeit komplett werbefinanziert, was ja gerade mobile noch nicht so richtig fliegt. Wie wollt ihr Mobile monetarisieren?

Conrad Fritzsch: Wir haben es auch auf der stationären Seite geschafft, nicht nur auf Banner und Prerolls zu setzen, sondern ganz stark auf Branded Entertainment zu setzen. Dieser Bereich macht schon jetzt rund 50 Prozent unseres Umsatzes aus. Das wollen wir im ersten Schritt auf Mobile verlängern. Weil Standardwerbeformen mobil nicht funktionieren, setzen wir als zweites Standbein auf Abomodelle. Mobile zahlt man auch für einen guten Service und daran wollen wir anknüpfen.

"Wir müssen sehr viel ausprobieren"

Was Verbraucher bei Online-Videotheken beachten können
Wie kann ich Filme im Internet ausleihen?Filme im Internet lassen sich auf verschiedenen Geräten abrufen. Was möglich oder notwendig ist, hängt vom Anbieter ab. Allgemein ist die Ausleihe über Computer möglich oder über Fernseher, an die Empfangsgeräte angeschlossen sind, sogenannte Set-Top-Boxen. Daneben gibt es auch internetfähige Fernseher. Die Filme können zudem oft auf Smartphones oder Tablets geladen werden. Quelle: dpa
Welche Arten von Onlinevideotheken gibt es?Besonders komfortabel sind sogenannte Video-on-Demand-Dienste (VoD-Dienste). Nutzer rufen Filme direkt aus dem Internet ab und bekommen sie auf dem Fernseher angezeigt. Daneben haben viele Fernsehsender Mediatheken, wo Internetnutzer Beiträge, Serien und Filme eine Zeit lang kostenlos anschauen können. Weniger schnell kommen Filme von Online-Videotheken ins Haus, bei denen Nutzer DVDs oder Bluray-Discs (BDs) übers Internet ausleihen. Diese werden dann per Post zugestellt und müssen nach dem Ansehen zurückgeschickt werden.
Wie müssen Haushalte und Geräte für den Online-Videogenuss ausgestattet sein?Ein schneller Internetanschluss ist notwendig: Für Filme in Standardqualität reicht laut Experten eine Geschwindigkeit von zwei Megabit pro Sekunde, für hoch auflösende Filme (HD-Filme) sind sechs bis 16 Megabit nötig. Wer HD-Filme sehen möchte, benötigt zudem einen HD-fähigen Fernseher. Auf Computern muss meist Windows laufen, teils können auch Mac-Rechner genutzt werden. Linux ist häufig ausgeschlossen. Auch von Smartphones und Tabletrechnern sind manche Plattformen nur unter einem bestimmten Betriebssystem erreichbar. Quelle: dpa
Wie leihe ich Filme per VoD aus?Verbraucher müssen sich zunächst bei einem Anbieter anmelden. Dort loggen sie sich per Computer oder Fernseher ein, suchen den gewünschten Film und können ihn sofort ansehen. Die Leihdauer beträgt meist 24 bis 48 Stunden. Manche Anbieter haben auch deutlich längere Fristen. Nutzer können die Filme anschauen, so oft sie wollen. Das zeitweise Speichern auf dem eigenen Computer, um Filme auch ohne Internetverbindung später zu sehen, ist nur selten möglich.
Was kostet die Filmausleihe im Netz?Die Preise sind von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Viele haben genauso einzelne Filme wie Abonnements oder Monatspauschalen im Programm. Fällig sind je nach Anbieter und Film oft zwischen 50 Cent und sechs Euro. HD-Filme kosten mehr als solche in Standardqualität. Abomodelle machen Filme meist entweder günstiger, oder eine Auswahl von Filmen ist gleich ganz kostenlos.
Welche Filme kann ich ausleihen?Grundsätzlich gibt es Kinofilme, Serien und manche Fernsehfilme zur Leihe. Das Angebot reicht von mehreren hundert bis zu mehreren tausend Titeln. Teils stecken hinter den Filmportalen die großen Privatsender - sie bieten online die Filme an, die bei ihnen bereits gelaufen sind. Viele Kinofilme sind im Internet verfügbar, sobald sie auf DVD erscheinen, müssen aber erst einmal wieder aus dem Netz verschwinden, wenn sie im Fernsehen laufen. Nur vergleichsweise wenige Filme sind als Originalversion oder mit Untertiteln verfügbar.
Bieten die VoD-Dienste dieselbe Qualität wie Filme auf DVD?Die Bildqualität bei VoD ist laut Stiftung Warentest schlechter als bei Filmen, die von DVD oder Bluray abgespielt werden. Nur drei von neun getesteten Anbietern konnten überzeugen. Kein Film erreichte demnach dieselbe Qualität wie auf einer Bluray. Quelle: rtr

Was könnten denn mögliche Abomodelle sein?

Conrad Fritzsch: Zum Beispiel ein Upgrade auf HD, Werbefreiheit oder das Freischalten weiterer Geräte, aber auch sehr exklusive Konzerte. Wenn ein Künstler wirklich nur ein Konzert in Deutschland gibt, das wir übertragen, dann könnte man da über einen geringen Betrag auch den Zugang ermöglichen. Aber wenn man sieht, wie schwer sich Verlage mit Paywalls tun, dann werden wir sehr viel ausprobieren müssen. Auch beim Thema Abo müssen wir weg von den starren Modellen.

Videos sind sehr datenintensiv - andere Musikstreamanbieter wie beispielsweise Spotify haben sich deshalb mit der Telekom zusammengetan. Ist ein ähnlicher Deal auch für tape.tv geplant?

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Conrad Fritzsch: Im ersten Schritt starten wir im September eine exklusive Partnerschaft mit Vodafone. Es wird mobil bei uns keine Werbung von einem anderen Netzbetreiber geben und stellen wir den Vodafone-Kunden exklusiven Content zur Verfügung. Wir glauben außerdem, dass die Datenpakete für Videos in den kommenden zwölf Monaten schrumpfen werden, so dass das Thema so heiß nicht ist, wie es derzeit verkauft wird. Gleichzeitig werden auch die Datenleitungen schneller und billiger. Trotzdem reden wir gerade mit Netzbetreibern. Am liebsten wäre mir eine Art Vertragsoption, also etwas, was ich zu meinem Handy-Vertrag dazubuchen kann.

Ihr hattet auch angekündigt, im ersten Quartal schwarze Zahlen zu schreiben. Wie ist da der Stand? 

Conrad Fritzsch: Das haben wir geschafft. Für uns war wichtig: Man kann beim Thema Musikbewegtbild im Internet allein mit der Säule Werbefinanzierung einen Break Even erreichen, in dem man ordentlich haushaltet und mehr als nur Standardwerbeformen bietet - das so genannte Branded Entertainment. Zweitens haben wir im vergangenen Jahr beispielsweise allein 180 "Über den Dächern"-Konzerte durchgeführt- und einige davon ans ZDF und Arte lizenziert. Diesen Geschäftsbereich wollen wir auch noch weiter ausbauen. Auch weil viele dieser Konzerte international verwertbar sind. In Zukunft können wir dann auf drei Geschäftsmodelle zugreifen.

Der Autorin bei Twitter folgen:

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%