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Blog: Gründertagebuch Öko-Botschafter

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12. Juli Kurztrip nach London. Ich gehe zur Aftershow-Party des Coldplay-Konzerts. Über Bekannte bin ich an Tickets gekommen, und ich verspreche mir viel davon. Denn Chris Martin ist nicht nur Sänger einer international erfolgreichen Rockband, sondern führt einen bewussten und nachhaltigen Lebensstil. Damit wäre er ein optimaler Markenbotschafter für Armed‧angels. Auf der Feier spreche ich mit dem Produktmanager seiner Plattenfirma sowie einem Mitglied des Bandmanagements. Auf diese Weise haben wir unter anderen Hip-Hop-Star Thomas D und Schauspieler Jürgen Vogel für unsere Idee begeistern können.

14. Juli Unsere Praktikantin Diana sucht seit zwei Wochen nach einer geeigneten Reinigungskraft, die auf Rechnung arbeitet und nicht gleich 20 Euro pro Stunde verlangt. Endlich haben wir sie.

15. Juli Seit wir Armedangels gegründet haben, ist unser Büro gleichzeitig unser Lager. Doch das geht nicht mehr. Überall stapeln sich die Kartons. Deswegen haben wir einige Hundert Meter von unserem Büro entfernt für 250 Euro im Monat ein 60 Quadratmeter großes Lager gemietet. Nach dem Besuch des Versicherungsvertreters ergeben sich jedoch unerwartete Probleme: Es müssen Sicherheitsverbesserungen wie etwa der Einbau von Hinterhaken an der Eingangstür des Lagers durchgeführt werden. Jetzt muss ein Metallbauer her.

17. Juli Modemesse Fashion Week – unser großer Auftritt. Um sechs Uhr geht es los nach Berlin. Bewaffnet mit einem Hochdruckreiniger, einem Wassertank und einer Metallschablone, verzieren Martin, Logistiker Olli und Unternehmensentwickler Kristof Berlins Straßen mit unserem Engelmotiv. Die Methode: Reverse Graffiti. Dabei werden mit Hochdruck schmutzige Straßen und Wände gereinigt, sodass Bilder und Gemälde entstehen. Danach geht es weiter zur Kneipe meines Freundes Alex. Das ganze Team trifft sich dort, um in Handarbeit Bio-Äpfel mit Anhängeetiketten zu bestücken. Die Äpfel werden ab morgen von zwei Messe-Hostessen im Engelskostüm verteilt, um Besucher an unseren Stand zu locken. Erschöpft fahren wir weiter zur Party des „Face“-Magazins. Dort treffen wir den Chefredakteur Johannes Finke, der unsere Shirts im nächsten Heft unterbringen möchte, und lauschen einem Konzert des Schauspielers Robert Stadlober. Vielleicht wird Stadlober demnächst ein T-Shirt für uns gestalten.

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    18. Juli Erster Messetag. Wir knüpfen einen Kontakt zu einer Hamburger Handelsagentur, die sich auf den Vertrieb von Mode aus nachhaltiger Produktion spezialisiert hat.

    19. Juli Zweiter Messetag. Gala-Fashion- Brunch im „Spindler und Klatt“, einem angesagten Berliner Szene-Club. Dort warten gutes Essen und viele neue Kontakte. Zum Beispiel drei Redakteurinnen des Magazins „Gala“. Später schaut Karen Heumann, Vorstand der Werbeagentur Jung von Matt, an unserem Messe-Stand vorbei. Wir kennen Karen über den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Fazit der Messe: Unser Vertriebsteam hat mit 60 ernsthaft interessierten Einzelhändlern gesprochen, die planen, unsere Kollektion in ihr Sortiment aufzunehmen. Sogar zwei Japaner wollen unsere Ware importieren.

    28. Juli Martin und Kristof sind mit dem neuen Finanzplan beschäftigt und berechnen die Erlös- und Kostensituation für die nächsten Jahre. Aufpassen müssen wir vor allem in der Produktion: Wenn wir alle neuen Kollektionen umsetzen würden, hätten wir unser Budget überschritten und könnten Cash-Flow-Probleme bekommen. Deshalb müssen wir mit unseren Produzenten in Portugal geringere Mindeststückzahlen und großzügigere Zahlungsziele vereinbaren.

    4. August Der Lagerbestand bereitet uns Sorgen. Viele Teile sind restlos ausverkauft, neue Ware trifft erst in ein paar Wochen ein.

    11. August Martin und Kristof fliegen zu unserem Produzenten nach Portugal. Sie diskutieren, wie eine zukünftig wachsende Sortimentsbreite, wachsende Bestellmengen und eine höhere Lieferfrequenz koordiniert werden können. Am nächsten Tag treffen sie einen Ladenbetreiber, der unseren Vertrieb in Portugal übernehmen will.

    18. August Unsere Personalpraktikantin Diana hat Geburtstag. Mittags essen wir gemeinsam und ziehen Bilanz: Das Lager ist leer, die Messe war ein Erfolg, wir haben prominente Markenbotschafter gewonnen und stehen nun vor dem flächendeckenden Eintritt in den Einzelhandel. Heute habe ich zum letzten Mal in das WirtschaftsWoche-Gründertagebuch geschrieben. Rückblickend kann man sagen, dass uns das Tagebuch viele Türen geöffnet hat. Es war leichter, Kooperationspartner, Lieferanten und Agenturen von unserer Idee zu überzeugen, denn ihnen war klar, dass unser Geschäftsmodell im WiWo-Gründerwettbewerb eine große Hürde genommen hat. Aber das Tagebuch gab uns auch die Gelegenheit, regelmäßig zu resümieren. Alle paar Wochen hatten wir einen Lagebericht auf dem Tisch, auf dessen Grundlage wir Fehler, Ziele und die Herausforderungen im Team besprechen konnten. Ich bin gespannt auf die Gewinner des Gründerwettbewerbs 2008 und würde mich freuen, wenn einige von Ihnen auch weiterhin verfolgen, wie es bei Armedangels weitergeht.

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