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Brewdog Kultbrauer hat Ärger mit Ex-Mitarbeitern

Chefs und Brewdog-Gründer Martin Dickie und James Watts (von links). Quelle: PR

Mehr als 100 frühere Mitarbeiter der Craftbier-Brauerei Brewdog werfen der Unternehmensführung „toxische Arbeitsumgebung“ und „Personenkult“ vor.

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Die schottische Craftbier-Brauerei Brewdog, eine der größten unabhängigen Brauereien der Welt, hat massiven Ärger mit ehemaligen Mitarbeitern. Mehr als 100 von ihnen werfen den Chefs und Brewdog-Gründern, James Watts und Martin Dickie in einem in sozialen Medien veröffentlichten Brief vor, eine toxische Arbeitsumgebung und eine „Kultur der Angst“ in dem Unternehmen geschaffen zu haben: „Ihr seid schuld an einer verrotteten Arbeitskultur“.

Mehr als 60 Ex-Mitarbeiter, die den Brief mit Namen oder Initialen unterschrieben haben, sowie 45 weitere nicht namentlich genannte, beschuldigen die Unternehmensspitze, einen „Persönlichkeitskult“ um die beiden Gründer geschaffen zu haben, während das Wohl der Mitarbeiter dem Kurs des Unternehmens auf schnelles Wachstum untergeordnet worden sei. Diese Haltung habe auf weitere Management-Ebenen ausgestrahlt und dazu geführt, dass insbesondere jüngere Mitarbeiter den Launen ihrer Vorgesetzten ausgesetzt gewesen seien.

Ohne weitere Details zu nennen gibt die Gruppe an, in zahlreichen Abteilungen des Brauunternehmens hätte eine untragbare Arbeitskultur geherrscht, die dafür gesorgt habe, dass Mitarbeiter sich aus der Firma gedrängt fühlten.

Zudem werfen die Ex-Mitarbeiter Watts und Co. vor, das Wachstum mit fragwürdigen PR-Stunts vorangetrieben zu haben: „Wachstum um jeden Preis wurde stets als wichtigstes Ziel des Unternehmens wahrgenommen und der Treibstoff, den ihr dazu benutzt habt, sind Kontroversen.“

Dabei seien einige der Marketingnummern nur vorgetäuscht gewesen. So hatte Brewdog behauptet, eine ganze Ladung von eigens für die Olympischen Spiele in Sotschi gebrautem Bier an Russlands Präsidenten Wladimir Putin geschickt zu haben. In Wahrheit sei das nicht geschehen, schreiben die Autoren des Briefes.

Von der Unternehmensführung verlangt die Gruppe der Unterzeichner eine „ernstgemeinte Entschuldigung von jedem, der bei Brewdog gearbeitet hat und Menschen wie Objekte behandelt“ habe.

Unternehmensgründer Watts hat inzwischen in einem Schreiben bei Twitter auf die Vorwürfe reagiert und sich entschuldigt. Als schnell wachsendes Unternehmen habe man sich stets bemüht, die Dinge richtig zu machen; der offene Brief zeige nun schmerzhaft, dass dies offenbar nicht bei jeder Gelegenheit gelungen sei.

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Watts schrieb, er habe nicht vor, die Vorwürfe zu widerlegen oder sie im Detail infrage zu stellen, sondern „zuzuhören, zu lernen und zu handeln“. Knapp 15 Jahre nach seiner Gründung erzielte Brewdog im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 240 Millionen Pfund. Die Deutschland-Zentrale des Unternehmens ist in Berlin, wo Brewdog auch eine eigene Brauerei betreibt.

Mehr zum Thema: Sie brauen das stärkste Bier der Welt, schminkten Putin mit Lidschatten und rollten im Panzer durch London – die schottische Brauerei Brewdog will ausgerechnet in der Corona-Zeit in Deutschland richtig Fuß fassen. Was deutsche Brauer von diesen Schotten noch lernen können.

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