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CEO-Studie Die Zukunft erfordert Unternehmer – nicht Manager

Eine Managementberatung hat die Lebensläufe internationaler CEOs untersucht – Studium, Jobs, Titel. Ergebnis: Die Dax-Chefs haben sich im Unternehmen hochgedient. In den USA sind CEOs dagegen oft Gründer.

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Unternehmer brauchen mehr Mut. Quelle: Fotolia

Was haben Stephen Kaufer, Elon Musk, Howard Schultz, Larry Page, Jeff Bezos und Rupert Murdoch gemeinsam? Vom offensichtlichen – US-Amerikaner, männlich, weiß – einmal abgesehen, vor allem dieses: Sie hatten eine Idee, an die sie geglaubt haben, sie hatten den Mut, aus dieser Idee ein Unternehmen zu machen – und sie sind damit steinreich geworden.

Amerikanische Selfmade-Multimilliardäre

Stephen Kaufer hob das größte Reiseportal der Welt aus der Taufe. Das Vermögen des Tripadvisor-Gründers wird auf gut 39 Millionen Dollar geschätzt. Tesla- und SpaceX-Erfinder und Gründer Elon Musk kommt Dank seiner Ideen und seines Mutes auf circa 12,7 Milliarden Dollar, Medienmogul Rupert Murdoch ist rund 11,9 Milliarden Dollar schwer. Gegen ihn sowie Google-Gründer Page und Amazon-Erfinder Bezos ist der Startbucks-Gründer Schultz mit seinen 2,9 Milliarden ein armer Schlucker.

Karrieren wie ihre ziehen sich durch die amerikanische Wirtschaft, wie eine Studie der Executive-Search- und Talent-Management-Beratung Korn Ferry zeigt, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Die Berater haben die Lebensläufe der Chefs aller im Nasdaq, im DowJones und im Dax gelisteten Unternehmen unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: Chefs von US-Konzernen, die weltweit aktiv und erfolgreich sind, haben ihr Unternehmen in sehr vielen Fällen auch gegründet und tragen das volle unternehmerische Risiko. Dax-Chefs haben dagegen Jura, BWL oder Ingenieurswesen studiert und sich in bestehenden Unternehmen hochgearbeitet. „Wer heute CEO eines gelisteten Großunternehmens ist, der hat seine Karriere in der Linie und im Anschluss im angestellten Management verbracht“, bestätigt Hubertus Graf Douglas, Geschäftsführer von Korn Ferry in Deutschland.

Das sind die Karrierestationen der Dax-Chefs

Nur zwei Dax-Chefs haben je ein Unternehmen gegründet und geführt: Noch-Adidas-Chef Herbert Hainer eröffnete nach dem Studium eine Bar, die er mit Gewinn verkaufte, bevor er Manager wurde, SAP-Chef Bill McDermott gründete mit 17 Jahren ein Delikatessengeschäft. Ein größeres Unternehmen hat jedoch keiner der heutigen Konzernlenker selbst aufgebaut.

Das sagt eine ganze Menge über die Mentalität in Deutschland und den USA: Jenseits des Teichs ist man Macher, hierzulande Manager.

Vom Trainee zum CEO in 30 Jahren


Das soll nicht heißen, dass die Karrieren der Dax-Chefs nicht beeindruckend wären: Daimler-Chef Dieter Zetsche ist seit 1976 bei Daimler. Zuvor hat er einen Abschluss als Diplom-Ingenieur in Elektrotechnik gemacht. Den Doktortitel erledigte er en passant zwischen seinen zahlreichen Stationen im Konzern. 30 Jahre nach seinem ersten Arbeitstag bei dem Autobauer wurde „Dr. Z“ Vorstandsvorsitzender des Konzerns. Das spricht fraglos für große Fähigkeiten und vor allem Beharrlichkeit – typisch deutsche Ingenieurstugenden eben - nur eben nicht für Mut und Unternehmergeist.

Eine ganz ähnliche Vita haben Siemens-Chef Joe Kaeser und der CEO des Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard: Von Bomhard begann 1985 als Trainee, 19 Jahre später ist er CEO. Kaeser geht 1980 zu Siemens, 26 Jahre später ist er Finanzvorstand, im Jahr 2013 wird er Vorstandsvorsitzender. „Die aktuelle Chef-Generation ist einer Zeit entsprungen, in der Gründergeist weniger gefragt war, als das Erbe der Gründergeneration davor zu mehren oder zu erhalten“, sagt Douglas.

So haben sich Wirtschaftsgrößen ihr Studium finanziert
Der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Hans-Otto Schrader Quelle: dpa
Michael FuchsMichael Fuchs (MdB) ist stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion. Nach seinem Abitur studierte er zunächst in Erlangen, später in Bonn Pharmazie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Finanziert hat sich sein Studium der Unternehmer und Politiker als Holzfäller im Hunsrück und bei Quelle als Katalog-Packer. Bildquelle: Werner Schüring Dieses Foto ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Herbert Hainer Quelle: dpa
Loretta Würtenberger und Daniel Tümpel: Die beiden Zahlenmenschen umgeben sich mit zeitgenössischer Kunst. Quelle: handelsblatt.com
Marijn Dekkers Quelle: dpa
Lindhofer 1982 mit "Pogo in Togo" auf der Bühne. Revival-Auftritt zur Feier des neuen Krebsmittels Quelle: dpa
Reinhard Clemens Quelle: dpa

Dass die großen Zugpferde der deutschen Wirtschaft nicht mehr eigentümergeführt sind, liegt natürlich auch daran, dass sie deutlich älter sind als Facebook, Netflix und Starbucks. Als Kaeser bei Siemens schon an seiner Karriere feilte, war Zuckerberg noch ein Funkeln im Auge seines Vaters.

Entsprechend sind auch die älteren amerikanischen Konzerne in der Hand von Managern. IBM, American Express, Procter & Gamble, Apple, Walmart, Boeing, Coca-Cola – im amerikanischen Dow-Jones-Index sind 30 US-Schwergewichte gelistet und keiner der CEOs hat ein eigenes Unternehmen gegründet und geführt.

Warum die Deutschen gründen

Aber: Schaut man sich den amerikanischen Technologie-Index Nasdaq 100 an, in dem all jene Konzerne gelistet sind, vor denen die Welt kuscht – Einzelhandelsschreck Amazon, die Netzgiganten Alphabet (Google) und Facebook, Autobauers Albtraum Tesla -, sieht es anders aus.

Fast ein Drittel – konkret 29 von 100 - der CEOs sind oder waren selbst Unternehmer. Und 19 der 29 sind Software-, Internet- und IT-CEOs. Gründen und der Tech-Sektor gehören offenbar zusammen. „Technologie erfordert Innovation. Und Innovation erfordert Unternehmertum, da sie stets mit großem Risiko einhergeht“, sagt Alexander Wink, Leiter der Digital-Sparte von Korn Ferry in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. „Darum ist es wenig verwunderlich, dass die Unternehmerdichte hier sehr hoch ist.“

Der Wechsel muss jetzt kommen, nicht in 20 Jahren

Das wiederum liege auch daran, dass die Eintrittsbarrieren in diesen Markt vergleichsweise gering sind. „Für die Umsetzung einer originären Idee ist zunächst nur wenig Kapital notwendig“, sagt Wink. „Sie brauchen vor allem helle Köpfe, keine Maschinenparks oder teure Prototypen. Firmen wie Amazon, Facebook und Google, aber auch Autodesk und Activision Blizzard zeigen, dass Erfolgsgeschichten noch immer im Wohnzimmer starten können.“ Etwas ganz ähnliches berichtete vor Kurzem auch Tijen Onaran, Gründerin und Initiatorin des Netzwerks Women in Digital, im Interview mit der WirtschaftsWoche.

"Tatsächlich mache ich die Erfahrung, dass der Beginn in der Onlinewelt etwas leichter ist, als in der sonstigen Welt, weil man mit relativ geringem Aufwand starten kann. Wer eine gute Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung hat, die man online vertreiben kann, kann sich selbst schnell eine Website zusammen basteln. Dafür braucht man auch nicht wahnsinnig viele IT-Kenntnisse und kann auch mit wenig Man- oder Womanpower relativ schnell etwas hochziehen", sagte sie. "Gerade am Anfang ist es sehr einfach, mit geringen Mitteln von Zuhause aus den Laptop aufzumachen und zu sagen: „Ich hab ne coole Idee und ich stell das jetzt einfach mal ins Netz und probiere es aus.“ Fehler zu machen und dann aufzustehen und weiterzumachen ist in der digitalen Welt viel einfacher als woanders."

"Mädels, traut euch"

Doch genau das ist es, was den jungen Tech-Gründer in seinem Ein-Zimmer-Appartement im Silicon Valley für das deutsche Traditionsunternehmen mit seinem fleißigen Juristen oder Betriebswirt an der Spitze so gefährlich machen kann. Mit ganz wenig Aufwand und noch weniger Kosten weckt er Wünsche bei den Kunden, die diese letztlich auch vom Dax-Konzern oder dem Mittelstand erfüllt haben wollen. Dass der Global Player etwas nicht kann - immer überall auf dem Smartphone für den Kunden da sein - was ein Harvard-Student im dritten Semester IT mit links macht, ist aus Kundensicht nur schwer nachzuvollziehen. Deshalb würde auch Deutschland mehr Mut zum Risiko gut tun, also mehr Gründer und weniger Fokussierung auf schnurgerade Lebensläufe.

So ist es weltweit um den Gründergeist bestellt

Douglas ist überzeugt, dass es in 20 Jahren einen signifikanten Anteil an ehemaligen Gründern in Vorständen großer Konzerne geben wird. „Und damit eine Generation an Chefs, die über eine immens hohe Lernagilität verfügt und am eigenen Leib erfahren hat, was es heißt, Risiken einzugehen und mit ihnen umzugehen.“ Aber 20 Jahre lang darauf zu warten, dass die junge Generation die Chefreife erreicht hat und ein Wandel stattfinden kann, dauert einfach zu lange. Es muss schon heute etwas passieren. "Gerade in einer Zeit, in der viele Firmen sich den ‚Unternehmer im Unternehmen‘ wünschen, ist es geboten, sich von den geraden Lebensläufen der Vergangenheit abzuwenden. Und auf diejenigen zu schauen, die das größte Potenzial haben. Um die Probleme von morgen zu lösen", sagt Douglas. Das kann auch jemand sein, der schon einmal mit einem Unternehmen gescheitert ist. Denn auch aus einer Pleite – in Deutschland immer noch ein Tabu - kann man lernen.

Und diese Erfahrung bringen im Unternehmensalltag viel, wie Wink glaubt. „Chefs mit unternehmerischer Erfahrung würden auch heute schon vielen Konzern gut tun“, sagt er. "Nicht umsonst schauen viele Unternehmen auf die Digitalwirtschaft in Berlin und gründen dort eigene Einheiten, die überwiegend von Persönlichkeiten geführt werden, die keine Konzernkarriere gemacht haben."

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