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Crowdinvesting Dem Herdentrieb folgen

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Reizvolles Investment

Eine Aktie der Lehman Brothers mit der Seriennummer 0001 Quelle: dapd

Einer der ersten Schwarminvestoren ist Tobias Kramer. Der Herausgeber einer kleinen Anlegerzeitschrift hat sein Risiko gestreut und bisher in drei der vier auf Seedmatch vorgestellten Startups investiert. „Zuerst war es reine Neugierde, ich wollte einfach wissen, wie Crowdinvesting funktioniert“, sagt Kramer.

Vor allem die frühe Chance, in ein junges Unternehmen zu investieren, sei für ihn reizvoll. „Wenn mich ein Geschäftsmodell überzeugt, werde ich sicherlich investieren“, sagt Kramer.

Dabei schätzt der Diplom-Kaufmann seine Rendite-Chancen durchaus realistisch ein. „Natürlich habe ich bei einem Investment in eine Gründung eine sehr reale Wahrscheinlichkeit eines Totalausfalls. Ich kann allerdings auch reich belohnt werden“, sagt er. Volles Risiko hieße schließlich auch volle Chance.

Kramer ist ein typischer Fall: „Unsere Nutzer sind größtenteils männlich, jünger als 45 Jahre und kennen sich mit Investments aus“, sagt Seedmatch-Chef Sauer. Viele hätten in letzter Zeit schlechte Erfahrungen mit Aktien gemacht, da sei Crowdinvesting eine willkommene Alternative, so Sauer.

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    Für Startups wie Cosmopol liegen die Vorteile des neuen Anlagetrends auf der Hand: In Zeiten, da Banken sich bei der Vergabe von Risikokapital stark zurückhalten, sind Existenzgründer mehr denn je auf alternative Wege der Finanzierung angewiesen. „Deutschland hat bisher einen eher schwachen Venture-Capital-Markt, da könnte Crowdinvesting zu einer echten Alternative heranwachsen“, sagt Schalast.

    Gleichzeitig erinnert Crowdinvesting stark an das in der US-Computerszene entwickelte Konzept der Business Angels – eine Art von Schutzengeln der jungen Unternehmer, die Existenzgründer nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Expertenwissen unterstützen.

    Investment mit Obergrenze

    Michael Kraus und Gilbert Souvignier berichten ebenfalls von vielen hilfreichen Kontakten zu ihren Mikroinvestoren. „Die meisten betrachten Crowdinvesting nicht nur als reine Anlageform“, sagt der 34-jährige Kraus. „Viele stellen uns ihr Netzwerk zur Verfügung oder schicken neue Produktideen für das Sortiment“, ergänzt Souvignier.

    „Der Zugang zu einem Unternehmensengel-Netzwerk erfordert zumeist ein großes Portemonnaie, das ist nur für kapitalstarke Anleger eine Alternative“, meint Sauer. Bei Seedmatch kann sich dagegen jeder Anleger die Engelsflügel umschnallen. Bisher liegt die Obergrenze für Investments bei 10 000 Euro, Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen sind dadurch ausgeschlossen.

    Ursprünglich stammt die Idee des kollektiven Geldeinsammelns aus der Szene der Kreativen und Freischaffenden. In den USA sammeln Filmemacher, Blogger oder Musiker so Spenden für ihre Projekte. Je nach Großzügigkeit winkt dem Spender ein einmaliges Dankeschön.

    Die Cosmopol-Gründer griffen die Idee auf, sie bedanken sich zu Weihnachten mit ihren Produkten bei ihren Anlegern. Beim Zusammenstellen der Naturaldividende wurde ihnen erst so richtig klar, wie viele Investoren sie eigentlich haben: „180 Pakete zu packen, das kostet ganz schön Zeit“, sagt Kraus.

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