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Deutschland sucht den Supergründer Die ungewöhnlichsten Start-up-Veranstaltungen

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Janker statt Jackett

Venture Wiesn

Der berühmte Pitch vor Investoren, also die Kurzpräsentation der eigenen Geschäftsidee, bescherte schon so manchem Gründer schlaflose Nächte. Einmal im Jahr drehen Harald Siebenweiber und seine Mitstreiter den Spieß um: Auf der Venture Wiesn müssen Investoren in 90 Sekunden um die versammelten Gründer werben. Als zusätzliche Hürde halten die Macher noch Schilder mit bayrischen Begriffen wie gschert (unanständig) oder hamma ned (haben wir nicht) hoch, die die Geldgeber in ihren Vortrag einbauen müssen.

Prost, auf die Zusammenarbeit. Ungezwungen netzwerken auf der Venture Wiesn im Wirtshaus am Bavariapark in München Quelle: PR

Ganz so ernst wie andere Pitches darf man das natürlich nicht nehmen, doch auch hier geht es darum, Geldgeber und Gründer zusammenzubringen. „Wir wollen dafür aber eine möglichst spielerische Atmosphäre schaffen“, sagt Siebenweiber, Geschäftsführer vom Start-up Contigua, das die App 10stamps entwickelt hat, die Stempelkarten zum Sammeln von Treuepunkten aufs Smartphone bringt.

Eigentlich wollte Siebenweiber 2011 gemeinsam mit anderen Gründern aus dem Entrepreneurship Center der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ein Sommerfest organisieren, daraus wurde jedoch eine Gründerveranstaltung beim Oktoberfest. Etwa 300 Teilnehmer kommen jedes Jahr, darunter Manager bekannter Geldgeber wie Seven Ventures oder Carsten Maschmeyers Investmentgesellschaft Alstin. Zum lockeren Ambiente trägt auch bei, dass die meisten Teilnehmer in Lederhose und Trachtenjanker statt Anzug oder Kapuzenpulli erscheinen. Anfangs standen noch leichte Abwandlungen populärer Wiesn-Sportarten auf dem Programm: Statt Maßkrugstemmen und Hau den Lukas gab es Finanzierung-Stemmen oder Schaff den Exit. Inzwischen wurde der Unterhaltungsteil zurückgefahren. „Wir wollten nicht so viel Programm, damit mehr Zeit für Gespräche bleibt“, sagt Siebenweiber.

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    E-Entrepeneurship Flying Circus

    Vermutlich wird Tobias Kollmann Anfang Oktober wenig schlafen. Der Professor für BWL und Wirtschaftsinformatik von der Universität Duisburg-Essen tourt dann zwei Wochen durch die Republik – in einem Reisebus über Köln, Hamburg, Berlin, Dresden und Erlangen nach Stuttgart. Mit seinem „E-Entrepreneurship Flying Circus“ will er an sechs Hochschulen haltmachen und Studenten fürs Gründen begeistern. Mit dabei: etwa 60 Unternehmer, Investoren, Politiker und Wissenschaftler. In Diskussionsrunden soll es darum gehen, warum es in Deutschland keine digitalen Konzerne wie Facebook oder Google gibt und vor allem: weshalb es sich gerade hier und heute lohnt, ein Internet-Start-up aufzubauen.

    Start-up-Touren durch einzelne Städte oder Regionen sind beliebt – auch die WirtschaftsWoche bietet eine Reise durch die Berliner Szene an (siehe Infobox).

    Wiwo Startup-Tour

    Kollmanns Werbetour fürs Gründertum startet im Oktober und könnte zeitlich besser kaum passen: Das Bundesbildungsministerium hat das Wissenschaftsjahr 2014 unter die Überschrift „Die digitale Gesellschaft“ gestellt und fördert die Bustour. Doch Kollmann will nicht nur Studenten zu Gründern konvertieren, bevor sie eine klassische Konzernkarriere einschlagen. Er will auch, dass in Deutschland weitere Lehrstühle für E-Entrepreneurship entstehen, um das Fach an den Unis besser zu verankern. Würde das geschehen, wären lange Bustouren nicht mehr nötig.

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