Die Höhle der Löwen „Die Modebranche ist im Blindflug unterwegs“

Das Bild zeigt (von links) das Gründerpaar von Woollaa, Friederike und Florian Pfeffer. Quelle: RTL / Bernd-Michael Maurer

Die Software des Start-ups Woollaa sorgt dafür, dass individuelle Strickmuster professionell produziert werden. In der Fernsehshow gab es von den Löwen harsche Kritik. Das Gründerpaar hat umgebaut – und will jetzt Designer und Modelabels erreichen.

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Ein Schal mit selbst gewähltem Muster, eine Babydecke mit Illustration und Geburtsdatum: Mit der Software des Bremer Start-ups Woollaa werden aus Bilddateien individuelle Strickwaren. Das Ehepaar Friederike und Florian Pfeffer, beide studierte Kommunikationsdesigner, wollte in „Der Höhle der Löwen“ 180.000 Euro für 20 Prozent an ihrem jungen Unternehmen. Den Investoren hatten sie Schals mitgebracht, auf die deren gestrickte Konterfeis zu sehen waren. Doch Carsten Maschmeyer, Judith Williams und die restlichen Juroren blieben skeptisch: In vier Jahren hatte Woollaa nur 800 Produkte verkauft, zudem zögerte das Paar, sich voll auf das Abenteuer Start-up einzulassen. Friederike und Florian Pfeiffer gingen ohne Deal von der Bühne. Doch Woollaa gibt es auch ein Jahr nach der Aufzeichnung der Fernsehshow noch. Der Fokus des Gründerpaars hat sich allerdings deutlich verschoben.

WirtschaftsWoche: Sie basteln schon seit vielen Jahren an der Idee der individuellen Strickprodukte. Wie sind Sie darauf gekommen?
Florian Pfeffer: Ganz simpel über ein Youtube-Video. Da haben wir gesehen, wie eine Handstrickmaschine gehackt und dann über einen Computer angesteuert wurde. Unsere Idee war: Wie würde es aussehen, wenn das auch mit einer industriellen Strickmaschine gelänge – und es eine Internetplattform gäbe, auf der man eigene Motive gestalten kann? Dann haben wir losentwickelt.
Friederike Pfeffer: Normalerweise werden die Abläufe für eine Strickmaschine von einem eigenen Programmierer geschrieben. Wir haben es geschafft, dass unsere Software jedes Bild online sofort in ein Strickmuster umwandelt. Jeder Pixel kann in eine Masche übersetzt werden.

Und wen sollen solche Produkte ansprechen?
Friederike Pfeffer: Oft geht es um ein Geschenk. Ein gutes Beispiel sind dabei die Babydecken – die will man mit Namen und Geburtsdatum des Kindes individualisieren. Das kann man natürlich auch selbst machen. Aber nicht jeder kann oder will das stricken. Es bleibt aber ein sehr persönliches Geschenk.



Florian Pfeffer: Wenn man selbst an der Erstellung und Gestaltung beteiligt ist, ist die emotionale Verbindung zu Produkten deutlich höher – das erhöht die Nutzungsdauer.

Die Kritik der Löwen war dennoch harsch: sie bemängelten einen fehlenden Einsatz und viel zu geringe Verkaufszahlen. Haben Sie trotzdem weitergemacht?
Florian Pfeffer: Es hat sich viel getan. Wir entwickeln jetzt eine Plattform, auf der Designer und Strickereien vernetzt werden. So können Modelabels ihre Entwürfe auch in der Stückzahl eins produzieren lassen. Dafür haben wir ein System entwickelt, dass unterschiedliche Entwürfe kombiniert und als einen Arbeitsauftrag an eine professionelle Strickerei liefert, die sich auf der Plattform registriert. Normalerweise wirft dort niemand seine Maschine für nur zehn Pullover oder weniger an – und wenn, dann nur zu astronomischen Preisen. Durch unser System wird eine On-Demand-Produktion wirtschaftlich sinnvoll – für Label genauso wie für Designer. Für dieses Modell haben wir bereits einen Prototypen gebaut und eine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen.

Und damit sollen Hobby-Designer künftig ihre Entwürfe stricken lassen können?
Florian Pfeffer: Nein, mit der neuen Plattform „ito ito“ richten wir uns an bestehende Modelabel oder professionelle Designer, die eine Strickkollektion aufbauen wollen. Aktuell kooperieren wir bereits mit 15 verschiedenen Labels.
Friederike Pfeffer: Wir glauben, dass unsere Software auch für große Ketten oder Marken interessant sein könnte – beispielsweise für bestimmte Editionen.

Warum sollten Modelabels denn mit Ihnen zusammenarbeiten?
Florian Pfeffer: Durch uns können die Designer nach dem Prinzip „erst verkaufen, dann produzieren“ arbeiten. Die Modebranche ist im Blindflug unterwegs. Heute werden 40 Prozent der Kleidung weggeworfen, ohne genutzt worden zu sein. Zudem können Labels schneller auf Trends reagieren, auch mitten in der Saison kann man innerhalb von Stunden neue Entwürfe auf den Weg bringen.

Sind die Produkte aus der Kleinstproduktion denn nicht sehr teuer?
Friederike Pfeffer: Für eine On-Demand-Produktion ist es wichtig, eine lokale Produktion in Deutschland zu haben. Das führt zu deutlich höheren Stundenlöhnen als die großen Ketten in Niedriglohnländern bezahlen. Durch unsere verteilte Produktion und die Digitalisierung der Lieferkette können wir aber dennoch einen Preis erzielen, der im mittleren Segment marktüblich ist.
Florian Pfeffer: Einiges an Kosten fällt ja auch weg – etwa für das Prototyping oder Agenturen in den Produktionsländern. Zusätzlich gibt es keine Mindestbestellmengen. So verringern sich gerade die Anfangsinvestitionen, um eine Kollektion an den Start zu bringen.

Lässt sich denn dann trotz der verteilten Produktion eine gleiche Qualität garantieren?
Florian Pfeffer: Wir arbeiten eng mit dem großen Strickmaschinenhersteller Stoll aus Reutlingen zusammen. Wenn ich die gleiche Maschine mit dem gleichen Garn nutze und die Informationen über das gleiche Programm kommen, dann wird auch an unterschiedlichen Orten die Qualität gleich sein.

Sie haben Ihr Geschäftsmodell ziemlich auf den Kopf gestellt. Hat die Kritik in der „Höhle der Löwen“ also geholfen?
Florian Pfeffer: Natürlich waren wir nach dem Pitch erst einmal enttäuscht und fühlten uns ein wenig ungerecht behandelt. Aber die Kritik an unseren geringen Produktionszahlen war natürlich richtig und hat uns in dem Gedanken bestärkt, den wir schon vor der Aufzeichnung hatten: Wenn wir es nicht schaffen, einen erfolgreichen E-Commerce-Kanal aufzubauen, warum richten wir uns nicht an die, die schon einen großen Shop haben – und machen so unseren Hebel viel, viel größer.
Friederike Pfeffer: Jetzt spüren wir, dass wir diesen guten Hebel gefunden haben. Das Thema hat nun einen Zug, den wir vorher nicht so gespürt haben.

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Sind die Babydecken und Schals damit Geschichte?
Florian Pfeffer: Nein, Woollaa ist unsere Experimentierfläche und auch unser Showroom. Hier können wir viele Dinge ausprobieren und auch vorzeigen. Wenn die Plattform dann läuft, kann Woollaa ein Kunde von „ito ito“ werden. 

Lesen sie auch: Das Start-up Xeem bietet eine Plattform für Studenten, die in Teams Aufgaben lösen, die Unternehmen ihnen stellen. Zündet die Idee, folgt möglicherweise ein Jobangebot. Bei DHDL gewannen die Gründerinnen gleich drei Investoren für diese Idee.

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