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Die Höhle der Löwen „Ich hatte mich viel zu billig verkauft“

Chris Kaiser ist der Gründer von Click a tree. Quelle: TVnow_Stefan Gregorowius

Gleich vier Löwen kämpften um die Beteiligung an dem Bäume pflanzenden Start-up Click a tree. Gründer Chris Kaiser entschied sich für Judith Williams und Carsten Maschmeyer. Doch der Deal kam nicht zustande.

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Chris Kaiser hat den Klimaschutz zum Geschäftsmodell gemacht: Der 33-Jährige, ausgebildeter Tourismusmanager, kooperiert er mit Unternehmen wie der Hotelkette Best Western und oder der Internetplattform Booking.com, die für jede Buchung einen Baum spenden, der dann in Ländern wie Ghana von lokalen Mitarbeitern gepflanzt wird. Um möglichst schnell skalieren zu können und auch außerhalb der Touristikbranche Fuß zu fassen, bat Kaiser die Löwen um 75.000 Euro für zehn Prozent der Anteile. Gleich vier von ihnen wollten sich an Click a tree beteiligen. Judith Williams und Carsten Maschmeyer kämpften gegen Georg Kofler und Nils Glagau. Am Ende bekamen das erste Duo den Zuschlag – obwohl sie 25 Prozent statt der angebotenen zehn verlangten, von denen zehn Prozent in Mitarbeiterbeteiligungen umgewandelt werden sollten. Doch der Deal kam nicht zustande. Woran das lag und warum sich Click a tree ganz grundsätzlich wandeln musste, erzählt Chris Kaiser im Interview.

WirtschaftsWoche: Herr Kaiser, gleich vier Löwen wollten sich an Ihrem Start-up beteiligen. Sie haben sich für die Kombination Judith Williams und Carsten Maschmeyer entschieden. Warum?
Chris Kaiser: Ich war sehr stolz, dass Herr Maschmeyer sich für den Einstieg entschieden hat, weil er ein toller Geschäftsmann ist und in der Vergangenheit eher wenige Deals eingegangen ist. Judith Williams ist mir einfach unheimlich sympathisch und ich hätte mir gut vorstellen können mit ihr zusammen in TV-Shows aufzutreten und unser Projekt zu bewerben. Gleichzeitig hätte ich auch liebend gerne Georg Kofler an Bord gehabt, weil er  ein ausgewiesener Social Media Experte ist, aber mir behagte die Vorstellung einer Zusammenarbeit mit Nils Glagau nicht.

Nils Glagau ist zunächst ausgestiegen, um dann am Ende doch Interesse an Ihrem Unternehmen zu zeigen.
Genau dieses Hin und Her war der Punkt. Ich hatte den Eindruck, dass er nicht wirklich hinter meiner Mission stand. Am Ende des Tages geht es mir nicht um das Geld, sondern darum, einen Investor zu haben, dem die Themen Klima und Umwelt am Herzen liegen. Und obwohl ich das von Judith Williams und Carsten Maschmeyer dachte, ist es dennoch am Ende nicht zu einer Unterzeichnung des Vertrags gekommen.

Woran lag das?
Die Aufzeichnung der Sendung erfolgte im Januar 2020, kurz darauf erreichte Corona Europa. Die Reisebranche war mit am meisten betroffen. Schlechte Voraussetzungen also für den Einstieg von Investoren. Die Verhandlungen zogen sich noch bis Mitte April, aber letztendlich haben sich Frau Williams und Herr Maschmeyer dagegen entschieden - mit der Begründung, dass ja keiner wisse, wann sich die Lage wieder stabilisiert.

Wie sehr hat Sie diese Entscheidung getroffen?
Anfangs war ich enttäuscht, schließlich bedeutete das fehlende Kapital, dass wir viel langsamer wachsen konnten, als wir eigentlich geplant hatten. Und das, obwohl wir wenig Zeit haben: Wissenschaftler sagen, dass wir noch neun Jahre haben, bis der Schaden für das Klima so groß ist, dass er irreversibel ist. Dennoch habe ich die Entscheidung akzeptiert und nicht versucht, die Löwen zu überreden. Ich will Partner, die wirklich hinter meinem Ziel stehen.

Wie ging es ohne das Investment weiter?
Rückblickend gesehen lief es sogar besser für uns, denn mein Mentor, Paul Blazek, der in Wien eine Marketingagentur betreibt, hat sich im August 2020 entschieden, bei mir einzusteigen – und zwar zu den Konditionen, die ich ursprünglich in der Sendung aufgerufen hatte. Insofern bin ich froh, dass es so gekommen ist, denn ich hatte mich viel zu billig verkauft.

Und das Problem mit der Reisebranche?
Das dauert tatsächlich noch an. Bei Partnern wie Booking.com, Skyscanner und Expedia passiert momentan nicht viel. Corona hat uns gezeigt, wie krisenanfällig wir mit dem Schwerpunkt auf der Reisbranche sind und darum haben wir uns breiter aufgestellt und viele kleinere Partner gewonnen, etwa Restaurants, Cafés, Blumenläden und Apotheken.



Ihr ursprünglicher Ansatz war es, dass pro Buchung auf einer der oben genannten Plattformen ein Baum finanziert wird. Wie handhaben das die neuen Kooperationspartner?
Alle Partner sind vollkommen frei zu entscheiden, wie sie sich am Projekt beteiligen wollen. Da gibt es die kreativsten Ideen: Manche Restaurants haben eigene Gerichte kreiert, deren Verkaufserlös in Click a tree fließt. Ein Sushi-Laden hat eine eigene Rolle entwickelt, die sogenannte Tree-Roll, durch deren Verkauf er die Bäume finanziert, und eine Kette hat einen Cocktail entwickelt, den Green Karma Mojito. Der Besitzer einer Pommes-Bude kauft für jede fünfte Portion, die über die Theke gegangen ist, einen Baum. Und es gibt sogar Coronateststationen, die für jeden zehnten Test einen Baum spenden.

Inwiefern profitieren die Firmen davon, bei Ihnen Bäume zu spenden?
Indem sie eine tolle Außenwirkung haben. Der Marketing- und Image-Effekt ist immens. Immer mehr Menschen legen wert darauf, dass Firmen Klima und Umwelt schützen, und suchen sich bewusst solche aus, die darauf achten. Also erhalten die Unternehmen, die bei uns mitmachen, mehr Kunden und steigern somit ihren Umsatz.

Wie oft hören Sie den Vorwurf, dass Sie Geld mit etwas verdienen, das andere Organisationen als Non-Profit-Version betreiben?
Häufig! Aber ich erkläre immer wieder geduldig, dass ich bewusst so vorgehe. Ich bin überzeugt davon, dass man in der kapitalistischen Welt, in der wir leben, nur so wirklich etwas erreichen kann. Nachhaltigkeit kann nur funktionieren, wenn alle davon profitieren. Es wäre für uns als Unternehmen fatal, wenn wir nur auf die Wohltätigkeit anderer setzen müssten. Wer Gutes tut, sollte dafür bezahlt werden und nicht auf Spenden angewiesen sein.

Warum?
Weil man sonst keine Planungssicherheit hat. Die brauchen wir aber, denn wir stellen ja beispielsweise vor Ort Leute an, um die Bäume zu pflanzen. Wir wollen, dass sie davon gut leben können und keine Angst haben müssen, schon nach ein paar Wochen wieder arbeitslos zu sein, wenn die Spenden ausbleiben. Und wir wollen, dass es für Landbesitzer attraktiv ist, ihre Flächen für unser Projekt herzugeben, so dass immer mehr Leute mitmachen wollen.

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Wie wählen Sie die Bauern vor Ort aus?
Die Landbesitzer müssen zunächst einen Fragebogen mit 50 Fragen beantworten. Das trennt schon mal die Spreu vom Weizen – es kommen nur 20 Prozent aller Fragebögen zurück. So wissen wir auch direkt, wer wirklich motiviert ist, langfristig sein Land zur Verfügung zu stellen und nicht nur schnelles Geld machen will. Dann pflanzen wir zunächst nur ein paar hundert Bäume als Testlauf. Die Landbesitzer dokumentieren die Pflege der Bäume, indem sie uns Fotos und Videos schicken. Sehen wir, dass sie sich wirklich Mühe geben, führen wir das Projekt im größeren Stil fort.

Mehr zum Thema: Mit verstärkten Korkplatten für den Fahrzeugbau wollten die Hardcork-Gründer die Investoren überzeugen. Die hohe Bewertung schreckte Maschmeyer & Co. ab. Wie ging es für das Start-up weiter?

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