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Die Höhle der Löwen „Kork als nachhaltiges Material öffnet uns viele Türen“

Rouven Brauers und Alexander Gebler wollten in der „Höhle der Löwen“ punkten. Quelle: Höhle der Löwen

Reißfest, stabil – und eine negative CO2-Bilanz: Mit verstärkten Korkplatten für den Fahrzeug- oder Bootsbau wollten die Hardcork-Gründer die Investoren überzeugen. Doch die hohe Bewertung schreckte Maschmeyer, Dümmel & Co. ab. Wie ging es für das Start-up aus Hannover weiter?

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Mit einer „Spanplatte 2.0“ wollten Rouven Brauers und Alexander Gebler in der „Höhle der Löwen“ punkten. Aus Korkgranulat, Kunstfasern und Harz hatte der passionierte Surfer und Skateboarder Brauers ein widerstandsfähiges Material entwickelt und Hardcork getauft. Mit Hilfe der Investoren aus der Fernsehshow wollte das Duo den Sprung in den industriellen Einsatz schaffen. Die prominenten Geldgeber waren neugierig auf Material – aber skeptisch bei der Bewertung: Für 20 Prozent der Anteile wollten die Gründer eine Million Euro haben, obwohl das Start-up zum Zeitpunkt der Aufzeichnung gerade einmal ein paar tausend Euro Umsatz verbucht hatte. Alle Investoren stiegen aus. Brauers und Gebler machten weiter und holten mit Niels Hentschel einen CEO für ihr Start-up Bufo Tech dazu. Was hat das Trio in dem Jahr erreicht, das seit der Aufzeichnung vergangen ist?

WirtschaftsWoche: In der Show hatten Sie angekündigt, in diesem Jahr 2,5 Millionen Euro Umsatz zu machen – klappt das?
Niels Hentschel: Die Zahlen zeigen nach oben, aber ganz werden wir dieses Ziel nicht erreichen. Aber es ist einiges passiert seit der Aufzeichnung. Das Wichtigste: Wir liefern Korkplatten für ein Cargobike, das Volkswagen-Nutzfahrzeuge entwickelt. Über dieses Projekt sind wir auch in andere Bereiche des Konzerns hereingekommen, etwa zu den Freizeitmobilen. Da geht es oft darum, leichtes und kostengünstiges Material zu verbauen, da diese Fahrzeuge sonst schnell Gewichtsprobleme bekommen. An solchen Projekten hängt natürlich einiges an Umsatzerwartungen.

Ärgert es Sie da nicht, dass die Investoren in der „Höhle der Löwen“ alle abgesagt haben?
Alexander Gebler: Man kann es ja nicht wirklich gut steuern – aber wir waren zu früh bei der Aufzeichnung. Schon ein paar Monate später hätten die Zahlen deutlich besser ausgesehen, aber damals konnten wir es nicht überzeugend genug darlegen.
Hentschel: Es ist ja ganz natürlich, dass die Gründer das Umsatzpotenzial deutlich positiver einschätzen, während Investoren für ihre Kalkulation verlässliche Zahlen und Zusagen sehen wollen. Was uns aber freut: Unsere Bewertung bei der Aufzeichnung war hoch. Aber aktuell ist es bislang alles tatsächlich so eingetreten wie geplant.

Aber Sie sind weiterhin ohne weitere finanzielle Hilfe unterwegs?
Gebler: Ein weiterer Business Angel neben mir ist im vergangenen Jahr mit eingestiegen. Und wir stehen kurz vor dem Abschluss einer Finanzierungsrunde mit einem Investor aus Hannover. Der wird zu der Bewertung einsteigen, die wir in der „Höhle der Löwen“ aufgerufen haben.

Es bleibt ambitioniert, als Start-up mal eben ein neues Material erfinden und vermarkten zu wollen.
Rouven Brauers: Es ist ein neues Material, aber aus uralten Rohstoffen – Kork wird ja schon seit Jahrtausenden verarbeitet. Ich habe vor allem daran gearbeitet, die Verbindung und die Festigkeit zu verbessern. Das ging aber relativ zügig: Mein erster Versuch ging fix kaputt, aber der zweite war schon mehrere Monate im Einsatz. Und von da an haben wir uns immer weiter vorgearbeitet.

Welche Vorteile soll das Korkmaterial denn bieten?
Brauers: Es ist im Vergleich zu Holz extrem wasserbeständig. Und es isoliert deutlich besser als Holz, was Wärme und Geräusche angeht.
Hentschel: Dazu kommt: Es bietet eine hohe Bindungsmöglichkeit von CO2. Denn die Korkeiche wird ja nicht abgeholzt, sondern geerntet – und wächst dann wieder nach. Kork hat so eine negative CO2-Bilanz.

Zieht das schon als Argument bei potenziellen Kunden?
Hentschel: Absolut, Kork als nachhaltiges Material öffnet uns viele Türen. Lange Zeit wurde immer nur nach dem Preis gefragt. Mittlerweile fragen sich alle, was sie tun können, um nachhaltiger zu arbeiten. Bei manchen Autoherstellern werden bereits Aluminiumpanele verbannt. Und dann kommen wir mit etablierten Naturrohstoffen vielen sehr gelegen.

Im Moment besteht das Start-up überwiegend aus Ihnen dreien. Ist das nicht zu klein für die großen Pläne?
Hentschel: Das ist eine berechtigte Frage. Es passiert viel und die Nachfrage ist aktuell größer als die Organisation. Da müssen wir nachziehen. Aber wollen keine eigene Produktion aufbauen – sondern das Material mit Partnern in verschiedenen Projekten bis zur Serienreife zu bringen. Dann soll es Produktionspartner geben, die das Material in Lizenz oder in unserem Auftrag herstellen.

Haben Sie keine Sorgen, dass Ihnen zwischendurch ein Konkurrent die Idee stiehlt?
Gebler: Die Sorge vor der Konkurrenz ist natürlich da. Aber unser Patent konnte eingetragen werden. Und es gehört auch sehr viel Prozesswissen dazu, das wir uns aufgebaut haben. Aber klar ist: König ist der, der es jetzt am schnellsten auf den Markt schafft.

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Wo es am Ende kein Geld von den Löwen gab: Was soll Ihnen der Auftritt im Fernsehen dann überhaupt bringen?
Gebler: Wir wollen die Sichtbarkeit des Materials nach vorne bringen, da hilft die Präsentation im Fernsehen in jedem Fall. Und wir haben schon häufig von Zufällen profitiert. Etwa bei den ersten Kontakten zu Volkswagen. Oder auch beim Treffen mit unseren Vorstandschef Niels – den habe ich bei einem Caipirinha auf Fuerteventura getroffen. Wir hoffen, dass das jetzt auch einige Leute aus der Industrie im Fernsehen sehen, neugierig auf Hardcork werden und dann zum Hörer greifen.

Mehr zum Thema: Mit kompostierbaren Pflanztöpfen hat Pottburri in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ Ralf Dümmel von sich überzeugt. Untypisch für ein Start-up ist die enge Kooperation mit zwei etablierten Unternehmen.

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