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Die Höhle der Löwen „Manche vertuschen die Problemzonen der Wohnung“

Quelle: Presse

Vier Investoren wollten bei „Grundriss in Lebensgröße“ einsteigen. Im Interview erklärt Mitgründer Lucas Nummer seine Wahl – und erzählt, vor welchen Projektentwickler-Tricks er seine Kunden bewahren will.

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Lucas Nummer und seine Frau Gissou wollen mit ihrem Start-up „Grundriss in Lebensgröße“ Bauherren vor teuren Planungsfehlern bewahren. Der Firmenname ist Programm: Grundrisse werden mit Hilfe von Beamern im 1:1-Maßstab in einer Halle projiziert. Kunden können dann munter Pappwände und Möbel verschieben, bis sie eine optimale Aufteilung gefunden haben. Knapp 500 Euro pro Stunde verlangt das Start-up dafür. Bei „Die Höhle der Löwen“ hat sich das Gründerpaar ein Investment von 300.000 Euro erhofft und bot 20 Prozent der Firmenanteile an. Gleich mehrere der „Löwen“ bissen an: Nils Glagau und Dagmar Wöhrl hätten für die Summe zusammen gerne 30 Prozent gehabt, Carsten Maschmeyer und Judith Williams wollten 25,1 Prozent der Anteile. 

WirtschaftsWoche: Herr Nummer, gleich zwei Investoren-Duos wollten investieren. Haben Sie sich für Carsten Maschmeyer und Judith Williams entschieden, weil Sie bei den beiden weniger Anteile abgeben mussten? 
Lucas Nummer: Nein, wir hatten schon vorher klare Präferenzen. Meine Frau fand von vorneherein Judith Williams am sympathischsten. Und mein Lieblings-Löwe ist mit Abstand Carsten Maschmeyer. Ich habe seine Bücher verschlungen – vor allem „Die Millionärsformel“. Dass gerade die beiden nun in unser Unternehmen eingestiegen sind, passt perfekt. Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen.
Judith Williams haben Sie vor allem damit beeindruckt, dass Sie von „Spiritualität“ gesprochen haben. Was verbirgt sich dahinter?
Ich beschäftige mich seit knapp sechs Jahren mit dem Thema, habe Seminare und Kuren besucht. Es geht darum, in sich hineinzuhören und zu erfahren, wie wichtig Geist und Seele sind. Letztlich geht es um die Sinnsuche. Das ganze Geld der Welt bringt einem nichts, wenn man nicht glücklich ist. Erfolgreiche Menschen wie die Löwen kennen das – ich denke, deswegen bin ich da auf offene Ohren gestoßen. 

Hat sich denn die Hoffnung erfüllt, nicht nur Geldgeber, sondern vor allem Mentoren zu gewinnen?
Tatsächlich sind wir nicht in die Sendung gegangen, um Kapital zu bekommen oder den Marketingeffekt mitzunehmen. Wir wollten Investoren für uns gewinnen, die uns langfristig auf der Reise begleiten können. Mit Carsten Maschmeyer telefoniere ich ein- bis zweimal im Monat, das ist sehr lehrreich. Und beide Löwen haben uns schon sehr wertvolle Kontakte vermittelt.

Wie hat sich Ihr Start-up seit der Aufzeichnung der Sendung im März verändert?
Damals waren wir noch zu dritt und hatten gerade unseren ersten Standort in München eröffnet. Jetzt sind es sechs Standorte, vier weitere kommen bald hinzu. Das Team ist schon über 30 Köpfe groß, jeden Monat kommen neue Leute hinzu. Wir haben außerdem das Geschäftsmodell erweitert: Zum einen bieten wir jetzt auch Planungen mit eigenen Architekten an und wir haben in jedem Standort ein Küchenstudio installiert. So können unsere Kunden auch ihre Küche in Lebensgröße planen und bei uns erwerben. Außerdem arbeiten wir gerade an einem Franchise-Konzept.
In der Sendung hatten Sie noch betont, dass Sie alle Filialen selbst betreiben wollen. Warum die Kehrtwende? 
Wir wollen auch weiterhin alle großen Standorte selbst betreiben. Aber wir haben viele Anfragen von Küchen- und Möbelhäusern bekommen, die den Service gerne direkt in ihren Filialen anbieten wollen. Das werden wir in einem Franchise-System machen. Statt 15 mal 15 Meter ist die Projektionsfläche dann sechs mal sechs Meter groß – und es geht darum, nur einen einzelnen Raum zu planen oder mit Möbeln zu bestücken, um vor dem Kauf ein echtes Raumgefühl zu bekommen. 
Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen?
Meine Frau und ich hatten zuvor ein Maklerbüro. Wir haben immer wieder gemerkt, dass sich die Kunden nicht richtig vorstellen können, wie ihr neues Zuhause aussehen wird. Irgendwann bin ich auf ein älteres Youtube-Video gestoßen, wo jemand den Grundriss für einen Raum mit einem Beamer projiziert. Aber als ich dann nach Anbietern für so etwas gesucht habe, bin ich nicht fündig geworden. 
Also haben Sie selbst herumgetüftelt? 
Ehrlich gesagt: Von der Technik hatte ich keine Ahnung. Ich habe erst einmal die Beamer-Hersteller abtelefoniert und schnell gelernt, dass es nicht so banal ist, das umzusetzen. Als nächstes habe ich Veranstaltungsfirmen angerufen. In Dortmund habe ich dann ein Unternehmen gefunden, dass auf das Projekt Lust hatte – und gerade auch Zeit, weil durch Corona Veranstaltungen weggefallen sind. So hat das seinen Anfang genommen.

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Inzwischen gibt es international mehrere Unternehmen, die dasselbe anbieten. Ist das ein Zufall oder haben sie voneinander abgeguckt?
Soweit ich das sehe, sind manche Angebote tatsächlich unabhängig voneinander entstanden. Aber es gab auch schon Nachahmer. So hat einer unserer Kunden bereits das Konzept kopiert. Das können wir nicht verhindern – die Technologie lässt sich kaum patentrechtlich schützen. Wir setzen darauf, den besten Service anzubieten und schnell eine bekannte Marke aufzubauen. Auch deswegen müssen wir jetzt rasch expandieren. Wir wollen schneller als die Konkurrenz ein flächendeckendes Filialnetz in Europa aufbauen.
Wie wichtig sind dabei Kooperationen mit Bauträgern?
Für Fertighaushersteller zum Beispiel ist die Technologie prädestiniert. Die erleben jeden Tag, dass Kunden sich ihre Pläne nicht vorstellen können. Wir haben aber gemerkt, dass manche Bauträger gar kein Interesse daran haben, mit uns zusammenzuarbeiten, weil diese oft die Problemzonen der Wohnungen vertuschen wollen. Ein gängiger Trick ist es zum Beispiel, dass Möbel nicht maßstabsgetreu im Grundriss eingezeichnet werden. Die Räume wirken dann natürlich viel größer.
Die Immobilienbranche setzt bisher vor allem auf 3D-Zeichnungen und experimentiert mit Virtual-Reality-Brillen, um schon vor Baubeginn Besichtigungen zu ermöglichen. Eine Konkurrenz für sie?
Ich denke, das ergänzt sich eher. Datenbrillen sind super, um zum Beispiel durchzuspielen, wie sich ein anderer Bodenbelag oder eine andere Wandfarbe machen würde. Aber um ein echtes Raumgefühl zu bekommen, gibt es nicht besseres, als real im Grundriss zu stehen. Ich vergleiche das gerne mit dem Autokauf: Natürlich ist es schön, wenn man sich schon virtuell alles in 3D ansehen kann. Aber eine Probefahrt ersetzt das nicht. 

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    Sie geben an, schon mehr als 500 Kunden beraten zu haben. Was sind typische Dinge, die Bauherren nach einer Besichtigung noch am Plan ändern?
    Keiner wirft den Plan komplett über den Haufen, es geht um Optimierungen. Fast immer sind Abstände das Problem. Wieviel Platz muss zwischen Küchenzeile und Kochinsel sein? Wie breit sollte der Flur sein? Solche Dinge. Auch Durchgänge sind ein Klassiker: In der Halle fällt dann auf, dass manche Türen ineinander aufgehen – oder viel zu schmal sind. 

    Was waren die bisher ungewöhnlichsten Anfragen, die Sie bekommen haben? 
    Einmal ist ein Supermarkt auf uns zugekommen. Da ging es darum, die Regale so aufzubauen, dass die Putzkolonnen gut durch die Gänge kommen. Überhaupt haben wir interessante Gewerbekunden. Bei uns hat zum Beispiel ein Goldschmied sein Atelier geplant. Bei ihm haben wir dann hinterher unsere Eheringe gekauft. 

    Glückwunsch zur Hochzeit! Wie ist es eigentlich, als Paar auch im Unternehmen so eng miteinander zusammenzuarbeiten
    Das klappt sehr gut. Aber mir fehlt da auch der Vergleich. Meine Frau und ich haben schon vorher im Maklerbüro zusammengearbeitet – und jetzt eben bei Grundriss in Lebensgröße. Insofern kennen wir das gar nicht anders.

    Mehr zum Thema: Wenn ein Löwe den anderen frisst: Jetzt übernimmt die Social Chain AG mit Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzendem Georg Kofler die DS Gruppe von Geschäftsführer und Gesellschafter Ralf Dümmel.

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