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Die Höhle der Löwen „Preisdebatten haben wir über ein Jahr lang geführt“

Mit kompostierbaren Pflanztöpfen hat Pottburri in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ Ralf Dümmel von sich überzeugt. Quelle: Presse

Mit kompostierbaren Pflanztöpfen hat Pottburri in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ Ralf Dümmel von sich überzeugt. Untypisch für ein Start-up ist die enge Kooperation mit zwei etablierten Unternehmen. Wie funktioniert das Zusammenspiel?

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Wer seinen Garten neu bepflanzt, kennt es: Am Ende bleiben Dutzende Plastiktöpfchen über, die in den Müll wandern. Mit einer umweltfreundlichen Alternative haben sich die Geschwister Antonia und Alexander Cox in „Die Höhle der Löwen“ gewagt. Ihr Start-up Pottburri vertreibt Pflanztöpfe, die zu einem großen Teil aus den Schalen von Sonnenblumen hergestellt sind. Blumen und Kräuter können samt dem biologisch abbaubaren Gefäß in die Erde gesetzt werden – ganz ohne Plastikmüll. In der Gründershow hat das Duo Ralf Dümmel überzeugt. Der Investor übernahm 20 Prozent der Firmenanteile gegen eine Kapitalspritze von 150.000 Euro.

Die Idee zu den kompostierbaren Töpfen existiert bereits seit mehreren Generationen im Familienunternehmen der beiden Gründer – gemeinsam mit dem Rohstoffunternehmen Golden Compound sowie dem familiengeführten Kunststoffverarbeiter Osko gelang schließlich die Umsetzung. Im Interview sprechen Gründerin Antonia Cox und Golden-Compound-Prokurist Reinhard Trumme darüber, was sich seit der Aufzeichnung des Fernsehauftritts im Januar 2020 getan hat.

WirtschaftsWoche: Frau Cox, gäbe es Ihr Start-up ohne Golden Compound überhaupt?
Antonia Cox: Die Idee, einen nachhaltigen Blumentopf zu entwickeln, gab es schon vorher. Mein Bruder und ich haben sie von unserem Opa übernommen, der schon diverse Varianten ausprobiert hatte – und wir wären sicherlich auch alleine an dieser Idee drangeblieben. Aber wir suchten nach innovativen Partnern, die Know-how in der Verarbeitung von Rohstoffen mitbringen. Die haben wir zum Glück mit dem Rohstoffentwickler Golden Compound und dem Produzenten Osko gefunden.

Wie haben Sie zueinander gefunden?
Reinhard Trumme: Die Naturfaserstoffe von Golden Compound sind für das Spritzgussverfahren optimiert. Wir sind deswegen gut in der Kunststoffbranche vernetzt und hatten schon Verbindungen zu Osko. Dort wiederum gab es einen Kontakt zur Familie Cox. Das Ganze hat einfach gut gepasst: Alle Beteiligten sind Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet und die Einstellung stimmt: Hier sind nur Visionäre an Bord, die den Drang haben, Dinge anders zu machen.

Hinter Golden Compound stehen mit Peter und Ulrich Wendeln sowie Ulrich Meyer zwei gestandene Unternehmer. Und Osko blickt auf eine 250 Jahre alte Firmengeschichte zurück. Da gibt es also reichlich Erfahrung. Wieso setzen Sie beim Vertrieb auf zwei junge Gründer?
Reinhard Trumme: Das Branchen-Know-how von Antonia und ihrem Bruder ist extrem wichtig. Ich bin vor vier Jahren zu diversen Gärtnereien gegangen und habe versucht, sie von unserem Rohstoff zu begeistern. Das hat mehr schlecht als recht geklappt. Das Thema muss jemand erklären, der die Abläufe eines Gärtners kennt und deren Sprache spricht. Wenn ich als Kunststofftechniker da vorstellig werde, ist das zum Scheitern verurteilt.

Frau Cox, dass für Pottburri drei Unternehmen so eng zusammenarbeiten, tauchte in Ihrem Pitch nicht auf. Und auch auf Ihrer Homepage liest sich die Gründergeschichte so: Zwei Geschwister, die in einer Gärtnerei groß geworden sind, haben sich schon immer an den Plastiktöpfen gestört und suchten dann nach Alternativen. Erwecken Sie damit nicht einen falschen Eindruck?
Antonia Cox: Die Geschichte, die wir erzählen, ist nicht falsch. Wir haben in der Familie schon lange nach Alternativen zum Kunststoff gesucht. Es gab beispielsweise Versuche mit Pflanztöpfen aus Papier, was aber nicht so richtig praktikabel war. Wir verheimlichen auch nicht, mit wem wir zusammenarbeiten. Wir haben die finale Rezeptur im Team verfeinert und den Pottburri gemeinsam zur Marktreife gebracht. Mein Bruder und ich sind aber diejenigen, die Pottburri bekannt machen und in die Privatgärten bringen. 

Seit „Die Höhle der Löwen“ mischt jetzt noch eine Partei mit. Warum war Ralf Dümmel als Investor für Sie interessant?
Antonia Cox: Ralf Dümmel hat ein professionelles Team, das uns in vielen Fragen hochprofessionell unterstützt. Hinzu kommt das unschlagbare Netzwerk im Handel. Das ist super wertvoll für uns. Für unseren Erfolg ist es wichtig, dass große Ketten uns wahrnehmen. Durch die Zusammenarbeit mit Ralf Dümmel haben wir aber auch neue Unternehmenskunden gewonnen, wie unter anderem Blume2000.

Sind denn Firmenkunden nach wie vor der Fokus? Sie verkaufen über einen Onlineshop auch Blumen und Kräuter in Ihren Töpfen an Privatkunden.
Antonia Cox: Den Onlineshop gibt es erst seit Februar. Das ist ein interessanter Vertriebskanal, der uns hilft, Pottburri als Marke zu etablieren. Spannenderweise sind dort sogar die Töpfe alleine gefragt – weil Hobbygärtner darin selbst Pflanzen anzüchten wollen. Aber im Fokus steht für uns ganz klar das Geschäft mit Unternehmen. Deswegen haben wir Pottburri auch als eigenständige Firma aufgestellt, die unabhängig vom Betrieb unserer Eltern ist.

Sie betonen den innovativen Charakter Ihres Produkts. Aber Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind, gibt es doch bereits?
Reinhard Trumme: Viele Bio-Kunststoffe sind missverständlich. Da wird versprochen, dass das Material kompostierbar ist – in der Praxis bedeutet das: nur bei hohen Temperaturen in industriellen Anlagen. Unsere Naturfasern sind dagegen tatsächlich im heimischen Garten kompostierbar: Sie werden von Mikroorganismen unter den natürlichen Bedingungen in der Erde zersetzt. Es bleibt nichts zurück.



Was waren die größten Hürden bei der Entwicklung?
Reinhard Trumme: Es gab unzählige. Produktionsseitig haben wir lange daran getüftelt, das Material im Spritzguss verarbeiten zu können. Dafür mussten bei Osko beispielsweise neue Werkzeuge her. Uns war klar, dass wir am Markt nur dann erfolgreich sein können, wenn die Töpfe der Plastikvariante möglichst ähnlich sind und sie den Prozessen in Gärtnereien standhalten. Sie müssen also automatisiert befüllt werden können und gut zu transportieren sein. Für den Privatkunden wiederum ist wichtig, dass das Material möglichst schnell abgebaut wird, wenn der Topf einmal im Boden ist.

Dafür rufen Sie einen stolzen Preis auf: Ihr Topf kostet 28 Cent – die Plastikvariante dagegen unter fünf Cent. Schreckt das Gärtnereien nicht ab?
Antonia Cox: Preisdebatten haben wir über ein Jahr lang geführt. Inzwischen ist das kein großes Thema mehr. Die Gärtnereien haben verstanden, dass die Produktion wesentlich aufwendiger und damit teurer ist. Und sie haben gemerkt, dass viele Privatkunden bereit sind, diesen Aufschlag zu zahlen. Das liegt zum einen daran, dass Nachhaltigkeit generell immer stärker in den Fokus rückt. Zum anderen macht Pottburri den Hobbygärtnern das Leben leichter, weil eben der ganze Topf mit eingepflanzt wird. Bei herkömmlichen Töpfchen gibt es immer die Gefahr, dass man Wurzeln beschädigt, wenn man die Pflanze aus der Plastikhülle befreit.

Wie viele Töpfe haben Sie bisher verkauft – und wie groß ist der Markt?
Antonia Cox: Schätzungen zufolge werden in Europa etwa drei Milliarden Plastiktöpfe jährlich verkauft. Das Potenzial ist also riesig. Wir haben seit der Gründung mehr als vier Millionen Töpfe verkauft – in diesem Jahr wollen wir die Marke von fünf Millionen knacken, für 2021 rechnen wir mit zehn Millionen.

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Welche Schritte planen Sie als nächstes?
Antonia Cox: Wir zielen zunächst einmal darauf, in Europa zu internationalisieren. Dann wollen wir neue Varianten entwickeln – angefangen bei Töpfen mit anderen Durchmessern. Ein Ziel sind auch verschiedene Rezepturen, so dass wir bei der Haltbarkeit variieren können. Den Topf soll es ja immer nur so lange geben, wie er gebraucht wird. Wie lange die Aufzucht einer Pflanze dauert, ist aber sehr unterschiedlich.

Und was hat Golden Compound mit den Schalen der Sonnenblumensamen noch vor?
Reinhard Trumme: Unser Ziel ist es, noch weitere Produkte aus dem Rohstoff herzustellen. Wir haben zum Beispiel bereits Kaffeekapseln entwickelt, die vollständig zu Hause kompostierbar sind. Der Vertrieb befindet sich im Aufbau: Ich habe mit Vertretern der Kaffeebranche gesprochen, die Branche arbeitet an Umsetzungskonzepten. Mitunter fehlt da aber die Fantasie, wie so etwas vermarktet werden könnte. Mein Tipp: Guckt mal bitte bei „Die Höhle der Löwen“, wie Pottburri voran geht!

Mehr zum Thema: Mit ihrer Idee, aus Fahrrädern Werbeflächen zu machen, stießen Angela Gonzalez und Patrick Klug in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ auf Skepsis. Doch wie ging's hinter den Kulissen weiter?

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