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Die Höhle der Löwen „Warum soll ein 30-jähriger Gründer mehr drauf haben als wir?“

Davis Zöllner (18) und Berkay Cankiran (19) präsentieren ihr Start-up MyTaag. Quelle: RTL / Bernd-Michael Maurer

Die beiden Hamburger Gründer Davis Zöllner und Berkay Cankiran überraschten nicht nur mit ihrem Alter. Auch ihre Geschäftsidee kam an. Im Interview verraten sie ihre Pläne mit MyTaag und welchem Idol sie nacheifern.

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Davis Zöllner (18) und Berkay Cankiran (19) gehörten zu den jüngsten Gründern, die sich je in „Die Höhle der Löwen“ präsentiert haben. Neben ihrem Alter erregte auch ihre Geschäftsidee die Aufmerksamkeit der Investoren. Die beiden Hamburger wollen den traditionellen Visitenkarten aus Papier den Garaus machen und setzen mit ihrem Start-up MyTaag auf eine umweltfreundlichere Lösung.

Das Versprechen: Mit ihrer digitalen Variante sollen Nutzer alle gewünschten Kontaktinformationen wie Name, Telefonnummer, Adresse oder Standort innerhalb von Sekunden untereinander teilen und zusätzlich ihre Social Media-Profile untereinander vernetzen können. Um ihre Vertriebs- und Marketingmaßnahmen auszubauen, benötigten Davis Zöllner und Berkay Cankiran 50.000 Euro und boten 30 Prozent ihrer Firmenanteile an.  


Davis, du und dein Mitgründer Berkay konntet Carsten Maschmeyer von eurer Geschäftsidee überzeugen. War er euer Wunschinvestor?
Ja, auf jeden Fall. Aber nicht nur, weil er wertvolle Kontakte hat, sondern auch weil er in der Vergangenheit immer betont hat, dass für ihn die Gründer wichtiger sind als die Geschäftsidee. 

Manch ein Löwe schien beeindruckt, manch einer wirkte angesichts eurer Jugend eher skeptisch.
Ja, das stimmt. Wir haben auch eine gewisse Zurückhaltung gespürt was unser Alter angeht. Nico Rosberg zum Beispiel war von Anfang an begeistert von unserer Idee, schien uns aber angesichts unseres Alters nicht recht zu trauen, dass wir erfolgreich sein können. Ebenso Dagmar Wöhrl. Warum soll ein 30-Jähriger Gründer mehr drauf haben als wir? Ich finde sogar, dass wir mit unserem Alter in der Szene herausragen. Nicht nur unser Produkt ist gut, sondern auch unsere Geschichte. Dadurch werden die Leute auf uns aufmerksam.

Du hast in der Sendung angesprochen, dass es für dich ein langer Weg war bis zum Launch von MyTaag…
Ja, weil ich noch keine 18 Jahre alt war, als wir unser Start-up gegründet haben. Und das ist in Deutschland ein Problem, denn man gilt als beschränkt geschäftsfähig. Das heißt, ich musste erst eine Erlaubnis vom Jugendamt und vom Gericht bekommen. Es ist wirklich unglaublich: Ein Minderjähriger kann hierzulande in zwei Sekunden einen Mini-Job anmelden, aber für eine Gründung braucht es sechs Monate. 

Wie hat dein Umfeld auf deinen Gründungswunsch reagiert?
Zunächst auch eher skeptisch. Während die Eltern meines Mitgründers beide selbstständig sind und ihn stets ermuntert haben, waren meine Eltern anfangs gegen eine eigene Firma – einfach, weil sie es nicht kennen. Auch von den Mitschülern wurden wir eher belächelt. Nur die wenigsten haben daran geglaubt, dass wir erfolgreich werden. Mittlerweile schreiben sie uns über Instagram und gratulieren zu dem, was wir erreicht haben.

Es war also ein steiniger Weg.
Ja, aber einer, den ich keine Sekunde bereut habe. Auch nicht, als unter der Gründeraktivität meine Schulleistungen gelitten haben. Ich war immer unter den Jahrgangsbesten und peilte ein 1,0 Abitur an. Am Ende war es eine 2,4. Das ärgert mich aber überhaupt nicht, weil ich mir aktuell gar nicht vorstellen kann etwas anderes zu machen als zu gründen. Wir haben uns ein kleines Team aufgebaut, sind mittlerweile sieben Leute, alle Anfang 20 und manche sogar noch Schüler.

Wie hat sich euer Geschäft seit der Aufzeichnung im März 2021 entwickelt?
Wir haben die vergangenen sechs Monate sehr intensiv auf den Tag der Ausstrahlung hingearbeitet. Seit bekannt ist, dass wir in der Sendung auftreten, nehmen die Anfragen kein Ende mehr. Vor allem aus dem Mittelstand melden sich viele potentielle Kunden. 

Was wollen die Firmen mit dem Einsatz eurer Taag-Card erreichen?
Natürlich geht es um das Finanzielle. Ich habe gerade gestern mit einem Unternehmen telefoniert, das 12 400 Mitarbeiter hat und für sie ausgerechnet wie viele Euro sie im Jahr einsparen würden, wenn sie Papier-Visitenkarten durch die virtuelle Variante ersetzen.

Und zwar?
Von den 12400 Mitarbeitern nutzen 2400 Visitenkarten. Das sind 100.000 Visitenkarten im Jahr, die gedruckt werden müssen. Macht Kosten von rund 50.000 Euro. Wenn die Firma mit uns arbeitet spart sie die Hälfte ein.

Ist das Finanzielle der einzige Grund, um sich für Taag-Card zu entscheiden?
Nein, der zweite Grund –und der ist für unsere Kunden fast noch wichtiger–  ist der Nachhaltigkeitsgedanke. Immer mehr Firmen müssen sich die Frage gefallen lassen, was sie für die Umwelt tun. Engagement in diesem Bereich ist ein wichtiger Image-Faktor geworden. Niemand  kann sich leisten das nicht zu beachten – und weiterhin so viel Papier zu verbrauchen.

Wie geht es für euch weiter?
Aktuell haben wir 3500 Kunden, bis Ende des Jahres sollen es 50.000 sein. Dabei hilft uns die Tatsache, dass wir seit gestern eine Amazon-Partnerschaft haben.

Denkt ihr schon an Internationalisierung?
Aktuell noch nicht, wir wollen es langsam angehen. Langfristig interessiert uns aber der asiatische Markt, ein paar Kunden in Japan haben wir schon. Die Leute springen dort schneller auf neue Gadgets an. In Deutschland fragt man immer: Was ist mit dem Datenschutz? In Asien heißt es: Super, wo muss ich mein Handy gegen halten?

Wie wollt ihr es nach Asien schaffen?
Wir haben seit Beginn einen asiatischen Investor an Bord. Er ist ein Business Angel, der unter anderem auch an einem großen europäischen Handyhüllen-Hersteller beteiligt ist. Ich habe ihn irgendwann einfach bei LinkedIn angeschrieben und ihm unsere Idee vorgestellt. Er fand sie gut und hat investiert. Wir hoffen, dass wir in ihm einen Türöffner für diesen riesigen Markt haben.

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Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?
In Berlin, auf einer Veranstaltung des Bremer Gründers Saygin Yalçin. Er zog 2009 nach Dubai und gründete dort ein Online-Modegeschäft, das er später für rund 580 Millionen an Amazon verkaufte. Wir sind beide riesige Fans von ihm.

Mehr zum Thema: Vor dem Start der zehnten Staffel geben vier Investorinnen und Investoren der Gründershow einen Ausblick auf die neuen Folgen und sprechen von den besten Investments. Und von Produkten, die völlig gefloppt sind.

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