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Die Höhle der Löwen „Wir bieten ein weiteres Puzzleteil für die Arbeitswelt an“

Independesk-Gründer Karsten Kossatz will Beschäftigten das Arbeiten an wechselnden Schreibtischen ermöglichen. Quelle: PR

Abgesehen von Ralf Dümmel warben alle Investoren um das Start-up Independesk. Gründer Karsten Kossatz will Beschäftigten das Arbeiten an wechselnden Schreibtischen ermöglichen – vom Fernsehturm über die hippe Agentur bis zum nüchternen Verwaltungstrakt. Wie passt das zum Homeoffice-Trend?

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Ein Klick, ein Arbeitsplatz: Das 2020 gestartete Start-up Independesk führt Hunderte Schreibtische in seiner App auf, die stunden- oder tageweise gemietet werden können. Anbieter können so etwas Geld mit freier oder freigewordener Fläche verdienen, Nutzer finden eine Alternative zu Arbeitszimmer oder Büro. Das Berliner Start-up verdient bei jeder Buchung über eine Provision mit. Bei „Die Höhle der Löwen“ machten Carsten Maschmeyer und Georg Kofler sofort ein gemeinsames Angebot, Dagmar Wöhrl und auch Nils Glagau zogen nach. Gründer Karsten Kossatz blieb hartnäckig und pokerte hoch. Am Ende erhielten Maschmeyer und Kofler 15 Prozent an Independesk, zahlten dafür statt den ursprünglich aufgerufenen 150.000 Euro zusammen 200.000 Euro – und vereinbarten einen Rabatt für eine nächste Finanzierungsrunde. Und wie ging es weiter?

WirtschaftsWoche: Vier der fünf Investoren haben Ihnen in der Sendung ein Angebot gemacht - und überboten sich sogar gegenseitig. Hätten Sie damit gerechnet?
Karsten Kossatz: Ich hatte gehofft, dass ich einen Deal kriege. Dass nun bis auf Ralf Dümmel, zu dem unser Geschäftsmodell nicht passt, alle Löwen Interesse hatten, hat mich überrascht. Ich war überwältigt von dem Angebot.

Sie haben dann gegenüber Maschmeyer und Kofler sogar noch bessere Bedingungen herausverhandelt. Hatten Sie keine Sorge, dass Sie Ihr Blatt überreizen?
Nein. Ich habe gesehen, dass die das Potenzial von Independesk genau erkannt haben. Daher habe ich den Moment ideal genutzt. Mit ihrer Erfahrung können die beiden beim Skalieren helfen. Und es läuft auch genauso, wie wir es gemeinsam in der Sendung besprochen haben. Bei der Aufzeichnung im Frühjahr hatten wir 120 Locations, heute sind wir schon bei 800. Seit ein paar Monaten kann man gezielt auch Meetingräume über unsere App buchen. Und wir haben unser Angebot für Firmen stark ausgeweitet.

Haben die Unternehmen nicht eher ein Interesse daran, Ihre Mitarbeiter langsam wieder ins Büro zu holen?
Die Unternehmen suchen aktuell nach einer Strategie für die hybride Arbeitswelt. Wir helfen ihnen, das einfach zu verwalten. Sie können über unser System auch ihre eigenen Büroflächen anbinden. Die können die Mitarbeiter dann mit einem Klick buchen, natürlich kostenlos. So weiß das Büromanagement, wie viele Kolleginnen und Kollegen reinkommen. Und gleichzeitig können sich Mitarbeiter auch mit mehreren Leuten in einer Art Satellitenstandort treffen – ohne, dass das Unternehmen dafür eigene Flächen besitzen oder anmieten muss.

Ist das Homeoffice nicht die größte Konkurrenz für Ihr Angebot? Viele Arbeitnehmer sind ja durchaus froh, nicht mehr aus dem Haus zu müssen.
Es geht darum, ein wirklich neues Angebot zu schaffen. Es geht um das bedürfnisorientierte Arbeiten: Dazu gehören in einer hybriden Welt das Büro, das Homeoffice, und dann eben auch dritte Orte. Wir bieten ein weiteres Puzzleteil für die Arbeitswelt an. Und nur aus allen Teilen zusammen entsteht ein komplettes Bild. 

Im Pitch rechneten Sie damit, dass Nutzer nur zwei Mal im Monat einen Arbeitsplatz via Independesk buchen. Warum nur so selten?
Man kann unser Modell gut mit dem Carsharing vergleichen, nur dass man kein Fahrzeug bucht, sondern einen Schreibtisch. Da gibt es natürlich einige Nutzer, etwa Selbstständige, die uns fast täglich nutzen – und häufig ihre drei, vier Lieblingsplätze immer wieder buchen. Dann gibt es jetzt wieder Reisende, die heute in Hamburg und morgen in München einen Arbeitsplatz suchen. Und dann sind da aber auch die vielen Mitarbeiter, die uns vielleicht nur einmal in der Woche oder einmal im Monat nutzen, eben als Ergänzung zum Homeoffice oder Büro.

Bei der Aufzeichnung der Sendung gab es Kritik, dass Sie vor allem in großen Städten vertreten sind. Auch heute noch dominieren die Angebote in den Metropolen.
Wir müssen es unbedingt schaffen, flächendeckend verfügbar zu sein. Das gilt für das Angebot in kleineren Städten – in Lübeck etwa pendeln heute noch zahlreiche Menschen zum Arbeiten nach Hamburg. Aber es geht nicht nur um die regionale Verbreitung. Es gibt heute bereits ausreichend Coworking-Spaces in den Innenstädten. Wir wollen aber bewusst in den Stadtrandlagen vertreten sein, damit sich die Nutzer den Arbeitsweg in die City sparen können.

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Für Furore sorgten Sie zum Start mit exponierten Arbeitsplätzen, etwa im Restaurant des Berliner Fernsehturms oder im Spionagemuseum. Ist das nur Marketing?
Menschen wollen natürlich nicht jeden Tag an einem speziellen Ort arbeiten. Aber solche Highlights können das Arbeiten besonders machen – mal mit Blick über Berlin, mal in einem Freibad, mal auf einem Bauernhof vor den Toren der Stadt. Solche Möglichkeiten zu haben, ist für Unternehmen und ihre Mitarbeiter sehr, sehr reizvoll.

Wer stellt denn seine Arbeitsplätze überhaupt zur Verfügung?
Natürlich haben wir viele Agenturen. Die kooperieren viel mit Freelancern und sind es seit längerem gewohnt, dass immer wieder neue Leute in ihr Büro kommen. Aber wir haben auch schon ein Logistikunternehmen, dass Schreibtische untervermietet. Bei manchen Firmen herrscht noch eine gewisse Skepsis. Aber auch die haben Geschäftspartner oder Kunden in ihren Räumen – da macht ein Independesk-Nutzer keinen großen Unterschied. Ich plädiere für Mut: Durch so ein Angebot kommen großartige neue Leute im Büro vorbei.

Haben Sie selbst schon Ihren Lieblingsort zum Arbeiten gefunden?
Nein. Ich ziehe viel Energie aus der Vielfalt. Wenn ich in Ruhe arbeiten will, gehe ich zu dem Schreibtisch einer Werbeagentur in meiner Straße. Um mich inspirieren zu lassen, probiere ich Orte wie das Spionagemuseum aus – da fühlt man sich am Arbeitsplatz fast wie in einem „Panic Room“. Und wenn ich Geschäftspartner beeindrucken will, gehe ich gerne hoch rauf auf den Fernsehturm.

Mehr zum Thema: Für deutsche Politiker sind Start-ups junge Unternehmen mit Mitarbeitenden in Turnschuhen, meint Personio-CEO Hanno Renner. Ihre Relevanz für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze werde völlig außer Acht gelassen.

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