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Die Höhle der Löwen „Wir bringen den vom Auto gewohnten Komfort auf das Fahrrad“

Sohrab (l.) und Khesrau Noorzaie von Sminno präsentieren den Löwen ihr Cockpit fürs Fahrrad. Quelle: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

CESAcruise soll als Cockpit fürs Fahrrad taugen. Mit dieser Idee ist das Start-up Sminno in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ angetreten. Investor Georg Kofler zeigte zwar zunächst Interesse, winkte dann aber doch ab. Wie auch alle anderen Investoren. Und nun?

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Mit einer App, die als digitales Cockpit dienen soll, wollen Khesrau und Sohrab Noorzaie dem Smartphone einen festen Platz auf dem Fahrrad geben. Die Rahmenbedingungen sind angesichts des Branchenbooms gut – doch bei den prominenten Investoren der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ überwog die Skepsis: Die erhoffte Finanzspritze von einer halben Million Euro konnten die Gründer bei dem im April vergangenen Jahres aufgezeichneten Pitch nicht ergattern. Entmutigen lassen wollen sich die Brüder aus Kassel davon nicht. Im Interview erklären sie, wie sie auch mit überschaubaren finanziellen Mitteln vorwärtskommen – und mit welchen Funktionen sie neue Kunden für sich gewinnen wollen.

WirtschaftsWoche: Smartphone-Halterungen fürs Fahrrad bekommt man schon für unter 15 Euro. Sie rufen knapp 60 Euro auf. Ist das nicht etwas happig?
Sohrab Noorzaie: Im Verhältnis zu dem, was wir bieten, ist unser Produkt preiswert. CESAcruise S ist eben nicht nur eine universelle Halterung, sondern auch eine Freisprecheinrichtung mit Soundverstärkung. Im Zusammenspiel mit unserer App wird daraus ein digitales Cockpit, über das man etwa den Musikplayer und die Navigation steuern kann. Und das möglichst ablenkungsfrei per Sprachsteuerung. Wir bringen den vom Auto gewohnten Komfort auf das Fahrrad.

Wie ist die Idee entstanden?
Khesrau Noorzaie: Wir haben ursprünglich einen kleinen Trichter fürs Smartphone entwickelt, der die integrierten Lautsprecher verstärken kann. Sozusagen eine analoge Boombox, die keinen Strom verbraucht. Den Anstoß zum Fahrrad-Cockpit hat ein Missgeschick unserer Schwester gegeben. Ihr ist beim Telefonieren auf dem Fahrrad ihr nagelneues iPhone aus der Hand gerutscht. So ist die Idee zu einer Halterung entstanden, die den Smartphonesound verstärkt und das sichere Telefonieren während der Fahrt ermöglicht.

Sind Kopfhörer für den Zweck nicht die simplere Lösung?
Khesrau Noorzaie: Das Problem bei Kopfhörern ist, dass sie zu stark abschirmen. Das kann im Straßenverkehr gefährlich werden. Und wenn man darüber zu laut Musik hört, riskiert man auch ein Bußgeld. Speziell beim Telefonieren gibt es noch ein Problem: Die Windgeräusche sind oft einfach zu laut. Unsere Halterung ist so geformt, dass das Mikrofon davor abgeschirmt ist.

Woher nahmen Sie das Know-how für die Entwicklung?
Khesrau Noorzaie: Ich habe Maschinenbau studiert, insofern ist es mir nicht ganz fremd, neue Bauteile zu konstruieren. Bis zum finalen Produkt haben wir sehr lange experimentiert. Per 3-D-Druck haben wir an die 100 Prototypen hergestellt. Mitte 2015 konnten wir unser erstes Modell auf den Markt bringen. Ende 2018 hatten wir dann eine neue Version fertig, die für größere Smartphones passend ist und an verschiedenen Fahrzeuglenkern installiert werden kann.

Wie oft haben Sie Cesacruise seit dem Start verkauft?
Khesrau Noorzaie: Wir bewegen uns in einem guten fünfstelligen Bereich.

Der Fahrradmarkt insgesamt boomt gerade wie nie zuvor. Können Sie davon profitieren?
Sohrab Noorzaie: Wir merken schon ein gestiegenes Interesse und rechnen damit, dass die große Nachfrage erst noch kommt. Denn viele haben während des letzten Jahres das Radfahren für sich entdeckt und suchen nun interessantes Zubehör.

Aber steht eine Handyhalterung da wirklich so weit oben auf der Einkaufsliste?
Sohrab Noorzaie: Das Smartphone ist zu einem festen Begleiter beim Radfahren geworden. Viele nutzen gleich mehrere Apps parallel – etwa für die Routenplanung und für das Tracking. Das sah vor ein paar Jahren noch anders aus. Als wir 2015 unser Produkt erstmals auf einer Messe gezeigt haben, haben wir oft gehört, dass Fahrrad und Smartphone nicht zusammenpassen. Wir sind heute froh, dass wir auf diese Stimmen nicht gehört haben.

Mit der Idee eines digitalen Cockpits war auch Cobi unterwegs. Das Start-up konnte viel Wagniskapital aufnehmen und gehört inzwischen zu Bosch. Wie haben Sie Ihr Unternehmen finanziert?
Khesrau Noorzaie: Erst einmal haben wir als Gründer privat viel investiert. Außerdem haben wir Hilfen wie ein Gründerdarlehen in Anspruch genommen. 2016 konnten wir dann eine erste Finanzierungsrunde abschließen. In dem Zuge ist neben anderen die BMH Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen bei Sminno eingestiegen.

Bei „Die Höhle der Löwen“ hat es mit einem Investment nicht geklappt. Ganz interessiert schien aber Georg Kofler. Wäre er Ihr Wunschinvestor gewesen?
Sohrab Noorzaie: Ursprünglich hatten wir auf Nico Rosberg gehofft. Mit seinem Mobilitätsfokus hätte er sicher gut zu uns gepasst. Aber leider war er – anders als geplant – gar nicht beim Pitch dabei. Bei Georg Kofler hatten wir dann das Gefühl, dass er lange mit sich ringen musste, bevor er auch ausgestiegen ist. Ich glaube, die Investoren waren zum Zeitpunkt der Aufzeichnung vorsichtiger als sonst: Es war gerade Corona so richtig in Deutschland angekommen und die Unsicherheit deswegen groß. 

Suchen Sie nun alternative Geldgeber oder können Sie Ihr Wachstum schon aus laufenden Einnahmen finanzieren?
Khesrau Noorzaie: Wir sind auf einem guten Weg, profitabel zu werden. Aber mit einem neuen Investor an Bord könnten wir unsere Pläne natürlich sehr viel schneller umsetzen. Einerseits wollen wir die Hardware weiter verbessern, andererseits die App deutlich ausbauen.

Was steht dabei im Fokus?
Sohrab Noorzaie: Die Vision ist, in der App alles zu vereinen, was mit der Fahrradmobilität zu tun hat. In einem ersten Schritt bauen wir das digitale Cockpit aus und bieten Verknüpfungen zu weiteren Apps. So kann der Nutzer von unserer Oberfläche aus seinen Lieblingsmusikdienst oder seine angestammte Navigations-App starten. Wir integrieren aber auch Funktionen, die abseits einer Fahrt interessant sind. Mit dem nächsten Update gibt es beispielsweise die Möglichkeit, eine Fahrradversicherung abzuschließen. Dafür kooperieren wir mit bekannten Unternehmen, darunter Wertgarantie und Alteos.

Junge E-Bike-Hersteller wie Vanmoof oder Cowboy bieten bereits ähnliche Apps quasi ab Werk an. Streben Sie Kooperationen mit Fahrradherstellern an?
Sohrab Noorzaie: Tatsächlich sehen wir darin ein großes Potenzial und arbeiten bereits mit einzelnen Herstellern daran. Für einen klassischen Hersteller endet die Kundenbeziehung mit dem Verkauf eines Fahrrads schon wieder. Das ließe sich über unsere Plattform verlängern. Über die App könnten Services angeboten werden – wie die Wartung, die Abwicklung von Garantiefällen oder bei E-Bikes auch digitale Updates.



Sie haben viel vor. Wie groß ist das Team hinter Sminno?
Khesrau Noorzaie: Wir sind im Moment zu zehnt und wollen uns im Laufe des Jahres auf 15 vergrößern, wenn es gut läuft. Das klingt vielleicht sehr klein. Aber wir haben gelernt, dass wir mit wenig Mitteln viel erreichen können.

Mehr zum Thema: Die Entwickler eines digitalen Kassenbon-Systems konnten gleich drei Löwen von ihrer Idee überzeugen. Es kam dennoch nicht zu einem Vertrag, weil die Gründer „die Bedingungen des Deals leider nicht erfüllen“ konnten.

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