Firmengründungen Deutschland liegt deutlich unter EU-Durchschnitt

Exklusiv

Über zwei Drittel der Griechen gründen aus Angst kein eigenes Unternehmen – in Deutschland fürchtet fast jeder zweite die Pleite.

Athen Quelle: dpa

Deutschland bei Unternehmensgründungen deutlich unter EU-Durchschnitt

Deutschland liegt bei den Unternehmensgründungen mit rund elf Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 15,1 Prozent. Das geht aus dem Deutschland-Bericht des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) hervor, der der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. „Für ein Land, das seine komparativen Stärken auf Wissen und neuen Produkten aufbaut, sind die Ergebnisse enttäuschend“, sagte Rolf Sternberg, Professor für Wirtschaftsgeografie an der Universität Hannover und Leiter des deutschen GEM-Teams, der Zeitschrift. Die sogenannte TEA-Quote etwa hat sich laut Sternberg „seit drei Jahren nicht signifikant verändert“. Sie gibt den Anteil der 18- bis 64-Jährigen an dieser Altersgruppe an, die während der vergangenen 42 Monate ein Unternehmen gegründet haben oder dies soeben tun. Der Wert für Deutschland liegt bei 5,3 Prozent, im Vergleich mit 29 sogenannten innovationsbasierten Volkswirtschaften der drittletzte Platz.

Der Studie zufolge sind die Rahmenbedingungen für Start-ups hierzulande nur durchschnittlich. Besonders mangelhaft sei die Gründungsausbildung an Schulen und Hochschulen. „Deutschland muss mehr tun“, forderte Sternberg. Um den Gründergeist zu wecken, sei „vor allem das Bildungswesen gefragt, das stärker zur Selbstständigkeit motivieren sollte“. Dass Politik, Schulen und Hochschulen mitziehen und junge Menschen künftig stärker für das Unternehmertum begeistern, bezweifelt der GEM-Chef: „Da brauchen wir einen langen Atem.“

Die Deutschlanddaten des Berichts basieren auf einer repräsentativen Befragung von 4.300 Bundesbürgern sowie 40 Interviews mit Gründungsexperten aus Wirtschaft und Politik.

Griechen sind in Sachen Unternehmensgründung Angst-Weltmeister

Griechenland verzeichnet mit 70,6 Prozent den weltweit höchsten Anteil von Menschen, die aus Angst vor dem persönlichen Scheitern kein eigenes Unternehmen gründen. Das geht aus einer Untersuchung des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) hervor, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Am risikobereitesten sind demnach die Amerikaner. Nur 32,8 Prozent fürchten in den USA eine Pleite, in Deutschland sind es 46,4 Prozent. „In Deutschland ist unternehmerischer Misserfolg immer noch ein Makel, in den USA gehört die zweite Chance zum Selbstverständnis von Gründern und Geldgebern dazu“, sagte Rolf Sternberg, Professor für Wirtschaftsgeografie an der Universität Hannover und Leiter des deutschen GEM-Teams, der WirtschaftsWoche.
In Italien fürchten 57,1 Prozent ihr Versagen, in Belgien 48,8. Dagegen sind die Briten mit 37,7 Prozent sowie die Schweizer mit 34,0 Prozent deutlich risikobereiter.

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