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Georg Kofler und Ralf Dümmel „Das ist wie ein Sechser im Lotto“

Im Fernsehen buhlen sie meist gegeneinander – jetzt gibt es einen gemeinsamen Deal: Georg Kofler (rechts) übernimmt mit seiner Holding Social Chain Ralf Dümmels Firma DS Produkte. Bild: Jens Oellermann

Ein Deal unter Löwen: Georg Kofler übernimmt mit seiner Holding Social Chain Ralf Dümmels Firma DS Produkte. Im Interview berichten die beiden, wie es dazu kam, welche Rollenverteilung es nun gibt – und wie es für sie in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ weitergehen könnte.

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WirtschaftsWoche: Herr Dümmel, Herr Kofler, in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ waren Sie bisher Konkurrenten. Wie kommt es dazu, dass Sie nun plötzlich ein Team bilden?
Ralf Dümmel: Auf die Idee haben uns die Start-ups in der Sendung gebracht. Oft kamen die Gründer hinterher noch mal nach vorne und haben gefragt, warum sie nicht eigentlich uns beide als Investoren haben können. Das würde sich doch ergänzen, haben wir oft gehört. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Ich werbe immer damit, dass ich Produkte in 40.000 Filialen im Handel bringen kann. Und Georg damit, dass sein Unternehmen über Social-Media-Kanäle 86 Millionen Menschen erreichen kann.

Und dann haben Sie sich nach einem Drehtag zusammengesetzt und beschlossen, Ihre Firmen zusammenlegen?
Ralf Dümmel: Tatsächlich war es so ähnlich. Wir saßen einmal zwischen zwei Drehs beim Mittagessen zusammen und haben ein bisschen herumgesponnen. Mehr aus Scherz haben wir damals gesagt: „Am besten packen wir unsere Unternehmen ganz zusammen.“ Bis zum Entschluss, das tatsächlich zu tun, hat es natürlich gedauert. Wir haben über Monate miteinander gesprochen, meistens abends. Und wir hatten am nächsten Morgen immer das Gefühl, dass sich das in die richtige Richtung entwickelt.
Georg Kofler: Der Funke ist wirklich schnell übergesprungen. Wir haben sehr bald gemerkt, dass wir zusammen etwas noch Größeres bauen können. Wir hatten keinen Druck, das zu tun. Aber einen unternehmerischen Willen. Das ist die geschäftliche Seite. Die andere ist, dass wir uns menschlich sehr gut verstehen. Wir haben uns schon oft gegenseitig besucht, waren bei Geburtstagen. Das Ganze ist nun nicht nur eine unternehmerische Partnerschaft, sondern hat auch eine freundschaftliche Basis – das ist ein großer Glücksfall.

Zumindest in der Sendung wirken Sie unterschiedlich: Da ist Ralf Dümmel, der impulsive Verkäufertyp, auf der einen Seite und Georg Kofler, der nüchterne Stratege, auf der anderen Seite. Kann es gutgehen, wenn zwei so unterschiedliche Köpfe aufeinanderprallen?
Ralf Dümmel: Klar haben wir unterschiedliche Stärken und wissen auch, wo die liegen. Aber es sind ja gerade die Gegenseitigkeiten, die es ausmachen. In den Verhandlungen haben wir gemerkt, dass sich das gut ergänzen kann. Wir haben wirklich viel Zeit miteinander verbracht und sind hinterher immer freudestrahlend aus den Gesprächen herausgegangen.

Sie klingen ein bisschen so wie die euphorischen Ampel-Sondierer…
Georg Kofler: Der große Unterschied ist, dass wir keine fundamental unterschiedlichen Einstellungen haben. Uns einen unser Weltbild und unternehmerische Werte. FDP und Grüne müssen da sicher einen weiteren Weg aufeinander zugehen. Und wir müssen uns nicht zwanghaft voneinander abgrenzen und Wählern hinterher klar machen, wer woran einen Anteil hatte.

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    Die Machtverhältnisse sind aber auch bei Ihnen unterschiedlich – schließlich sind Sie, Herr Kofler, weiterhin größter Einzelaktionär der Social Chain AG. Herr Dümmel, fällt es Ihnen nicht schwer, sich da nun unterzuordnen?
    Ralf Dümmel: Erstmal: Wenn es so wäre, hätte ich kein Problem damit. Ich muss nicht der Leitlöwe sein. Dass ich mit DS Produkte erfolgreich bin, ist schließlich auch nicht meine alleinige Leistung, sondern die eines hervorragenden Teams. Tatsächlich muss ich mich aber auch formal gar nicht unterordnen. Mit der Übernahme erhalte ich ja auch ein Aktienpaket und kann mitreden. Und ich rücke in den Vorstand, mit einem großen Aufgabenbereich. Ich werde sicher nicht weniger arbeiten als vorher. Nun geht es darum, zusammen die Vision eines Milliardenunternehmens umzusetzen.
    Georg Kofler: Es spielt keine Rolle, dass ich ein paar Aktienanteile mehr habe. Was bringt das, wenn der Vorstand seine Arbeit nicht macht? Ralf ist eine Schlüsselfigur im neuen Unternehmen. Das ist wie ein Sechser im Lotto, ihn an Bord zu haben.

    Herr Dümmel, Ihr Titel lautet nun „Chief Product Officer“. Wie verstehen Sie die Aufgabe?
    Ralf Dümmel: Wegen mir hätte es den Titel nicht gebraucht. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich ungern mit Bilanzen oder mit Administrativem befasse. Ich bin stark im Operativen und kann mich darauf jetzt stärker konzentrieren. Meine Leidenschaft ist der Vertrieb – ich gehe zu Fuß von Hamburg nach Berlin, um einen Kunden zu überzeugen. Im neuen Unternehmen werde ich das weiterhin machen. Nur habe ich nun die Chance, noch neue Dinge voranzutreiben – und zum Beispiel den Marken, die heute schon zur Social-Chain-Gruppe gehören, mehr Präsenz im Handel zu verschaffen. Das reizt mich.

    Dennoch: Warum verkaufen Sie das Unternehmen, das Sie erst groß gemacht haben? Wirtschaftlich stehen Sie doch gut da.
    Ralf Dümmel: In der Tat läuft es nicht schlecht. Wirtschaftlich wird dieses Jahr voraussichtlich das erfolgreichste in der Geschichte von DS Produkte. Aber ein guter Unternehmer sollte nicht nur auf den Augenblick gucken, sondern fünf bis acht Jahre in die Zukunft. Und da muss man sagen: Bei Entwicklungen wie dem Social Commerce hatten wir ein Defizit – da hätten wir ohnehin aktiv werden müssen. Ich sehe es auch nicht so, dass ich nun „mein Baby“ verkaufe. Das Baby ist eben groß geworden, heiratet und die Familie wird größer.

    Herr Kofler, Sie wollen unter dem Dach Ihrer Holding Social-Media-Agenturen und Marken, die sich direkt an Verbraucher richten, vereinen. Die Palette reicht bereits von Matratzen über Nahrungsmittel bis zu Kosmetikprodukten. Was fehlte Ihnen noch?
    Georg Kofler: Wir hatten bisher noch nicht eine so große Vielfalt an Produkten. Mit DS Produkte kommt jetzt eine riesige Palette dazu. Und wir bekommen mit Ralf jemanden ins Managementteam, der unglaublich stark in der Produktentwicklung ist. Die Rechnung ist einfach: Wenn wir mehr zum Verkaufen haben, können wir mehr Umsätze generieren.

    Bei „Die Höhle der Löwen“ scheitern viele Deals an der Unternehmensbewertung. Sind 220,5 Millionen Euro ein angemessener Preis für DS Produkte?
    Georg Kofler: Sie können davon ausgehen, dass die Bewertung auf einem soliden Fundament beruht. Wie bei einer börsennotierten Gesellschaft üblich, gab es einen aufwendigen Due-Dilligence-Prozess. Im Übrigen habe ich als größter Einzelaktionäre natürlich auch in eigener Sache mit verhandelt. Ich denke, wir sind zu einem Preis gekommen, der für alle Parteien fair ist.

    Wie wirkt sich die Transaktion auf all die Start-ups aus, in die Sie jeweils vorher investiert haben?
    Ralf Dümmel: Wir haben heute Morgen alle Gründer informiert, dass für sie erstmal alles bleibt, wie es ist. Wer einen Deal mit Ralf Dümmel gemacht hat, behält Dümmel. Und wer einen Deal mit Georg Kofler gemacht hat, behält Kofler. Wir bleiben jeweils die ersten Ansprechpartner für unsere Start-ups. Wir erwarten aber, dass sich für die Unternehmen durch unsere gebündelte Vertriebskraft neue Chancen ergeben. Wenn sich also was ändert, dann zum Positiven.

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    Und wie geht es für Sie selbst bei „Die Höhle der Löwen“ weiter? Sie werden kaum mehr beide gleichzeitig bei den Pitches dabei sein können.
    Ralf Dümmel: Ich kann noch nicht sagen, wie es weitergeht. Wir durften heute erst alle über den Deal informieren – auch die Produktionsgesellschaft. Uns ist schon klar, dass wir in der Sendung künftig nicht nebeneinandersitzen werden. Das gilt im Übrigen nicht für die Staffel, die im kommenden Frühjahr ausgestrahlt wird. Denn die ist schon abgedreht. Da wird man uns noch als Konkurrenten sehen.

    Aber Lust weiterzumachen, hätten Sie beide?
    Ralf Dümmel: Auf jeden Fall. Ich reise seit 33 Jahren durch die Welt, um Trends früh zu erkennen. Nebenbei noch einen 450-Euro-Job bei Vox zu haben, ist ein Glücksfall: Da fahre ich einmal nach Köln, setze mich auf meinen Sessel, bekomme ein Wasser und interessante Gründerinnen und Gründer stellen sich mir vor.
    Georg Kofler: Ralf ist mit Abstand der beliebteste Löwe und der mit den meisten Deals. Der gehört fest zur Sendung, finde ich. Wenn wir nicht mehr beide in der Sendung sitzen können, werde ich ihm den Vortritt lassen.

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