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Grillmarkt Wer hat den grünsten Grill der Republik?

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Feindbild Tankstellengrill

Mit den Produkten, die vielerorts an warmen Sommertagen in Parks, am Fluss oder am See zurückgelassen werden und die sie schon in der Jugend störten, konkurriert Kunert nun: mit Einweggrills, No-Name-Produkten und Billiggeräten aus dem Einzelhandel. In der Pandemie hat sie das Marketing allerdings geändert, dem Grill eine Balkonhalterung verpasst. So kann der Knister auch coronakonform zu Hause genutzt werden. Wer fährt gerade schon mit dem Drahtesel zur Grillparty? Zu Beginn der Pandemie dachten sich Kunert und ihr Team nämlich: „Mist, jetzt macht unser Produkt gar keinen Sinn mehr.“ Die schnelle Umstellung zahlt sich aus. Eine „fünfstellige Anzahl Grills und Zubehör“ verkauft das Unternehmen nach eigener Aussage im Jahr.



Noch funktioniert der Knister Grill mit Holzkohle. Eine Gas-Variante lässt sich auf der Webseite bereits vorbestellen. Wie umweltfreundlich, Holzkohle sein kann, ist in der Branche höchst umstritten. Und um die Frage, wie viel besser Gas tatsächlich ist, tobt ebenfalls ein Glaubenskrieg. Zwar bleibt beim Gas keine Asche übrig und bei der Holzkohle entstehen während des Grillens Schadstoffe. Allerdings sind Butan und Propan, die in den Gaskartuschen stecken, Nebenprodukte der Erdölproduktion. Dafür besteht Holzkohle häufig aus Tropenholz, das Tausende Kilometer von den deutschen Terrassen entfernt abgebaut wird. Im Zweifel nicht mal legal. „Verwenden Sie einen Gas- oder Elektrogrill“, empfiehlt das Umweltbundesamt. Langfristig will Knister-Gründerin Kunert selbst an nachhaltiger Holzkohle arbeiten. In einem Jahr soll es losgehen.

Matthias Otto tut das schon. Mit seinem Unternehmen Monolith verkauft er nämlich nicht nur hochwertige und hochpreisige Keramikgrills in viele Länder. „Wir bieten auch eine qualitativ hochwertige Holzkohle aus nachhaltiger Waldwirtschaft an“, sagt der Gründer. Nach viel Recherche sei er auf einen deutschen Partner aus der Futtermittelindustrie gestoßen, der die Kohle nun produziert.

Modernste Technik trifft Tradition

Otto kommt aus einer Branche, die ähnlich stark mit ihrem Image als Ressourcenverschwender zu kämpfen hat. In verschiedensten Ländern hat er vor der Gründung von Monolith Kleidung produzieren lassen. Und schon immer stand er begeistert am Grill. Bevor Otto vor 15 Jahren zum ersten Mal von Keramikgrills aus Japan, sogenannten Kamados, hörte, stellte er den heimischen Garten mit den unterschiedlichsten Grills voll und tüftelte an ihnen herum. Nicht unbedingt zur Freude seiner Frau, wie er erzählt. Mittlerweile stehen nur noch zwei seiner eigenen Grills im Garten: ein großer und ein kleiner. Ein Modell hat Otto schon gemeinsam mit Starkoch Tim Mälzer entwickelt. Die Grills verkauft Monolith ausschließlich über den Fachhandel. Und anders als bei Skotti und Knister handelt es sich bei den Monolith-Grills tatsächlich um massive Standgrills für die Terrasse. Mit einem Gewicht von 85 Kilogramm ist der „Monolith Classic“ wirklich nichts für den Rucksack oder das Fahrrad. Viel mehr tritt Gründer Otto, der seit bald zwölf Jahren am Markt ist, damit in Konkurrenz zu US-Unternehmen wie Kamado Joe. Doch auch Branchenprimus Weber bietet einen Keramikgrill an.

Die Grills funktionieren mit Holzkohle - im besten Fall mit der eigenen, etwas klimaschonenderen von Monolith. Den Grillvorgang selbst möchte Otto zusammen mit seinem US-Partner BBQ Guru auf Nachhaltigkeit und Effizienz trimmen: Eine elektronische Steuerung, die sich am Monolith anbringen lässt, kann selbstständig einen integrierten Lüfter regeln: Die Grillmeisterinnen und Grillmeister stellen am Gerät nur eine gewünschte Temperatur ein, der BBQ Guru reguliert die Luftzufuhr und sorgt so für eine konstante Temperatur. Die lässt sich von Hand nämlich nie wirklich halten. Der technische Helfer soll Holzkohle besonders beim sehr langen Grillen und Garen, dem Slow-Cooking, effizienter machen: „Dank der Regulierung der Luftzufuhr können unsere Kunden mit 2,5 Kilogramm Holzkohle bis zu 30 Stunden am Stück grillen, ohne etwas nachlegen zu müssen“, verspricht Otto. So will er die vielen Vorurteile gegenüber Holzkohle aus der Welt schaffen.

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Das probieren nicht nur Grillhersteller. Das Augsburger Start-up Nero etwa produziert nachhaltige Grillkohle, Briketts, Anzünder und auch Bio-Saucen. Und begab ich schon bei der „Höhle der Löwen“ auf Investorensuche. Die Gründer fuhren allerdings ohne Deal nach Hause. Das ist beinahe typisch für Start-ups, die sich an Grills, Kohle oder Zubehör versuchen. Auch das Unternehmen Wilhelm Grill, das von Sachsen-Anhalt aus smarte Grills verkauft, erhielt bei den Investoren eine Absage. Ralf Dümmel würde sich zumindest freuen, wenn wieder „mehr Grill-Start-ups künftig die Löwenhöhle betreten“. Und aktuell „befinden wir uns tatsächlich mitten in den Dreharbeiten für die neue Staffel 'Die Höhle der Löwen' und vielleicht ist ja etwas dabei?“, sagt Dümmel.

Selbst Otto Wilde konnte bei seinem Auftritt bei der „Höhle der Löwen“ keinen der Geldgeber von einem Deal überzeugen. Aber dann kam ja Miele. Und vielleicht inspiriert diese Übernahme auch noch das ein oder andere Traditionsunternehmen, jetzt einen Blick auf den Grillmarkt und die jungen Unternehmen zu werfen.

Mehr zum Thema: Der traditionsreiche Haushaltskonzern Miele übernimmt die Mehrheit an den Düsseldorfer Grillbauern Otto Wilde Grillers. Das Start-up möchte trotzdem „wild“ bleiben. Und das könnte sogar funktionieren. Zumindest vorerst.

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