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Gründen in Afrika Unternehmergeist ist erlernbar

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Entscheidend ist die Proaktivität

„Als ich merkte, das funktioniert, wurde ich irgendwann selbstbewusster“, erinnert sich die heutige Multiunternehmerin. „Da habe ich gemerkt, dass ich eine Verkäuferin sein kann.“

Nach diesem Wirkprinzip versuchen die Trainer, aus den Studenten Unternehmer zu machen. „Die Teilnehmer erfahren, dass auch große Ziele in kleinen Schritten bewältigt werden“, sagt Betreuer Gielnik. Die Teilnehmer beobachten ihre eigenen Handlungen, bringen sich selbst zum Handeln und werden dadurch zu Machern.

Die besten Standorte für Startups
Platz 17: Berlin Quelle: dpa
Platz 10: Moskau Quelle: dpa
Platz 9: Bangalore Quelle: Reuters
Platz 8: Sao Paulo Quelle: Reuters
Platz 7: Singapur
Platz 6: Los Angeles Quelle: AP
Platz 5: Tel Aviv Quelle: Reuters

Zu einem Drittel die Gene

50 bis 55 Prozent der Kursteilnehmer gründeten nach ein bis zwei Jahren tatsächlich ein Unternehmen. In einer Kontrollgruppe mit Studenten, die das Training nicht absolvierten, lag die Quote bei nur 30 Prozent. „Im Durchschnitt haben unsere Teilnehmer doppelt so viele Arbeitsplätze geschaffen wie die Kontrollgruppe“, rechnet Gielnik vor.

Als mindestens so wertvoll wie diese Bilanz betrachten die Psychologen, dass die Teilnehmer dabei das Unternehmerische in sich geweckt und gelernt haben, mit Rückschlägen umzugehen. So beschloss eines der Teams, von seinen 100 Dollar einen Laden für frisch gepressten Fruchtsaft aufzubauen. Die Teilnehmer bekamen ein günstiges Angebot für frisches Obst wie Mangos, Papayas und Ananas. Sie steckten ihr ganzes Kapital auf einmal in den Erwerb der Rohstoffe – nach dem Motto: Je mehr jemand auf einen Schlag investiert, desto schneller kann er möglichst viel verkaufen und einen maximalen Gewinn erzielen.

Aus Rückschlägen gelernt: Studenten in Tansania nach Teilnahme am Gründerkurs. Quelle: Presse

Dabei hatten die forschen Gründer jedoch einen entscheidenden Aspekt des Unternehmerischen vernachlässigt: das Risiko. Plötzlich fiel der Strom aus, das Obst verrottete in der Hitze, bevor sie es pressen und verkaufen konnten. „Das gesamte Kapital war weg“, erinnert sich Gielnik. Die Saftverkäufer gaben nicht auf, sammelten bei Eltern und Verwandten Geld, kauften neues Obst und arbeiteten sich langsam wieder hoch. Am Ende waren sie in der Lage, einen Großteil des Kapitals zurückzahlen. „Die Teilnehmer mussten lernen, ihr bisheriges Handlungsmuster zu durchbrechen und ein anderes zu finden“, sagt Psychologe Frese.

Janet Lynn Tar Gutu hat dieses Prinzip längst verinnerlicht. Als sie ihre Eisdiele eröffnete, suchte sie in Kampala nach einer Eismaschine. „Aber die waren zu teuer“, sagt sie. Sie fand eine viel günstigere im Internet. Nur hatte Janet noch nie online etwas gekauft und auch niemand in ihrem Bekanntenkreis. Jemand Fremden Geld zu überweisen in der Hoffnung, dass die Ware tatsächlich kommt, war ihr zu gefährlich.

In Arbeit
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Sie kontaktierte einen chinesischen Händler, mailte lange mit ihm hin und her und ging das Risiko ein. Der Händler lieferte, Janet eröffnete ihre Eisdiele. Mittlerweile hat sie zwei Angestellte.

Wäre Step in Deutschland ebenso erfolgreich? Deutsche Gründer müssten sich mehr spezialisieren und bräuchten deshalb meist mehr Fachwissen, sagt Frese. „Aber aus psychologischer Sicht braucht es dieselben Fähigkeiten, mit sich selbst und den durch die Umwelt vorgegebenen Umständen umzugehen.“ Entscheidend sei die Proaktivität, sagt Frese, die Fähigkeit, sich selbst Ziele zu setzen und diese aktiv anzusteuern – ein Macher zu sein, also.

„Das Persönlichkeitsmerkmal der Proaktivität ist zu rund einem Drittel durch die Gene beeinflusst“, gibt sich Frese optimistisch, „aber eben nur zu einem Drittel.“

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