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Gründen in Afrika Unternehmergeist ist erlernbar

Unternehmertum ist keine Frage der Gene, sondern der Einstellung und des richtigen Trainings, glauben die Mitarbeiter des Projektes "Step". In Afrika helfen sie jungen Menschen beim Aufbau neuer Start-Ups.

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Neun Schritte zum perfekten Businessplan
Wie an kaum einer anderen Hochschule werden Studenten in Stanford angehalten, Startups zu gründen. Quelle: Fotolia
Erledigte Aufgaben abhakenDieser Trick stammt aus dem Bereich des Zeitmanagements und der Selbstorganisation. Selbst kleine und scheinbar ganz banale Aufgaben können Spaß machen, wenn Sie diese auf einer To-Do-Liste aufschreiben und dann Stück für Stück abhaken. Das geht am besten ganz altmodisch mit Stift und Papier. Bereits der Vorgang des Aufschreibens und dann das Gefühl beim Durchstreichen oder abhaken einer Aufgabe kann Ihre Stimmung enorm steigern. Quelle: Fotolia
4. Beschreibung des Produkts / der DienstleistungWährend die ersten beiden Abschnitte knapp gehalten werden sollten, dürfen jetzt Details folgen. Wenn Sie ein Produkt vertreiben wollen, muss der Businessplan den aktuellen technischen Entwicklungsstand beinhalten sowie Informationen über bestehende Patente oder Lizenzen. Handelt es sich dagegen um eine Dienstleistung, sollten Sie vor allem Alleinstellungsmerkmale betonen. Was macht Ihr Angebot anders als das des Wettbewerbers? Quelle: dpa
5. MarktanalyseKeine Firmengründung ohne Kenntnisse des Markts und der Branche! Dazu lohnt eine genaue Zielgruppendefinition inklusive Einkommen und Zahlungsmoral der möglichen Kunden. Dabei sollten Sie im Blick behalten, ob Sie das Produkt nur regional oder auch bundesweit oder sogar international anbieten wollen. Auch ein Blick auf den Wettbewerber ist wichtig: Wer kann Ihnen Konkurrenz machen und welche Strategien verfolgen andere Unternehmen? Das kann auch dabei helfen, Produkte mit Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln. Quelle: dpa
Laut der Studie wollen 30,3 Prozent der Befragten ihren Job kündigen. 58,7 Prozent davon haben sogar ganz konkrete Pläne, ihren Arbeitgeber in naher Zukunft zu wechseln. Insgesamt hat ein Fünftel der Befragten in den ersten drei Monaten des Jahres das Unternehmen gewechselt, 10,3 Prozent haben aktuell ihren Arbeitsvertrag gekündigt. Die gute Nachricht ist: An den Kollegen, der Abteilung oder den Vorgesetzten liegt es nicht. Mit der menschlichen Komponente sind die deutschen Arbeitnehmer in der Regel sehr zufrieden. Auch fühlen sich drei von vier Befragten ihrem Arbeitgeber verbunden und zwei Drittel sind sogar bereit, sich mehr als nötig für ihr Unternehmen zu engagieren. Quelle: Fotolia
Das Centre of Human Resources Information Systems der Universitäten Bamberg und Frankfurt hat sich zum zehnten Mal mit der Sicht von Jobwechslern auf den aktuellen und den zukünftigen Arbeitgeber befasst. Für die Studie " Bewerbungspraxis 2013" sind mehr als 6.000 Menschen befragt worden, was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht, womit sie in ihrem Job zufrieden oder unzufrieden sind und auf welchem Weg sie nach einem neuen Job suchen. Die Teilnehmer sind im Schnitt 38,7 Jahre alt und haben mehr als zehn Jahre Berufserfahrung. Quelle: Fotolia
Tipp 10: Prioritäten setzenWer sich zu viel vornimmt, ist leicht überfordert. Ein Fünf-Punkte-Plan kann dabei helfen, alles zu schaffen, was Sie im Laufe des Tages erledigen wollen. Die Idee: Schreiben Sie sich abends oder früh am Morgen fünf konkrete Punkte in den Kalender, die Sie erledigen wollen. Sobald Sie eine Aufgabe erledigt haben, können Sie einen Haken auf der To-Do Liste setzen. Das fühlt sich gut an und strukturiert außerdem Ihren Tag.    Quelle: dpa-tmn

Janet Lynn Tar Gutu erinnert sich noch genau, wie sie sich früher fühlte: extrem schüchtern, verunsichert, nicht in der Lage, ein Unternehmen zu führen. So begann sie ihr Studium der Informatik an der Universität in Kampala, der Hauptstadt von Uganda.

Heute, fünf Jahre später, erkennt sich die Afrikanerin kaum noch mehr selbst. Aufrecht steht die dunkelhäutige schlanke Frau, rahmenlose Brille, blauer Blazer, blau-silbernes Armband, hinter dem Pult des gefüllten Hörsaals. Mit fester Stimme erzählt sie den Studenten, was sie vollbracht hat.

Drei Unternehmen hat Janet Lynn Tar Gutu aufgebaut, und das in nur einem halben Jahrzehnt. Mit einem Kommilitonen gründete sie erst eine Hühnerfarm, dann ein Softwareunternehmen. Ganz in der Nähe der Universität verkauft sie in einem eigenen Laden Softeis. Damit sorgt sie inzwischen nicht nur für ihren eigenen Lebensunterhalt, sondern hat auch noch Arbeitsplätze in dem wirtschaftlich schwer angeschlagenen Staat in Ostafrika geschaffen. Aus der schüchternen Informatik-Studentin ist eine Businessfrau geworden.

Drei Unternehmen in fünf Jahren Gründerin: Janet Lynn Tar Gutu aus Uganda. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Die Metamorphose hat die heute 28-Jährige einem Team unter Leitung von Michael Frese zu verdanken, Professor für Psychologie an der Leuphana Universität Lüneburg und der Nationaluniversität Singapur. Die Wissenschaftler sind angetreten zu beweisen, dass Unternehmertum keine Frage der Gene, sondern der Einstellung und des richtigen Trainings ist. Dazu haben sie ein Projekt namens „Student Training for Entrepreneurial Promotion“, kurz Step, aufgelegt.

Finanzielle Unterstützung

Finanziert wird das Step-Projekt vom deutschen Arm der Weltkulturorganisation Unesco, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der BASF Stiftung, die dem gleichnamigen deutschen Chemiekonzern BASF nahesteht. 2008 startete das Projekt in Uganda, mittlerweile bieten Frese und sein Team das Programm auch an Universitäten in Kenia, Tansania, Ruanda und Liberia an. 2014 könnte mit den Philippinen das erste Entwicklungsland außerhalb Afrikas hinzukommen.

„Unternehmerisches Handeln bezieht sich eben nicht nur auf Umsatz und Profitraten, sondern es geht auch darum, etwas aufzubauen und sich so selbst ein gutes Leben gestalten zu können“, sagt Hartmut Unger, Geschäftsführer der BASF Stiftung, die das Projekt in Uganda sowie in Kenia drei Jahre finanziell unterstützt. Danach sollen die Universitäten die Kurse selbstständig weiterführen können.

100 Dollar Startkapital

Step ist eine Mischung aus Büffeln und Business. Die Teilnehmer, in der Regel Studenten aus geistes- oder naturwissenschaftlichen Fächern ohne betriebswirtschaftliche Kenntnisse, erhalten drei Monate lang eine Grundausbildung in Buchhaltung, Marktanalyse und Marketing. Den Lehrstoff hat das Lüneburger Team zusammen mit afrikanischen Experten entwickelt. Die sollen den afrikanischen Studenten auf Augenhöhe beibringen, wie sie eine Nische finden und darin auch mit wenigen Ressourcen ein Geschäft in den Schwellenländern aufbauen können. Und das nicht nur in der Theorie, sondern auch ganz praktisch.

100 Dollar Startkapital bekommen die Studentengruppen zur Verfügung gestellt. Damit können sie während des Trainings ein eigenes Start-up gründen. Doch die Studenten dürfen nur den Gewinn behalten, das Startkapital müssen sie zum Ende des dreimonatigen Trainings wieder zurückzahlen. Zwischen 82 und 95 Prozent des Geldes sei bei den einzelnen Kursen wieder zusammengekommen, sagen die Studienleiter. „Es gibt immer ein paar, die nicht die gesamte Summe zurückzahlen können“, sagt Frese. Doch das seien meist ehrliche Fehler, von denen die gesamte Gruppe lernen könne.

Die Geschäftsideen, an denen sich die Teilnehmer versuchen, sind vielfältig: Die einen basteln und verkaufen Grußkarten, die anderen stellen Säfte aus frischem Obst her. „Wir haben Bücher verkauft, kleine Taschenbücher über Religion“, erzählt Janet Lynn Tar Gutu. Das erste Buch verkaufte sie an ein Mitglied aus Freses Team, Michael Gielnik. Der Juniorprofessor an der Leuphana Universität koordinierte das Projekt vor Ort. Dann ging Janet über den Campus und sprach Studenten an, die ihr prompt auch Bücher abkauften.

Entscheidend ist die Proaktivität

„Als ich merkte, das funktioniert, wurde ich irgendwann selbstbewusster“, erinnert sich die heutige Multiunternehmerin. „Da habe ich gemerkt, dass ich eine Verkäuferin sein kann.“

Nach diesem Wirkprinzip versuchen die Trainer, aus den Studenten Unternehmer zu machen. „Die Teilnehmer erfahren, dass auch große Ziele in kleinen Schritten bewältigt werden“, sagt Betreuer Gielnik. Die Teilnehmer beobachten ihre eigenen Handlungen, bringen sich selbst zum Handeln und werden dadurch zu Machern.

Die besten Standorte für Startups
Platz 17: Berlin Quelle: dpa
Platz 10: Moskau Quelle: dpa
Platz 9: Bangalore Quelle: Reuters
Platz 8: Sao Paulo Quelle: Reuters
Platz 7: Singapur
Platz 6: Los Angeles Quelle: AP
Platz 5: Tel Aviv Quelle: Reuters

Zu einem Drittel die Gene

50 bis 55 Prozent der Kursteilnehmer gründeten nach ein bis zwei Jahren tatsächlich ein Unternehmen. In einer Kontrollgruppe mit Studenten, die das Training nicht absolvierten, lag die Quote bei nur 30 Prozent. „Im Durchschnitt haben unsere Teilnehmer doppelt so viele Arbeitsplätze geschaffen wie die Kontrollgruppe“, rechnet Gielnik vor.

Als mindestens so wertvoll wie diese Bilanz betrachten die Psychologen, dass die Teilnehmer dabei das Unternehmerische in sich geweckt und gelernt haben, mit Rückschlägen umzugehen. So beschloss eines der Teams, von seinen 100 Dollar einen Laden für frisch gepressten Fruchtsaft aufzubauen. Die Teilnehmer bekamen ein günstiges Angebot für frisches Obst wie Mangos, Papayas und Ananas. Sie steckten ihr ganzes Kapital auf einmal in den Erwerb der Rohstoffe – nach dem Motto: Je mehr jemand auf einen Schlag investiert, desto schneller kann er möglichst viel verkaufen und einen maximalen Gewinn erzielen.

Aus Rückschlägen gelernt: Studenten in Tansania nach Teilnahme am Gründerkurs. Quelle: Presse

Dabei hatten die forschen Gründer jedoch einen entscheidenden Aspekt des Unternehmerischen vernachlässigt: das Risiko. Plötzlich fiel der Strom aus, das Obst verrottete in der Hitze, bevor sie es pressen und verkaufen konnten. „Das gesamte Kapital war weg“, erinnert sich Gielnik. Die Saftverkäufer gaben nicht auf, sammelten bei Eltern und Verwandten Geld, kauften neues Obst und arbeiteten sich langsam wieder hoch. Am Ende waren sie in der Lage, einen Großteil des Kapitals zurückzahlen. „Die Teilnehmer mussten lernen, ihr bisheriges Handlungsmuster zu durchbrechen und ein anderes zu finden“, sagt Psychologe Frese.

Janet Lynn Tar Gutu hat dieses Prinzip längst verinnerlicht. Als sie ihre Eisdiele eröffnete, suchte sie in Kampala nach einer Eismaschine. „Aber die waren zu teuer“, sagt sie. Sie fand eine viel günstigere im Internet. Nur hatte Janet noch nie online etwas gekauft und auch niemand in ihrem Bekanntenkreis. Jemand Fremden Geld zu überweisen in der Hoffnung, dass die Ware tatsächlich kommt, war ihr zu gefährlich.

In Arbeit
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Sie kontaktierte einen chinesischen Händler, mailte lange mit ihm hin und her und ging das Risiko ein. Der Händler lieferte, Janet eröffnete ihre Eisdiele. Mittlerweile hat sie zwei Angestellte.

Wäre Step in Deutschland ebenso erfolgreich? Deutsche Gründer müssten sich mehr spezialisieren und bräuchten deshalb meist mehr Fachwissen, sagt Frese. „Aber aus psychologischer Sicht braucht es dieselben Fähigkeiten, mit sich selbst und den durch die Umwelt vorgegebenen Umständen umzugehen.“ Entscheidend sei die Proaktivität, sagt Frese, die Fähigkeit, sich selbst Ziele zu setzen und diese aktiv anzusteuern – ein Macher zu sein, also.

„Das Persönlichkeitsmerkmal der Proaktivität ist zu rund einem Drittel durch die Gene beeinflusst“, gibt sich Frese optimistisch, „aber eben nur zu einem Drittel.“

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