Gründer 25 Millionen Dollar für Berliner Start-up Uberall

Uberall-Gründer David Federhern und Florian Hübner. Quelle: PR

Große Kapitalspritzen werden für deutsche Gründer immer selbstverständlicher. Für den Durchbruch des Kontinents gegen die USA dürfte das aber noch nicht reichen.

2017 hörte für die deutsche Start-up-Szene gut auf. Das neue Jahr fängt noch besser an. 460 Millionen Euro frisches Kapital sammelte vor wenigen Wochen die Gebrauchtwagenvermittlungsplattform Auto1 aus Berlin vom Vision Fonds des japanischen Tech-Konglomerats Softbank ein. Nun hat sich ein weiteres Softwareunternehmen aus Berlin eine substantielle Geldzufuhr gesichert.

Uberall, das Einzelhändlern dabei hilft, Online-und Offline-Marketing besser miteinander zu vereinen, hat in einer neuen Finanzierungsrunde 25 Millionen US-Dollar erhalten. Das erfuhr die WirtschaftsWoche vorab von mit dem Deal vertrauten Personen. Uberall hat inzwischen die Finanzierungsrunde bestätigt. Das Investment hält zwar nicht mit dem von Auto1 mit – es zeigt aber, dass für deutsche Start-ups große Finanzierungsrunden immer selbstverständlicher werden.

Es ist noch gar nicht lange her, da hatte die Tech-Szene hierzulande ein essentielles Problem: Finanzierungsrunde zu stemmen, die nach der ersten Gründungsphase das Wachstum ankurbeln. Dies gilt mit als Grund, warum aus Deutschland nach SAP keine Weltmarktführer im IT-Geschäft mehr entstanden sind. Angesichts des billigen Geldes und der stetig wachsenden europäischen Gründerlandschaft haben Investoren nun Berlin entdeckt und sind spendabel.

Uberall sei eines „der am schnellsten wachsenden“ Unternehmen in Europa, die Software als Service über die Cloud für Unternehmenskunden verkauft, begründet Manfred Krikke, Partner beim Uberall-Neuinvestor HPE Growth Capital, das Investment. HPE ist auf Investitionen in Europa spezialisiert.

Uberall ist - wie schon zuvor Auto1 - außerhalb der Tech-Szene bisher kaum ein Begriff. Es reiht sich damit ein in die Liga von Start-ups wie Relayr, einer Plattform für Anwendungen rund um das Internet der Dinge, die so etwas wie die Hidden Champions der deutschen Tech-Szene sind. Sie bauen Plattformen und verkaufen Software für Geschäftskunden und Industrieanwendungen, halten sich aber aus dem Business mit Verbrauchern raus.

Damit scheint auch der Hype der vergangenen Jahre in Berlin um Start-ups wie den Streaming-Dienst Soundcloud vorbei. Soundcloud inszenierte sich zwar glamourös und hatte namhafte Geldgeber aus dem Silicon Valley, sucht aber bis heute noch nach einem Geschäftsmodell. Die Uberall-Gründer David Federhern und Florian Hübner wollen das Geld nun in die Produktentwicklung – und in die Internationalisierung stecken.

Konkurrenz aus den USA

Yext heißt der große Rivale aus den USA für die Berliner. Das Unternehmen ist bereits börsennotiert und derzeit 1,1 Milliarden US-Dollar wert. Florian Heinemann, der mit seinem Wagnisfonds Project A zu den Erstinvestoren von Uberall zählt, sieht auch für das deutsche Unternehmen Potenzial, mittelfristig auf der Liste der Jungfirmen, die über eine Milliarde Dollar wert sind, zu gelangen. „Dazu gehört immer auch ein bisschen Glück, aber strukturell spricht bei Uberall überhaupt nichts dagegen“, sagt Heinemann. Der Markt in den USA sei noch lange nicht erschlossen, Yext vor allem mit kleinen Shopbetreibern im Geschäft. Insgesamt sei noch viel Platz, damit auch Uberall auf dem größten Werbemarkt der Welt wachsen könne. Asien und Australien stehen für Uberall bei der Expansion ebenfalls auf der Agenda. Zudem gilt es, das Terrain in Deutschland gegen Yext zu verteidigen.

Auto1, der bislang erfolgreichste Durchstarter des Jahres aus Berlin, kommt bereits auf eine Bewertung von 2,9 Milliarden Euro. In Europa ist nur noch der schwedische Streaming-Anbieter Spotify mehr wert. In Zeiten von Fake News und Vertrauenskrise in die großen Tech-Konglomerate aus den USA, setzen derzeit viele in Europa darauf, dass der Kontinent zu einem Gegenzentrum der US-IT-Wirtschaft heranwächst.

Insgesamt 3,5 Milliarden Euro Wagniskapital floss 2017 nach Europa und damit so viel wie noch nie. Tom Wehmeier vom Risikokapitalgeber Atomico sagte vor Kurzem auf einer Tech-Konferenz in München, die Frage sei deshalb nicht mehr, ob Europa globale Champions aufbauen könne, sondern wo. Ganz so euphorisch gibt sich Project A-Mann Heinemann, einer der versiertesten Tech-Vordenker Deutschlands, nicht. „Wir entwickeln uns in Europa sehr gut weiter“, sagt er. Aber relativ gesehen "holen wir gegen die USA noch nicht auf“.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir die Höhe der Kapitalspritze für Uberall in der falschen Währung angegeben. Tatsächlich sind es 25 Millionen US-Dollar.

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