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Gründer Innovation statt Imbissbude

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Bildung ist wichtig

In einer Schule in Leipzig nimmt eine Schülerin mit Migrantionshintergrund am 13.10.2008 am Unterricht im Fach «Deutsch als Zweitsprache» teil Quelle: dpa

Ein Werdegang, der nicht in das Bild passt von den integrationsunwilligen und schlecht ausgebildeten Zuwanderern, das etwa der frühere Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ vermittelt. „Sarrazin liegt ziemlich daneben“, sagt Babadagi-Hardt. Viele Migranten hätten mittlerweile erkannt, wie wichtig Bildung und Integration sind.

So wie Ufuk Topcu aus Herne. Zusammen mit seinem sechsköpfigen Team hat er eine ehemalige Garage zu seinem Büro umgebaut und MyDryclean entwickelt – eine Internet-Plattform, über die sich Reinigungen finden lassen, die verschmutzte Textilien abholen und sauber wiederbringen. Hunderte Privatleute und Unternehmen nutzen das Angebot bereits – MyDryclean erhält bei jedem Auftrag bis zu 20 Prozent des Umsatzes als Provision.

Ufuk Topcu ist eines von fünf Kindern einer Arbeiterfamilie, die Anfang der Siebzigerjahre aus Anatolien nach Deutschland kam und in Herne eine kleine Wohnung bezog, mitten in einem sozialen Brennpunkt. Den Eltern fehlte die Schulbildung, dennoch ermutigten sie ihre Kinder, Abitur zu machen.

Ufuk Topcus Geschwister arbeiten heute als Ärzte, auch er studierte erst Medizin, bevor er sich für Internationales Management entschied. Später arbeitete er als Unternehmensberater, bevor er mit MyDryclean sein eigenes Unternehmen gründete.

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    Schlüssel zum Erfolg

    „Ich habe mir die Disziplin und Sachlichkeit der Deutschen angeeignet“, beschreibt der 35-Jährige sein Erfolgsrezept, „aber auch die Risikofreude erhalten, die in der Türkei verbreitet ist.“

    Diesen Mut könnten sich viele Deutsche abschauen – sie gründen im internationalen Vergleich eher selten Unternehmen, wie der Global Entrepreneurship Monitor belegt. Doch Disziplin und Risikofreude allein genügen nicht auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Wesentlicher Schlüssel zum Erfolg: die deutsche Sprache.

    Das sagt Ibrahim Evsan, einer der bekanntesten Gründer mit türkischem Pass. Auch Evsans Eltern kamen einst aus der Türkei, nach Warendorf, wo Evsan 1975 geboren wird. Zu Hause wird türkisch gesprochen, in der Schule ist er anfangs Außenseiter, hat schlechte Noten. Als er 13 Jahre alt ist, lernt er etwas, das ihm bis heute als Unternehmer hilft: sich zu entscheiden. Er erkennt: „Ich muss Deutsch lernen, dann kann mir keiner mehr was.“

    Evsan schließt die Hauptschule ab, arbeitet erst als Stahlkocher, später als Packer. Er steigt zum Vorarbeiter auf, wird von seinen älteren, deutschen Kollegen ob seines Erfolgs gemobbt. Evsan kündigt und versucht einen Neustart – mit einer Ausbildung zum Werbekaufmann.

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