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Gründer Bei Berlins Startups ist die Party vorbei

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Kein Risikokapital in Berlin

Felix Petersen Quelle: Laif/Gordon Welters

Experten rechnen damit, dass es solche Pleiten oder Notverkäufe in der Berliner Internet-Wirtschaft noch häufiger geben wird. Grund dafür sind nicht nur erfolglose Geschäftsmodelle, sondern auch fehlende Risikokapitalgeber. „Der Großteil der namhaften Risikokapitalunternehmen sitzt in den USA und London – um Berlin machen die aber weiterhin einen großen Bogen“, sagt Finanzierungsspezialist Thümmler.

Wie weit Berlin auf diesem Gebiet trotz aller Erfolge noch immer abgeschlagen ist, belegen Zahlen des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) aus dem vergangenen Jahr. Demnach wurden in Berlin im Jahr 2012 bei 130 Unternehmen insgesamt rund 184,3 Millionen Euro Risikokapital investiert. Im kalifornischen Silicon Valley dagegen haben Venture-Capital-Firmen bei insgesamt 1224 Transaktionen umgerechnet 11,2 Milliarden Euro lockergemacht. Das ist 60-mal so viel.

Die tiefere Ursache für den himmelweiten Abstand sieht Berlin-Kenner Thümmler im weitesten Sinn in der Infrastruktur der Hauptstadt für Risikokapitalgeber, die nicht ansatzweise mit dem Silicon Valley mithalten kann. „Diese Investoren pflegen einen eigenen Lebensstil mit Eliteschulen für ihre Kinder und Luxusimmobilien. Und auch die internationale Anbindung ist wegen der Verzögerung beim neuen Berliner Flughafen eine Katastrophe“, sagt Thümmler. Wenn Berlin es nicht schaffte, diese Klientel anzuziehen, sei der Internet-Hype für die Stadt bald zu Ende.

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Steuern

Zu einem weiteren Problem der Berliner Internet-Wirtschaft könnte die Standortfrage in Kombination mit der Steuerlast werden. „Amerikanische Fonds verknüpfen ein Investment oft damit, dass der Hauptsitz eines Startups in die US-Steueroase Delaware verschoben wird“, sagt Investor Hommels. Das verheiße für die Hauptstadt nichts Gutes. „Damit verschwindet das betreffende Unternehmen aus Berlin – gewissermaßen eine Expatriierung qua Finanzierung.“

Kenner glauben, dass es bei einem Ende des Hypes um den Internet-Standort Berlin aber auch Gewinner geben wird: Startups, die weitgehend im Verborgenen arbeiten und sich auf Unternehmen als Kunden kaprizieren. „Das wären dann vor allem Startups aus Bereichen, die vermeintlich unsexy sind“, prognostiziert Investor Hommels, „zum Beispiel Business to Business oder neue Technologien.“

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