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Gründer-Mütter „Er hat viel Mist fabriziert“

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Counter Strike und Ehrlichkeit

Sie haben Ihren Sohn dann dahingefahren?
Ingrid Krauss: Ja klar. In dieser Zeit fingen auch die Wireless-Lan-Partys an. Damals hieß das noch nicht so, oder?
Daniel Krauss: Lan-Party, also ohne wireless.
Ingrid Krauss: Wir Mütter haben die Gerätschaften dann zu den Freunden gebracht, die alle so im Umkreis von zehn Kilometern gewohnt haben…
Daniel Krauss: Genau: Monitor, Tower…
Ingrid Krauss: Richtige Gerätschaften waren das. Dann haben wir große Bleche voller Pizza gebacken, weil die Jungs dann mit zwölf und 13 die ganze Nacht durchgezockt haben. Und am nächsten Morgen haben wir sie dann wieder zurückgebracht oder abgeholt.
Daniel Krauss: Wenn die Lan-Partys bei uns waren, haben wir im Keller gezockt. Wer auf Toilette musste, musste hoch, wo mein Stiefvater die Firma hatte. Da gab es eine Alarmanlage und manchmal kam nachts die Polizei und hat nach dem Rechten geguckt. Wir haben damals CDs gebrannt und Spiele kopiert. Aber das hat die Polizei gar nicht interessiert.

Wie viele Leute waren Sie?
Daniel Krauss: Immer acht. Das war so die maximale Zahl. Star Craft war unser Favorit. Shooterspiele wie Counter Strike geht natürlich mit deutlich mehr Leuten.

Durfte Ihr Sohn Counter Strike spielen?
Ingrid Krauss: Was die in den Jugendzentren und woanders gemacht haben, das wusste ich nicht.

Haben Sie den Computer auch als Erziehungsmethode eingesetzt?
Ingrid Krauss: Daniel hat öfters Computerverbot bekommen. Er war immer sehr aktiv, manchmal überaktiv. Wir haben wegen der Firma meines damaligen Mannes auf einem Gelände gewohnt, wo viele Baumaterialien gelagert wurden. Das war für Daniel und seine Freunde im Alter bis 13 Jahre ein idealer Abenteuerspielplatz. Aber auch nicht ganz ungefährlich. Es gab bei uns in der Nähe einen Fluss. Die Jungs haben dort Flöße aus Kanistern und Paletten gebaut und sind dann auch mal gekentert. Sie haben viel Mist fabriziert.
Daniel Krauss: Einmal haben wir meine jüngere Schwester mitgenommen. Die konnte noch nicht schwimmen und ist ins Wasser gefallen.
Ingrid Krauss: Danach bin ich sofort zu Ikea und habe Schwimmwesten und ein Kanu gekauft, damit ihr dann gemächlich über den Fluss schippern konntet. Das waren so Dinge, wo es danach Computerverbot gab.

Und wie lange?
Ingrid Krauss: Meist so ein bis zwei Tage.
Daniel Krauss: Das kam mir viel länger vor. Als Kind hat man ein anderes Zeitgefühl. Ohne Computer habe ich mich gelangweilt. Das war eine drakonische Strafe.

Das klingt aber so, als hätten Sie Ihrem Sohn alles ermöglicht, was er machen wollte?
Ingrid Krauss: Ja, sehr viel. Ich habe Grenzen gesetzt, aber sehr weit gesteckte. Ich glaube, er hatte eine ideale Kindheit auf dem Land.
Daniel Krauss: Ich bin für die Erziehung sehr dankbar. Das war sehr wertvoll. Wenn die Erziehung und meine Jugend nicht so gut gewesen wären, wäre ich ja auch nicht zurück in mein altes Dorf gezogen.

Sie sind ernsthaft wieder zurückgezogen?
Daniel Krauss: Ja. Ich hätte sogar sehr gerne mein Kindheitshaus gekauft. Aber der aktuelle Besitzer wollte nicht. Jetzt habe ich am anderen Ende der Stadt ein Haus gebaut.

Frau Krauss, wie würden Sie Ihren Erziehungsstil beschreiben?
Ingrid Krauss: Ich war mit Daniel in den ersten vier Jahren alleine. Bei Geburt habe ich um das Kind kämpfen müssen. Wir haben eine sehr enge und spezielle Beziehung. Ich habe Grenzen gesteckt, aber weite. Ich habe alles getan, ihn zu fördern. Ich habe versucht, das vorzuleben, was ich ihm mitgeben wollte: Ethik und Empathie, Offenheit und Ehrlichkeit. Ich glaube, es ist mir größtenteils gelungen.
Daniel Krauss: Und Du hast keine Erziehungsratgeber gelesen…
Ingrid Krauss: Nein, wenn ich Fragen hatte, habe ich meine Mutter angerufen. Ich habe viel nach Gefühl gemacht. Daniel war anders als viele Kinder. Er war sehr neugierig, in meinen Augen hochintelligent, was später auch bestätigt wurde. Wir haben lange überlegt, ob wir ihn auf entsprechende Begabtenschule schicken sollen, haben uns aber dagegen entschieden, um ihn nicht aus seinem Freundeskreis und dem natürlichen Leben zu nehmen. Ob das richtig war, weiß ich nicht.
Daniel Krauss: Aber selbstverständlich. Da hast Du alles richtig gemacht.

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