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Gründer Bei Berlins Startups ist die Party vorbei

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Verflogene Euphorie

Doch die Euphorie ist verflogen. Gidsy, 2011 von dem Niederländer Edial Dekker gegründet, scheint in den Tiefen des Internets versunken zu sein. Der Online-Reiseführer mit angeschlossenem Internet-Marktplatz für spezielle Dienstleistungen wie Weinproben reüssierte einfach nicht. Dekker und sein zehnköpfiges Team hatten gut eineinhalb Jahre in einem Industrieloft in Kreuzberg vor sich hin gewerkelt, ohne ein funktionierendes Geschäftsmodell zu finden. Vor zehn Monaten schluckte die in Berlin und Zürich ansässige Buchungsplattform GetYourGuide den Emporkömmling.

Nicht viel besser erging es Amen. Das Portal, 2012 von Felix Petersen zum Leben erweckt, sollte Urteile von Kunden über Currybuden in Berlin oder über die neuesten Kinofilme im Web verbreiten. Wie Petersen damit jemals Geld verdienen wollte, blieb sein Geheimnis. Die Nutzer verstanden die Vorzüge von Amen nicht richtig und blieben immer häufiger weg. Amen geriet zusehends in Schlagseite. Ende August schließlich kam es zum Notverkauf an den Berliner Musikvideoanbieter Tape.tv unter Führung von Conrad Fritzsch, einem ehemaligen Werbefilmer, der nun in der ehemaligen australischen Botschaft der DDR residiert.

Aber Tape.tv bewegt sich als Online-Musiksender ebenfalls auf einem Markt, in dem die Geschäfte schwieriger geworden sind. So schluckte bereits Ende 2012 der amerikanische Online-Radio-Betreiber Senzari das Berliner Musik-Startup WahWah.fm. Gründer Philipp Eibach wollte damit einen sozialen Radio-Streaming-Dienst im Web bauen: Nutzer sollten Lieder, die sie gerade hören, für andere freigeben. Doch die Idee scheiterte an Lizenzproblemen, das Unternehmen kam auch nach zweimaligem Umbau und Neustart nicht auf die Beine. Der neue Eigentümer Senzari stellte den vermeintlichen Hoffnungsträger WahWah.fm im vergangenen Jahr ein.

Börsenkandidaten und ihr Geschäftsmodell

Parfum

Selbst vor Pleiten ist die Berliner Internet-Community nicht mehr gefeit, wie Matti Niebelschütz inzwischen weiß. Der studierte Jurist hatte, so schien es, eine unverwüstliche Geschäftsidee: die Online-Parfümerie MyParfum. Weil die Preise der Duftwässerchen in Läden wie Douglas gepfeffert sind, galt das Angebot maßgeschneiderter Duftkreationen für weniger Geld fast als Lizenz zum Gelddrucken. Investoren öffneten bereitwillig ihre Schatullen, die Mitarbeiterzahl vervierfachte sich von 15 auf 60, in der Vorweihnachtszeit flimmerte sogar Werbung über die Fernsehschirme.

Im März 2013 folgte jedoch das jähe Erwachen. Niebelschütz rauschte mit MyParfum in die Pleite, weil sich das Wachstum nicht wie erhofft einstellte und ihm die Kosten entglitten waren. Im Sommer entschied er sich schließlich, sein Unternehmen aus der Insolvenz zurückzukaufen. MyParfum ist heute eine Klitsche mit 10 statt einst 60 Mitarbeitern.

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