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Gründerblog Klassenfahrt ins Gründerwunderland

Philipp Rösler und ein Airbus voller Internet-Gründer sind unterwegs ins Silicon Valley. Die Jungunternehmer versprechen sich von dem viertägigen Kurztrip Kontakte, Ideen und Geld und der Politiker hofft auf Impulse und gute Werbung für die deutsche Startup-Szene.

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Der Politiker Rösler erhofft sich Impulse für die deutsche Startup-Szene. Quelle: dpa

Wer junge Unternehmensgründer einlädt, der muss eigentlich nichts weiter tun, als Kaffee und Bier hinstellen, und schon geht es los: Visitenkarten werden gewechselt, Neuigkeiten ausgetauscht, Ideen vorgestellt, gemeinsame Projekte angebahnt. So auch am Sonntagabend am Militärflughafen in Berlin-Tegel: Vor dem Eingang und in der kleinen Wartehalle bilden sich Trauben von Jungunternehmern. Wer sich noch nicht kennt, lernt sich schnell kennen. Dann noch schnell ein paar Gruppenfotos mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der die Delegation anführt, bevor der A340 der Luftwaffe in den Berliner Abendhimmel startet. Ziel: San Francisco und das Silicon Valley – Heimat von Konzernen wie Apple, Google und Facebook, von ungezählten Startups und von potenten Geldgebern, die aus den Startups am liebsten noch mehr Konzerne machen wollen.

Wo die besten Ideen herkommen
WirtschaftsWoche Chefredakteur Roland Tichy hat seine besten Ideen, "Wenn ich meine Balkonpflanzen (Tomaten, Oliven, Orangen, Lavendel, Birne) bespreche." Quelle:
Claudia Kemfert
Frank Riemensperger, Vorsitzender der Accenture-Ländergruppe Deutschland, Österreich, Schweiz
Michael Kleinemeier, Geschäftsführer SAP Deutschland
Hans Peter Villis, EnBW-Chef
Michael Weinhold, CTO Siemens Energy: „Es gibt keine spezielle Tageszeit für, aber drei typische Situationen. Wenn ich mit Kollegen zusammensitze, spät abends alleine im Büro sitze oder einen Spaziergang mache.“
Michio Kaku

Dass dieser Erfolg auf Deutschland abfärbt wäre ganz im Sinne von Philipp Rösler: Der Politiker will die Reise nutzen, um für die deutsche Startup-Szene zu werben und amerikanische Investoren nach Deutschland zu locken. Sie sollen dazu beitragen die Zahl der IT-Neugründungen in Deutschland bis 2020 verdoppeln und die Menge des Risikokapitals verdreifachen. Das sind große Ziele in einem Land, dessen Gründerintensität im internationalen Vergleich seit Jahren hinterher hinkt, dessen High-Tech-Gründer zuletzt eher weniger wurden als mehr und in dem Wagniskapital eher knapp ist und Geldgeber eher vorsichtig sind.

Für den FDP-Politiker ist der Viertagetrip die logische Fortsetzung einer Strategie, die sich sein Ministerium seit zwei Jahren auf die Fahnen geschrieben hat: Rösler will mehr für Startups tun, vor allem IT-Startups. Das Ministerium hat den High-Tech-Gründerfonds neu aufgelegt und jüngst einen Investitionszuschuss durchgesetzt, der Investoren unter die Arme greift, die mit hohem Risiko in kleine Unternehmen investieren. Rösler war im Februar zum ersten Mal im Silicon Valley, als womöglich erster deutscher Wirtschaftsminister, und jetzt fliegt er schon wieder hin. Immer wieder führt er jetzt Gespräche mit Gründern auf Messen und Gründerkonferenzen; außerdem hat sein Ministerium einen Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ gegründet.

Die besten Standorte für Startups
Platz 17: Berlin Quelle: dpa
Platz 10: Moskau Quelle: dpa
Platz 9: Bangalore Quelle: Reuters
Platz 8: Sao Paulo Quelle: Reuters
Platz 7: Singapur
Platz 6: Los Angeles Quelle: AP
Platz 5: Tel Aviv Quelle: Reuters

Philipp Rösler hat mit dem Gründerthema eine Marktlücke in der deutschen Wirtschaftspolitik entdeckt und fast schon aggressiv besetzt. Und auch wenn beim Besuch im Valley weder Marc Zuckerberg noch Larry Page persönlich für ihn Zeit haben: Schöne Bilder im Kreise junger Gründer wird der Besuch bei Unternehmen wie Facebook und Google sowie an der renommierten Stanford University hergeben.

Riesiges Netzwerk-Event

Erfolgreiche Gründer und ihre Geheimnisse
Renzo Rosso Quelle: REUTERS
Titus Dittmann Quelle: dpa
James Dyson Quelle: dpa
Günther Fielmann Quelle: dpa
Eike Batista Quelle: REUTERS
Erich Sixt Quelle: dapd
Richard Branson Quelle: REUTERS

Für die Gründer geht es um mehr. Mit an Bord des Startupfliegers ist zum Beispiel Stephanie Renda, Gründerin des Mainzer Startups Match2Blue. Das Unternehmen entwickelt Empfehlungssysteme und Apps für Smartphones – „klingt nerdy, ist nerdy“, sagt Renda. Rund 30 Entwickler arbeiten bereits für das junge Unternehmen. Und Match2Blue soll weiter wachsen: Am Dienstag wird Renda vor Risikokapitalgebern aus der Bay Area „pitchen“, also ihre Idee vorstellen. Ein paar Minuten hat sie Zeit, die Investoren zu überzeugen – im Idealfall erhofft sie sich davon mehrere Millionen Dollar Wachstumskapital für ihr Unternehmen.

Andere Gründer versprechen sich von der Reise die ersten Kontakte zum US-amerikanischen Markt. Tom Kirschbaum etwa vom Berliner Startup Waymate, das eine App entwickelt hat, mit der sich Reisen schnell und einfach planen lassen. Oder Jörg Bienert vom Kölner Unternehmen ParStream, dessen Technologie riesige Datenbanken in Sekundenschnelle durchforsten kann. „Wir wollen den amerikanischen Markt erobern“, sagt Bienert zuversichtlich.

Hier studieren die Unternehmer von morgen
Universität Magdeburg Quelle: dpa
Signavio GmbH
Aktienprognose Team.jpg
Platz 7: FU Berlin Seit 2006 sind aus der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, die sich „Profund“ nennt, über 70 Kapitalgesellschaften hervorgegangen. Jährlich führt sie zwischen 150 und 200 Beratungsgespräche und bietet in fünf sogenannten Gründerhäusern auf dem Campus 120 Arbeitsplätze für studentische Start-Ups. Außerdem veranstaltet die FU etwa ihren „Entrepreneurship Summit“, der rund 1.500 Teilnehmer pro Jahr anlockt. Auf den mehrmals jährlichen „Business & Beer“-Abenden können Gründer ihre Konzepte vorstellen und den Vorträgen etablierter Unternehmer oder Experten lauschen. ePortrait soll den Gang zur Fotokabine für Passbilder überflüssig machen. Die im März 2012 gestartete Ausgründung der FU Berlin bietet die Möglichkeit, per Webcam biometrische Passbilder am PC zu machen und sie zu bestellen. Das Unternehmen setzt auch auf Geschäftskunden. So ist das Programm seit Mai in der Website einer Krankenkasse integriert und kann für die Fotos auf elektronischen Gesundheitskarten genutzt werden.
Platz 6: Universität Rostock Mit Wettbewerben will die Universität Rostock den Unternehmergeist ihrer Studenten wecken. 2009 organisierte das Gründerbüro erstmals „Idee sucht Mentor“. Dabei stellen die Teilnehmer bei einer Art Speed-Dating verschiedenen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ihre Geschäftsidee vor. Haben Studenten und Mentoren zusammengefunden, erarbeiten sie ein Geschäftskonzept und messen sich dabei mit anderen Gruppen. In der zweiten Jahreshälfte organisiert das Gründerbüro außerdem den Jungunternehmerpreis der Universität Rostock. Seit 2006 wurden laut Uni dort 130 Firmen gegründet. Berührungslose Messtechnik für die Industrie verkauft die Astech Angewandte Sensortechnik GmbH in Warnemünde. Zum Portofolio der Ausgründung der Uni Rostock gehören Sensoren, um Geschwindigkeit, Länge, Abstand, Position, Breite und Farbe zu bestimmen. Quelle: ZB
Platz 5: RWTH Aachen Im Jahr 2000 hat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen gemeinsam mit der örtlichen IHK und den Sparkassen ihr Gründerzentrum ins Leben gerufen. 2003 folgte der Entrepreneurship-Lehrstuhl „Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler“ (WIN). Die Uni begleitet ihre Jungunternehmer nicht nur während der Gründung, sondern auch in den ersten fünf Jahren danach. Auf Pursenal.de können sich Nutzer ihre eigene Handtasche gestalten. Dabei lassen sich   unter anderem  Größe, Lederfarbe, Fadenfarbe, Futter, Innenausstattung, Verschluss und Riemenlänge variieren. Quelle: dpa
Platz 4: Universität Lüneburg Auch die Leuphana Universität Lüneburg setzt auf Beratung, Gründungslehre, Wettbewerbe und Netzwerke. Zusätzlich bietet sie jedem Gründer ein sogenanntes Starter-Set an, genauer gesagt einen 50-Euro-Gutschein, der unter anderem für kostenpflichtige Gründungsveranstaltungen gilt.  Mit der Ticcats GmbH hat der ehemalige Leuphana-Student 2010 Deutschlands erstes Online-Preisvergleichs-Portal für Live-Unterhaltungs-Tickets gegründet.

Auch von der Startupkultur im Valley wollen sich die Gründungsreisenden inspirieren lassen: Andreas Richter vom Unternehmen Plista will sich ein Bild davon machen, wie auf dem Campus von Facebook die kreativen Spielecken gestaltet sind. Und Markus Müschenich, Gründer der „Startup-Manufaktur Flying Health“, will mehr darüber erfahren, welche Gesundheitsangebote bei Google erdacht werden. Und natürlich wollen alle Kontakte sammeln, „den Spirit im Silicon Valley spüren“ (Renda) und „diesen Spirit nach Deutschland holen“ (Bienert).

Gründer



Und selbst wenn das nicht klappen sollte – ein riesiger Netzwerkevent ist die Reise auf jeden Fall. Kaum hat der Flieger in Berlin abgehoben stehen die Gründer im Gang und reden weiter. Und in San Francisco angekommen, nach zwölf Stunden Flug, gibt es erstmal „Whiskey and Cigars“ auf einer Dachterrasse mit Blick auf die leuchtende Stadt. Hier oben warten schon weitere 45 Startup-Unternehmer aus Deutschland, die kurzerhand mit einem Linienflug angereist sind – weil der Regierungsflieger voll war.

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