Gründergen Wie wird mein Kind zum Unternehmer?

Der Drang zum Unternehmertum ist zwar erblich, doch die Erziehung spielt eine größere Rolle. Quelle: imago images

Unternehmergeist ist erblich, zeigen Studien. Doch viel wichtiger als ein Gründergen ist die Vorbildfunktion der Eltern. Wie sie die Lust auf die Selbstständigkeit fördern – und warum Matheaufgaben so wichtig sind.

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Obwohl Sebastian Kuch wie die allermeisten Kinder Senf früher nicht ausstehen konnte, legte die scharfe, gelbe Paste den Grundstein für seine unternehmerische Karriere. Seine Mutter leitet mit ihrem Mann die 1865 gegründete Senf- und Gewürzmanufaktur Mari in Egling an der Paar. Hier, mitten in Oberbayern, rühren sie den Senf noch mit der Hand.

Auch Sebastian Kuch wollte die Dinge schon immer selbst in der Hand haben, wie er sagt. „Tatsächlich wollte ich schon als Kind Unternehmer werden“, sagt der 25-Jährige. Auch weil ihn die Erziehung seiner Eltern so prägte: „Ich musste schon früh lernen, mich selbst zu beschäftigen – und das hat mich nie gestört. Meine Eltern waren nun mal so gut wie nie um 15 Uhr zu Hause, sie waren auch am Wochenende unterwegs.“ Kuch beobachtete seine Eltern genau, „sie trugen auf ganz eigene Art große Verantwortung und mussten hart arbeiten für ihr Geld“, erinnert er sich. „Sie hatten immer alles selbst in der Hand – das hat mich auch gereizt.“

Und so probierte Kuch sich in der Jungend schon früh als Unternehmer aus: Innerhalb der Produktionshalle baute er eine Zeit lang sein eigenes Fotostudio auf, machte im Alter von 16 Jahren Bilder von Mitarbeitern der Unternehmen in der Region. Nach einem Intermezzo als Angestellter fasste er einen Entschluss: Statt sein duales Studium bei einem großen Chemiekonzern zu beenden, gründete er ein Unternehmen. „Der Großkonzern funktionierte auch ohne mich, ich konnte meinen eigenen Einfluss nicht feststellen, fühlte mich entbehrlich“, sagt er. Mit seinem Start-up Matecrate berät Kuch heute Unternehmen, die ins lukrative E-Sport-Geschäft einsteigen wollen und veranstaltet selbst große Turniere.

Sebastian Kuch ist als Unternehmerkind unter Gründern eher die Regel als die Ausnahme: Auffällig viele Kinder von Unternehmern gehen den eigenen Weg. Das belegt auch eine Studie von Forschern aus Stockholm und Amsterdam. Sie widmeten sich der Frage „Warum haben Unternehmereltern Unternehmerkinder?“.

Ihre Antwort: Es liegt zum Teil in den Genen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder von Unternehmern auch selbst Unternehmer werden, ist der Studie nach um 60 Prozent erhöht. Doch viel wichtiger, als bloß in eine Gründerfamilie hineingeboren zu werden, ist die Sozialisation und die Erziehung der Kinder. „Nachgeburtliche Faktoren machen doppelt so viel aus wie vorgeburtliche Faktoren“, heißt es in der wissenschaftlichen Untersuchung. Kurzum: Die Erziehung macht's. Eltern können beeinflussen, ob ihre Kinder den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

In Zeiten, in denen Start-ups Jahr für Jahr Rekordsummen einsammeln, dürfte das für nicht wenige Eltern durchaus erstrebenswert kling. Dabei berichten die meisten Gründer davon, dass ihre Eltern sie nie in die unternehmerische Richtung gedrängt hätten. Kein „Hey, das wäre doch etwas für dich!“ oder „Probiere es doch einfach mal!“. In manchen Unternehmerfamilien wurde daheim sogar ganz bewusst nicht über die Firma des Vaters oder der Mutter gesprochen. Bei Sebastian Kuch schon: Er verbrachte als Kind viel Zeit in der Senf-Manufaktur, kümmerte sich als Jugendlicher um den Onlineauftritt der Manufaktur, baute ein Facebook-Profil auf.

Lektion 1: Mathe pauken

Es sind allerdings auch die ganz praktischen Dinge, die die unternehmerische Früherziehung ausmachen: Maximilian Lautenschläger erinnert sich bis heute an die Waldspaziergänge mit seinem Vater. Hier habe Manfred Lautenschläger bei seinen fünf Kindern die Begeisterung für Zahlen geweckt, die Kinder lernten mit dem Vater Kopfrechnen. „Da ist er bis heute noch der Beste drin, keiner macht ihm etwas vor“, sagt Maximilian Lautenschläger. Und das mit 83 Jahren.

Maximilian Lautenschläger beschäftigt sich passenderweise noch immer ausgiebig mit Zahlen: Er studierte erst BWL, arbeitete in der Beratung. Mit Mitte 20 interessierte er sich sehr für Risikokapital, Hedgefonds, Private Equity und später für Kryptowährungen. Aus dem Interesse erwuchs sein Unternehmen: Kunden bei Lautenschlägers Start-up Iconic Holding können in Fonds auf Basis von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum investieren – oder einen eigenen Token des Start-ups kaufen.

Auch andere Gründer berichten davon, dass ihre Eltern ihnen Rechenaufgaben stellten, mit ihnen Prozentrechnung paukten. Für Unternehmer sind das ganz wesentliche Kenntnisse. Sei es, um einen Business-Plan zu schreiben, den Preis für die eigenen Produkte festzulegen oder mit Investoren um Anteile zu verhandeln.

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