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Gründertagebuch Harte Prüfung

Im zweiten Teil ihres Tagebuchs erklärt Gründerin Andrea Pfundmeier, wie sie Konzerne als Kunden gewinnen will.

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Kick-off: Am neuen Kickertisch bespricht das Team von Secomba die Pläne fürs neue Jahr: Umsatz verdoppeln, erstmals Gewinne erzielen und große Unternehmen als Kunden gewinnen. Quelle: Presse

Andrea Pfundmeier und Robert Freudenreich haben getan, was sich viele Gründer nicht trauen: Sie haben Urlaub gemacht – obwohl sie und ihr 14-köpfiges Team gut zu tun haben. Ihr Augsburger Startup Secomba hat 2013 den Umsatz verdoppelt. Ihr Produkt namens Boxcryptor wird weltweit von mehr als einer Million Menschen genutzt. Mit der Software lassen sich Daten verschlüsseln und via Internet auf Festplatten von Anbietern wie Dropbox in der sogenannten Cloud speichern. Im November 2013 kürte die Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs das Gründerduo zum Sieger. Seitdem berichtet Pfundmeier regelmäßig, welche Herausforderungen das Startup meistern muss.

Was bisher geschah

Nach dem Studium entwickeln die Gründer die Verschlüsselungssoftware BoxCryptor, die sich schneller verbreitet als gedacht. Anfang 2012 lehnen sie eine Übernahmeofferte eines US-Unternehmens ab. Ausgerechnet als sie Mitte 2013 eine neue Version ihrer Software herausbringen, tritt Edward Snowden die NSA-Spähaffäre los. Secomba verzeichnet Tausende Downloads und erzielt im September erstmals positiven Cash-Flow. 

11. November

Sieben Uhr früh: Ich sitze im Flieger nach Bonn. Dort findet der Cyber Security Summit statt, bei dem Top-Manager und Politiker über digitale Wirtschaftsspionage und Cybersicherheit diskutieren. Dass wir als Startup dabei sind, ist eine Ehre. Ich falle auf wie ein bunter Hund: unter 30 und weiblich.  Davon gibt es hier nicht viele. 

18. November

Schon wieder im Flieger, diesmal nach Hamburg. Dort präsentiere ich im Finale des Darboven IDEE Förderpreises, der an besonders innovative Unternehmerinnen vergeben wird. Wir sind uns einig: Es gibt noch viel zu wenig Gründerinnen. Am zweiten Tag ist die Preisverleihung - ich lande auf dem zweiten Platz, der mit 10 000 Euro dotiert ist! Der Erfolg aber gehört natürlich dem Team: Es hat die Preisverleihung per Livestream verfolgt und hofft, dass der Gewinn in eine Weihnachtsfeier investiert wird. Versprochen! 

22. November

Heute startet in Berlin das Accelerator Program, das von der Entrepreneurs Organization ausgerichtet wird, einem Partner des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs. Vier Mal werden wir uns mit anderen Gründern austauschen und von Unternehmern lernen - schon das erste Treffen ist sehr inspirierend und motivierend. 

26. November

Heute treffen wir uns mit zwei Studenten der Uni Augsburg zum Mittagessen.  Wir sind dieses Jahr Paten beim "5-Euro-Business", einem Wettbewerb für Studenten. Mit einem Startkapital von fünf Euro entwickeln sie im Team Geschäftsideen. Wir haben selbst direkt nach dem Studium gegründet, hatten anfangs ein Büro an der Uni und haben das EXIST-Gründerstipendium erhalten.  Deswegen können wir die Situation der beiden Studenten gut nachvollziehen: Sie bauen ein Startup namens Floto auf, das kreative Puzzles an regionale Partner vertreiben soll. Wir stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. 

3. Dezember

Wie jeden Monat treffen wir uns mit unseren Investoren. Das bedeutet: Zahlen auswerten, Erfolge und Misserfolge zusammenfassen, die Strategie in eine Präsentation gießen. Wichtiger Punkt heute: Die neue Mac-OS-X-Version von BoxCryptor muss endlich fertig werden - unsere Nutzer mit Apple-Computern warten! 

4. Dezember

Das Team arbeitet intensiv am letzten Schliff der Software: Es wird entwickelt, getestet, letzte Schwachstellen werden repariert. Auch die Vermarktung ist vorbereitet: Texte für die Web-Seite, für den Blog und unsere Social-Media-Kanäle. Am Nachmittag haben wir alle Puzzleteile zusammen - morgen soll der große Tag sein! 

Jetzt auch für den Mac

Erfolgreiche Gründer und ihre Geheimnisse
Renzo Rosso Quelle: REUTERS
Titus Dittmann Quelle: dpa
James Dyson Quelle: dpa
Günther Fielmann Quelle: dpa
Eike Batista Quelle: REUTERS
Erich Sixt Quelle: dapd
Richard Branson Quelle: REUTERS

5. Dezember

Punkt 13 Uhr ist es endlich so weit: Die neue Version ist online, die Web-Seite wurde aktualisiert, und wir haben unsere Pressekontakte angeschrieben.  Wir lassen die Korken knallen - Prost! 

14. Dezember 2013

Ich bin in Sachen Unternehmertum unterwegs. Dieses Mal geht es in die Schweiz, zum Lilienberg Unternehmerforum. Dort findet ein Planspielwettbewerb der Prime Cup Academy statt. Ich gebe Feedback zu Präsentationen und Finanzplänen. Auch wenn es Zeit kostet, mache ich das gerne, weil Robert und mir selbst erst durch ein solches Planspiel bewusst wurde, wie gerne wir gründen würden.

16. Dezember 2013

Ich stehe vor einem Telefonmarathon: Fast 50 Namen habe ich auf meiner Liste. Es sind Unternehmen, die unsere Software schon mal getestet, aber auf die passende Version für den Mac gewartet haben. Die haben wir Anfang Dezember endlich veröffentlicht. Solche Vertriebsanrufe sind zwar nicht gerade meine Lieblingstätigkeit, aber ungern mache ich sie auch nicht. Trotzdem setze ich mich abends mit Robert zusammen, und wir überlegen, ob wir weitere Vertriebler einstellen.

19. Dezember 2013

Der letzte Arbeitstag des Jahres! Wir laden das Team auf den Augsburger Christkindlesmarkt ein. Was für ein Jahr liegt hinter uns: Auch wenn es am Ende aufgrund der hohen Investitionen noch nicht für eine schwarze Null gereicht hat, lief es wirtschaftlich rund. Wir haben den Umsatz mehr als verdoppelt, die Zahl der Downloads unserer Software hat sich auf über eine Million verdreifacht. Das wird gefeiert: Nach dem Essen gehen wir tanzen.

07. Januar 2014

Nach zwei erholsamen Wochen Betriebsurlaub schließen wir unser Büro wieder auf. Eins ist klar: 2014 soll unser Jahr werden. Wir wollen das Team erweitern, den Umsatz erneut mehr als verdoppeln, die Verlustzone verlassen und die Marke Boxcryptor vor allem in den USA stärker etablieren. In unserem ersten Investorentreffen in diesem Jahr diskutieren wir über die Finanzplanung und neue Produkte. Wir haben einige Ideen in der Pipeline. Jetzt heißt es „Ärmel hochkrempeln“ und los geht’s!

Gründer



17. Januar 2014

Heute ist Robert unterwegs. Er nimmt an einem Workshop bei einer vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) anerkannten Prüfstelle teil. Das klingt erst mal technokratisch, ist aber wichtig. Denn Großunternehmen und Behörden kaufen grundsätzlich nur Software, die das BSI zertifiziert hat – das merken wir immer wieder, wenn wir mit Vertretern von Konzernen sprechen. Der Workshop ist nur der Auftakt zu einem monatelangen Prüfprozess, der uns am Ende vermutlich einen fünfstelligen Betrag kosten wird.

21. Januar 2014

Robert und ich stehen strahlend im Büro: Unser Kickertisch wird geliefert. Jetzt sind wir endlich ein richtiges Startup!

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