WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Hackerangriff Millionen Sony-Kunden fürchten um ihre Kontodaten

Schock für die Nutzer der Playstation: Hacker haben das Netzwerk der Spielekonsole ausgespäht. Und dabei geht es nicht nur um Adressen und Passwörter. Sony droht ein enormer Imageschaden - und ein Milliardenverlust.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Ein Messestand von Sony auf der Games Convention: Nach Schätzungen von Experten könnte der Hackerangriff Sony mehrere Milliarden Dollar kosten. Quelle: handelsblatt.com

Es ist einer der größten Hacker-Angriffe der Geschichte: Persönliche Daten von etwa 77 Millionen Nutzern der Sony-Spielekonsole PlayStation sind nach Angaben des japanischen Konzerns gestohlen worden. Es geht um Adressen, Passwörter und möglicherweise auch Kreditkarten-Nummern, warnte Sony die Nutzer des Playstation Network und des Video- und Musikservices Qriocity.

Viele Kunden äußerten ihre Wut im Internet. Kritisiert wurde unter anderem, dass die Aktion nicht sofort publik gemacht wurde. Laut Sony fand der Angriff auf die Systeme zwischen dem 17. und 19. April statt. Am 19. April sei es bemerkt und das System sofort heruntergefahren worden. Bis zum 26. April blieb der Vorfall allerdings intern. Pikant dabei: Wenige Stunden vorher hatte Sony - immer noch eine der Branchengrößen, aber gegenüber Apple, Samsung und Google tendenziell auf dem absteigenden Ast - noch den neuen Tablet-Computer in Japan vorgestellt. Ein Firmensprecher sagte, es habe „einige Tage forensischer Untersuchungen“ gebraucht, um Klarheit zu haben. Mittlerweile sei auch eine externe Sicherheitsfirma angeheuert worden.

Der japanische Elektronik-Riese hatte nach dem Hacker-Angriff vor einer Woche einfach den Stecker gezogen und die Dienste komplett abgeschaltet.

Eine unbekannte Person habe sich Zugang zu persönlichen Daten wie Name, Adresse, E-Mail oder Geburtsdatum verschafft, schrieb Sony in Firmenblogs weltweit und informierte die Betroffenen. Auch Logins und Passwörter seien nach derzeitigem Kenntnisstand ausgespäht worden, möglicherweise auch die Liste der Käufe.

"Obwohl es derzeit keine Anzeichen dafür gibt, dass auf Kreditkarten-Informationen widerrechtlich zugegriffen wurde, können wir diese Möglichkeit nicht gänzlich außer Betracht lassen", warnte Sony. Die Kunden sollten nun besonders wachsam sein, um keinem Betrug aufzusitzen, und ihr Konto kontrollieren (die Mitteilung im Wortlaut ).

Das Unternehmen habe nun eine Sicherheitsfirma mit der Untersuchung des Vorfalls beauftragt, teilte Sony weiter mit. Es seien auch Schritte eingeleitet worden, das System zu erneuern, um einen besseren Schutz persönlicher Daten zu ermöglichen.

Nach Schätzungen von Experten könnte der Hackerangriff Sony mehrere Milliarden Dollar kosten. Im späten Handel notierte die Sony-Aktie an der Börse Tokio 0,2 im Minus bei 2411 Yen, während der Markt ein Prozent im Plus lag.

Das Playstation Network und der Qriocity-Service haben in 59 Ländern mehr als 77 Millionen Kunden, viele davon in Deutschland. Über das Netzwerk können Nutzer miteinander Spielen, Chatten und Filme ansehen. Immer mehr Spiele für die Konsole Playstation 3 und auch die mobile Playstation Portable haben inzwischen Online-Komponenten. Unter dem Namen Qriocity vertreibt der Konzern Musik und Videos.

Für Sony ist der Hacker-Angriff eine Schmach. Obwohl der Hardware- und Software-Umsatz mit Video-Spielen zuletzt weltweit zurückgegangen ist, bleibt die PlayStation ein wichtiger Gewinnbringer und eines der prestigeträchtigsten Produkte von Sony. Die Video-Spiele sollen auch genutzt werden, um Kunden für den ersten Tablet-Computer des Konzerns zu begeistern. Mit dem Verkauf des neuen Produkts soll noch im Jahresverlauf begonnen werden.

Die Hacker waren vom 17. bis zum 19. April in die Kundendatenbanken eingedrungen. Wann die Dienste wieder eingeschaltet werden könnten, ließ Sony offen. In US-Medien hieß es, bis dahin könnte noch eine Woche vergehen.

Details zum Angriff sind noch unklar. Experten vermuten, dass die Hacker in das Netzwerk gelangen konnten, in dem sie den PC des Administrators übernahmen, der wiederum Zugang zu den Kunden-Daten hatte. Dies dürfte, so die Mutmaßungen, über eine E-Mail an den Administrator geschehen sein, die eine tückische Software enthielt und auf den PC des Empfängers geladen wurde.

Wer hinter der folgenschweren Attacke stand, blieb zunächst unklar. Eine Vermutung ist, dass der Angriff ein Racheakt aus der Szene gewesen sein könnte, nachdem Sony einen Playstation-Hacker verklagte. Der junge Mann, der schon Apples iPhone gehackt hatte, knackte den Schutzmechanismus der Konsole, so dass auf ihr kopierte und selbst gemachte Spiele laufen konnten. Die Anleitung dazu veröffentlichte er im Internet.

Nach der Klage einigten sich der Konzern und der Hacker außergerichtlich. Er musste versprechen, die Knack-Software nicht mehr zu vertreiben und schrieb daraufhin in einem Blog, er schließe sich einem Boykott von Sony-Produkten an. Sonys High-Tech-Konsole galt als besonders gut geschützt.

Versicherer warnen seit geraumer Zeit davor, dass solche Hacker-Angriffe zu einer zunehmenden Bedrohung für Firmen werden. Besonders hohe Schäden sind bei IT-Ausfällen an der Börse, bei Telekom- und Mobilfunkunternehmen, im Flug- und Bahnverkehr, bei Banken und auch bei Auto-Herstellern denkbar. Der Versicherungsmarkt ist aber noch klein, vor allem in den USA werden Policen nachgefragt. Das liegt an den dort hohen Schadenersatzklagen. Pro gestohlenem Datensatz werden oft200 Dollar angesetzt. So gehen die Summen schnell in die Millionen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%