Hochschulen Stifterverband testet Gründeraktivität der Unis

Viele neue Unternehmen entstehen an Hochschulen. Der Stifterverband will mit einem "Gründungsradar" prüfen, wie die Hochschulen diese Aktivitäten unterstützen.

Viele Unternehmen, wie das 1984 an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf gegründete Biotechnologieunternehmen, haben ihren Ursprung in Hochschulen Quelle: dpa

Viele neue Unternehmen haben ihren Ursprung in einer Hochschule. Studenten und Wissenschaftler entwickeln dort aus Forschungserkenntnissen Ideen oder bereits fertige Produkte und bringen sie mit einer eigenen Firma selbst auf den Markt. Um diese Ausgründungen anzuregen und zu unterstützen, haben sich an vielen Hochschulen unterschiedliche Organisationsstrukturen und und Beratungsleistungen herausgebildet. Wie diese funktionieren soll der "Gründungsradar" des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft zeigen. Die Erhebungsphase startet jetzt mit einer Umfrage an den Hochschulen.

Mit dem neuen Gründungsradar will der Stifterverband in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie einen umfassenden Überblick über die sehr unterschiedlichen Strukturen und Gründer-Aktivitäten der Hochschulen geben. Ziel ist es, die unterschiedlichen Strategien und Erfolgsfaktoren in der Gründungsförderung umfassend und vergleichend darzustellen. Dabei will der Stifterverband Beispiele guter Praxis als Grundlage für eine Weiterentwicklung der Aktivitäten identifizieren. Im Endeffekt werden daraus Empfehlungen an die Politik für zukünftige Förderimpulse entwickelt.

Hier studieren die Unternehmer von morgen
Universität Magdeburg Quelle: dpa
Signavio GmbH
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Platz 7: FU Berlin Seit 2006 sind aus der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, die sich „Profund“ nennt, über 70 Kapitalgesellschaften hervorgegangen. Jährlich führt sie zwischen 150 und 200 Beratungsgespräche und bietet in fünf sogenannten Gründerhäusern auf dem Campus 120 Arbeitsplätze für studentische Start-Ups. Außerdem veranstaltet die FU etwa ihren „Entrepreneurship Summit“, der rund 1.500 Teilnehmer pro Jahr anlockt. Auf den mehrmals jährlichen „Business & Beer“-Abenden können Gründer ihre Konzepte vorstellen und den Vorträgen etablierter Unternehmer oder Experten lauschen. ePortrait soll den Gang zur Fotokabine für Passbilder überflüssig machen. Die im März 2012 gestartete Ausgründung der FU Berlin bietet die Möglichkeit, per Webcam biometrische Passbilder am PC zu machen und sie zu bestellen. Das Unternehmen setzt auch auf Geschäftskunden. So ist das Programm seit Mai in der Website einer Krankenkasse integriert und kann für die Fotos auf elektronischen Gesundheitskarten genutzt werden.
Platz 6: Universität Rostock Mit Wettbewerben will die Universität Rostock den Unternehmergeist ihrer Studenten wecken. 2009 organisierte das Gründerbüro erstmals „Idee sucht Mentor“. Dabei stellen die Teilnehmer bei einer Art Speed-Dating verschiedenen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ihre Geschäftsidee vor. Haben Studenten und Mentoren zusammengefunden, erarbeiten sie ein Geschäftskonzept und messen sich dabei mit anderen Gruppen. In der zweiten Jahreshälfte organisiert das Gründerbüro außerdem den Jungunternehmerpreis der Universität Rostock. Seit 2006 wurden laut Uni dort 130 Firmen gegründet. Berührungslose Messtechnik für die Industrie verkauft die Astech Angewandte Sensortechnik GmbH in Warnemünde. Zum Portofolio der Ausgründung der Uni Rostock gehören Sensoren, um Geschwindigkeit, Länge, Abstand, Position, Breite und Farbe zu bestimmen. Quelle: ZB
Platz 5: RWTH Aachen Im Jahr 2000 hat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen gemeinsam mit der örtlichen IHK und den Sparkassen ihr Gründerzentrum ins Leben gerufen. 2003 folgte der Entrepreneurship-Lehrstuhl „Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler“ (WIN). Die Uni begleitet ihre Jungunternehmer nicht nur während der Gründung, sondern auch in den ersten fünf Jahren danach. Auf Pursenal.de können sich Nutzer ihre eigene Handtasche gestalten. Dabei lassen sich   unter anderem  Größe, Lederfarbe, Fadenfarbe, Futter, Innenausstattung, Verschluss und Riemenlänge variieren. Quelle: dpa
Platz 4: Universität Lüneburg Auch die Leuphana Universität Lüneburg setzt auf Beratung, Gründungslehre, Wettbewerbe und Netzwerke. Zusätzlich bietet sie jedem Gründer ein sogenanntes Starter-Set an, genauer gesagt einen 50-Euro-Gutschein, der unter anderem für kostenpflichtige Gründungsveranstaltungen gilt.  Mit der Ticcats GmbH hat der ehemalige Leuphana-Student 2010 Deutschlands erstes Online-Preisvergleichs-Portal für Live-Unterhaltungs-Tickets gegründet.
Platz 3: Bergische Universität Wuppertal Seit 1998 fördert die Bergische Universität Wuppertal unternehmerisch engagierte Studenten mit ihrem Gründerzentrum bizeps. Zwei Mitarbeiter stehen für Beratungsgespräche bereit, die Uni bietet Labors und Werkstätten für den Bau von Prototypen und Büros für die geschäftliche Arbeit. Hinzu kommen praxisorientierte Workshops, wie "Wenn aus Freunden Geschäftspartner werden - Typische Probleme" oder "Welche Versicherung braucht ein Gründer wirklich?“. Sie alle machen Lärm: Autos, Lüftungsschächte, Kompressoren und Pumpen. Um diesen Lärm einzudämmen, hat die 2007 an der Uni Wuppertal gegründete WaveScape GmbH eine Technik entwickelt, die Lärm erkennt und mit künstlichem Gegenschall überlagert. Dabei dämpfen sich Schall und Gegenschall gleichzeitig. Mittlerweile hat das Unternehmen sieben Mitarbeiter   Quelle: dpa
Aeroix GmbH Quelle: Dahl_TUB Gründungsservice
Roadster

Themenblöcke des Gründungsradar

Der Gründungsradar wird erstmals im Sommer 2013 erscheinen und sich mit vier großen Themenblöcken befassen:

1.    der Gründungssensibilisierung: Wir werben Hochschulen bei Studierenden, Promovierenden und wissenschaftlichem Personal für den Gründungsgedanken,

2.    der Gründungsunterstützung in Form von Beratungs- und Unterstützungsangeboten der Hochschule für Gründer,

3.    der Gründungsverankerung, also der Art und Weise, wie das Thema in den Institutionen der Hochschule etabliert ist,

4.    den Gründungsaktivitäten von Mitgliedern der Hochschule.

In Arbeit
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Die Informationen, die in den Gründungsradar einfließen, kommen aus unterschiedlichen Quellen.

Eine davon wird eine spezielle Befragung sein, die der Stifterverband jetzt beginnt. „Gründungsförderung an Hochschulen“ ist zudem ein Schwerpunkt im Hochschulbarometer, einer jährlich vom Stifterverband durchgeführten Befragung der Hochschulleitungen zur Einschätzung der aktuellen Lage, drängenden Herausforderungen und geplanten Entwicklungen im Hochschulbereich. Schließlich werden für den Gründungsradar zusätzlich Daten in eigener Recherche und über Experteninterviews gesammelt.

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