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Inkubatoren als PR-Show Warum Konzerne als Gründungshelfer oft scheitern

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Früher Zugriff auf Ideen

Weit mehr als 700 Gründer hat Y Combinator in der vergangenen Dekade unterstützt und sie teilweise zu weltberühmten Unternehmen gemacht, darunter die Zimmervermittlung AirBnB und der Internet-Speicherdienst Dropbox. Laut Y-Combinator-Chef Sam Altman lag der Wert aller Beteiligungen im Juli 2014 bei mehr als 30 Milliarden Dollar, die Firmen im Inkubator haben insgesamt drei Milliarden Dollar Risikokapital eingesammelt. Eine vergleichbare Start-up-Schmiede in Deutschland haben nur die Samwer-Brüder mit Rocket Internet in Berlin hochgezogen.

Die Konzerne hierzulande dagegen gehen nur auf den ersten Blick ähnlich vor, wenn sie Start-ups unterstützen. Zwar stellen auch sie erfahrene Betreuungsteams, die Infrastruktur samt Büros und IT-Ausstattung sowie eine Anschubfinanzierung bereit und erhalten dafür eine Beteiligung an den Start-ups.

Deutsche Inkubatoren für Startups

Allerdings verbinden sie damit andere Ziele als unabhängige Inkubatoren wie Y Combinator oder die Samwers. Denn Konzerne wollen mithilfe der Brutkästen in erster Linie frühzeitig Zugriff auf neue Ideen erhalten und so an Innovationen gelangen, ohne diese mühsam intern entwickeln oder später teuer einkaufen zu müssen.

Dafür eignen sich Inkubatoren aber allenfalls begrenzt. Denn die großen Vorbilder wie Y Combinator arbeiteten nach dem Prinzip „Spray & Pray“, sagt Thümmler. Anders formuliert: Sie verteilen Geld per Gießkannen an eine Vielzahl von Gründern. Zwar kämen die meisten davon überhaupt nie hoch. Es reiche aber ein „einziges Einhorn“, um die „Performance des gesamten Portfolios herauszureißen“.

Geld verteilen und Beten helfen aber nichts, wenn nur einige wenige Start-ups die Jagdgründe bei der Suche nach dem Einhorn bilden. Daran scheiterte auch Epic Companies, der Inkubator von ProSiebenSat.1. Leiter Mato Peric und seine Truppe beschäftigten bis zu 250 Mitarbeiter, um ganze sieben Start-ups zum Fliegen zu bekommen, darunter die Sportplattform Gymondo, den Schmuckladen Valmano und das Hotelbuchungssystem Discavo.

„ProSiebenSat.1 hat da unglaublich viel Geld reingesteckt, sich aber total verzockt“, sagt ein Branchenkenner, der ungenannt bleiben will. Am Ende sei die Burn-Rate – also der Anteil des verbrannten Geldes – zu hoch gewesen.

Angeblich verlor Epic Companies in einem Jahr 10 bis 20 Millionen Euro, berichtet ein anderer Insider. ProSiebenSat.1 bestreitet die Summe und verweist darauf, dass ein „Großteil der Neugründungen“ fortgeführt werde.

Zielen auf reifere Start-Ups

Den einzigen Ausweg, die Geldvernichtung zu stoppen, sah der Konzern offenbar in der Integration der Start-ups in diverse andere Tochterfirmen. Discavo gehört jetzt zum Reiseableger ProSieben Travel, der andere Urlaubsportale wie Weg.de oder Mydays bündelt. Gymondo und Valmano werden heute von SevenVentures betreut, dem Beteiligungsarm von ProSiebenSat.1. Künftig will sich der Konzern auf reifere Start-ups konzentrieren, statt Firmen in ihrer Entstehungsphase zu unterstützen.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, stellte auch Mediengigant Bertelsmann seinen Inkubator Bevation ein. Mitte 2014 ging die Bevation-Web-Seite plötzlich vom Netz. Zuvor hatte Snoopet – eine Online-Community für Hundefreunde, an der Bevation beteiligt war – die Hütte dichtgemacht. Deutschlands Medienprimus hatte vergeblich versucht, per Accelerator sieben Unternehmen ins Erwachsenenalter zu hieven, neben Snoopet etwa die Meinungsplattform Glinch, den Städteguide Citties sowie Mamibox, einen Versender von Boxen mit Knabbereien, Kosmetik und Babyklamotten.

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