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Innovationsplattform für den Mittelstand SalsUp: Eine Mischung aus LinkedIn und Tinder – für Start-ups

Fest der Liebe, Zeit für Recherche: Das Start-up SalsUp will die Suche nach Partnern aus der Gründerwelt zum Freizeitspaß für Unternehmer machen. Foto: dpa Quelle: obs

Etablierte Firmen brauchen Ideen, junge Unternehmen Umsätze: Ein digitaler Marktplatz will die Welten zusammenbringen. Das Wachstum in den ersten Monaten ist immens, die Ziele sind es erst recht.

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Zurückhaltung ist nicht die Sache von Bernhard Schindler. „Da ist ‚Die Höhle der Löwen‘ ein kleines, nettes Licht“, schreibt der Gründer aus dem bayerischen Landshut, als er auf LinkedIn das Programm „Invest2Grow“ seiner Plattform SalsUp ankündigt. Zumindest das Wachstum der ersten Monate scheint ihm recht zu geben. Auf SalsUp sind nach eigenen Angaben bereits 86.000 Start-ups zu finden – manche mit knappen Kurzprofilen, etwa 60 bis 80 junge Unternehmen registrieren sich selbstständig pro Tag. Sie hoffen darauf, über die Plattform mit einem der knapp 150 Mittelständler aus dem deutschsprachigen Raum in Kontakt zu kommen, die sich seit dem Start im Juni bereits angemeldet haben. Das Mentoringprogramm soll noch einmal kräftig die Werbetrommel rühren.

Die Neugier der beiden Welten aufeinander ist groß. Junge Tech-Firmen entwickeln Produkte oder Software, die dem Mittelstand beim Mammutprojekt Digitalisierung helfen können. Und gleichzeitig sind die Entscheidungswege gerade in familiengeführten Firmen oft kurz. Ein großer Vorteil für Start-ups, wenn Vertragsentwürfe nicht monatelang in der Einkaufs- oder Rechtsabteilung festhängen. Immer wieder zeigt sich in einzelnen Beispielen und auch in größeren Studien, welche Kraft in solchen Kooperationen liegen kann.

Erstes Date im Digitalen

Die ersten Schritte auf dem Weg zu einer Zusammenarbeit sind dabei die schwierigsten. Alle Start-ups sind auf der Suche nach Kunden, Kooperationspartnern oder Kapitalgebern. Aber sie haben nur begrenzte Ressourcen. „Die Start-ups gehen daher lieber auf die Konzerne zu – und ihre Ideen gehen somit am Mittelstand vorbei“, sagt Schindler. Umgekehrt fehlt vielen Familienunternehmern die Zeit, sich parallel zum laufenden Geschäft deutschlandweit über neue Gründungen auf dem Laufenden zu halten.

Mit der digitalen Plattform will Schindler nun eine Lösung liefern für dieses Dilemma. In der Funktionsweise erinnert SalsUp dabei an eine Mischung aus einem beruflichen Netzwerk und einer Dating-App. Gründer tragen sich mit Kurzbeschreibung von Start-up, Produkt und Art der gewünschten Zusammenarbeit ein. Mittelständler können das Portfolio nach Branchen, Funktionen oder auch regionalen Märkten durchsuchen. Klingt ein Start-up-Profil passend, können beide Seiten miteinander Kontakt aufnehmen. Je nach Wunsch auf der Plattform oder ganz klassisch per Mail oder Telefon.

Und dann? Einen Überblick, wohin die Vernetzung führt, hat Gründer Schindler nicht. Anekdotisch berichtet er jedoch von Erfolgen: Ein mittelständischer Shampoo-Produzent etwa suchte nach innovativen Verpackungslösungen – und stieß über SalsUp auf ein Start-up mit passender Produktpalette. Die Plattform wirbt vor allem damit, die Hürden für einen solchen ersten Kontakt abzusenken.

Das hat auch den fränkischen Unternehmer Gerold Wolfarth überzeugt, die Seite zu nutzen – und sich mittlerweile sogar als Investor zu beteiligen. Im Hauptberuf führt Wolfarth die mittelständische BK Group, deren 200 Mitarbeiter sich vor allem mit dem Ladenausbau im Einzelhandel beschäftigen. Nach Feierabend sucht er immer mal wieder nach neuen Kooperations- oder auch Investitionsmöglichkeiten: „Ich kann das auch abends oder am Wochenende auf dem Sofa nutzen, um nach passenden Start-ups zu suchen“, berichtet Wolfarth. Mit SalsUp dagegen sieht sich der Unternehmer auch zeitlich im Vorteil. Er kann seine Suchkriterien speichern und erhält dann Push-Benachrichtigungen, wenn sich interessante neue Firmen registrieren: „Da kann ich mich dann auch durch Schnelligkeit in eine Pole-Position für eine Zusammenarbeit bringen“, sagt Wolfarth. Wer einem Start-up in einer frühen Phase zu Umsätzen verhilft, erhält häufig eine Vorzugsbehandlung.

Sorgen, dass Gründer sich nur mit vollmundigen Versprechen auf der Plattform registrieren, hat der Unternehmer nicht: „Man bekommt ja in drei Fragen heraus, ob das Start-up nur heiße Luft verspricht“, sagt Wolfarth, „wenn es dann nix ist, ist es auch nicht schlimm.“ Bei ihm lief es bislang glatt: Als Business Angel ist er inzwischen an einem Start-up aus Nordamerika beteiligt, das er auf SalsUp gefunden hat.

Kleine Plattform, große Pläne

Die Innovationsplattform ist mit ihrer Idee aber keineswegs so allein, wie Gründer Schindler vermittelt. Wer privat in Start-ups investieren will, bekommt Hilfe etwa bei Companisto oder Primecrowd. Mittelständlern wollen zahlreiche Agenturen oder Berater die passenden Start-ups vermitteln – und dann auch die Zusammenarbeit rechtssicher aufsetzen.

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Trotz des zahlenmäßigen Erfolgs steht SalsUp-Gründer Schindler deshalb vor typischen Start-up-Herausforderungen: Als Plattformbetreiber muss er sich um beide Seiten kümmern – und dabei auf die eigenen Einnahmen achten. Denn für Start-ups sind die Angebote kostenlos. Coaching-Deals sollen die Gründer dazu motivieren, sich immer wieder mit der Seite zu beschäftigen. Auch Sonder-Aktionen wie die „Invest2Grow“-Initiative sollen Aufmerksamkeit bringen – unter anderem über prominente Gesichter: In der Jury des Wettbewerbs sitzen unter anderem Walter Döring, Inhaber der Akademie Deutscher Weltmarktführer, und HSV-Präsident und Start-up-Investor Marcell Jansen.

Die Mittelständler zahlen monatliche Gebühren, um die Seite samt den Suchfunktionen zu nutzen – je nach Umsatz kostet der Zugang für Chef oder Chef-Innovator zwischen 175 und 1.000 Euro. Seit Dezember gibt es auch ein Bezahlmodell ohne Grundgebühr, bei dem jede Suchanfrage Geld kostet. „Das hilft den Unternehmen, in dem nicht nur der Unternehmer selbst oder der Innovationsmanager Ausschau hält“, erklärt Schindler. „Auch der Logistiker, der Kantinenchef oder der Brandschutzverantwortliche können auf der Suche nach Kooperationspartnern sein.“

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