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IT-Startups im Ruhrgebiet Zu angerostet, um sexy zu sein?

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Das Ruhrgebiet als Wiege des Maker-Movements

Foto Badeschiff in Berlin Quelle: dpa

Man muss sich aber auch nicht organisieren und gründen. In der Gegend gibt es diverse DAX- und Großunternehmen, denen man als Entwickler seine Dienste anbieten kann. Eine Risikokultur wurde und wird durch die sicheren Karrieren in Großunternehmen nicht gefördert. Der Aufbau einer Gründerkultur- und Szene ist schwierig. In Berlin wurde hingegen die Not zur Tugend gemacht, bejubelt und unterstützt durch diverse Artikel der internationalen Tech-Presse.

Das so entstandene Image spielt eine Rolle. 9elements hat Büros in Berlin und Bochum. Und oft ist Enttäuschung bei den Bewerbern spürbar, die einen Job im Pott angeboten bekommen. “Das ändert sich dann, wenn man die Leute einmal nach Bochum oder ins Ruhrgebiet einlädt, um es zu erleben”, so Deutsch. Vielen sei das Ausmaß des ökonomischen und kulturellen Angebots nicht bewusst.

Tatsächlich kostete der Quadratmeter zur Miete im Winterquartal 2012 in Essen und Dortmund 6,24 Euro. In Berlin ist es mittlerweile ein Euro mehr. Dafür hat die Hauptstadt mittlerweile weltweit den Ruf einer grenzenlosen Stadt. Ein Image, das der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, seit dem “arm, aber sexy”-Interview im Jahr 2003 kultiviert. Das Ruhrgebiet wirkt – trotz seiner großartigen Gründerhistorie - eher leicht angerostet.

Dabei ist hier eine in Europa unvergleichbare Infrastruktur vorhanden. Tobias Schiwek hat das Kölner Startup endore.me gegründet. Zugegeben: Köln ist nicht das Ruhrgebiet. Aber auch Köln und Düsseldorf sind an das Verkehrsnetz angebunden, das die deutschen Ballungsgebiete und Benelux verbindet.

Hier studieren die Unternehmer von morgen
Universität Magdeburg Quelle: dpa
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Platz 7: FU Berlin Seit 2006 sind aus der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, die sich „Profund“ nennt, über 70 Kapitalgesellschaften hervorgegangen. Jährlich führt sie zwischen 150 und 200 Beratungsgespräche und bietet in fünf sogenannten Gründerhäusern auf dem Campus 120 Arbeitsplätze für studentische Start-Ups. Außerdem veranstaltet die FU etwa ihren „Entrepreneurship Summit“, der rund 1.500 Teilnehmer pro Jahr anlockt. Auf den mehrmals jährlichen „Business & Beer“-Abenden können Gründer ihre Konzepte vorstellen und den Vorträgen etablierter Unternehmer oder Experten lauschen. ePortrait soll den Gang zur Fotokabine für Passbilder überflüssig machen. Die im März 2012 gestartete Ausgründung der FU Berlin bietet die Möglichkeit, per Webcam biometrische Passbilder am PC zu machen und sie zu bestellen. Das Unternehmen setzt auch auf Geschäftskunden. So ist das Programm seit Mai in der Website einer Krankenkasse integriert und kann für die Fotos auf elektronischen Gesundheitskarten genutzt werden.
Platz 6: Universität Rostock Mit Wettbewerben will die Universität Rostock den Unternehmergeist ihrer Studenten wecken. 2009 organisierte das Gründerbüro erstmals „Idee sucht Mentor“. Dabei stellen die Teilnehmer bei einer Art Speed-Dating verschiedenen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ihre Geschäftsidee vor. Haben Studenten und Mentoren zusammengefunden, erarbeiten sie ein Geschäftskonzept und messen sich dabei mit anderen Gruppen. In der zweiten Jahreshälfte organisiert das Gründerbüro außerdem den Jungunternehmerpreis der Universität Rostock. Seit 2006 wurden laut Uni dort 130 Firmen gegründet. Berührungslose Messtechnik für die Industrie verkauft die Astech Angewandte Sensortechnik GmbH in Warnemünde. Zum Portofolio der Ausgründung der Uni Rostock gehören Sensoren, um Geschwindigkeit, Länge, Abstand, Position, Breite und Farbe zu bestimmen. Quelle: ZB
Platz 5: RWTH Aachen Im Jahr 2000 hat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen gemeinsam mit der örtlichen IHK und den Sparkassen ihr Gründerzentrum ins Leben gerufen. 2003 folgte der Entrepreneurship-Lehrstuhl „Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler“ (WIN). Die Uni begleitet ihre Jungunternehmer nicht nur während der Gründung, sondern auch in den ersten fünf Jahren danach. Auf Pursenal.de können sich Nutzer ihre eigene Handtasche gestalten. Dabei lassen sich   unter anderem  Größe, Lederfarbe, Fadenfarbe, Futter, Innenausstattung, Verschluss und Riemenlänge variieren. Quelle: dpa
Platz 4: Universität Lüneburg Auch die Leuphana Universität Lüneburg setzt auf Beratung, Gründungslehre, Wettbewerbe und Netzwerke. Zusätzlich bietet sie jedem Gründer ein sogenanntes Starter-Set an, genauer gesagt einen 50-Euro-Gutschein, der unter anderem für kostenpflichtige Gründungsveranstaltungen gilt.  Mit der Ticcats GmbH hat der ehemalige Leuphana-Student 2010 Deutschlands erstes Online-Preisvergleichs-Portal für Live-Unterhaltungs-Tickets gegründet.

Schiwek sieht viele Gründer im traditionellen Denken verhaftet. Statt Startup firmiere man lieber als KMU. Auch Software-Schmieden würden eher im Schatten der Industrie programmieren und nicht verstehen, „was sie da eigentlich in den Händen halten“.

Vielleicht liegt die Zukunft des Ruhrgebietes aber nicht in der klassischen digitalen Wirtschaft. Als industrielle Herzkammer Deutschlands könnte es zum Web 3.0-Zentrum und zur Wiege des Maker-Movements werden. Coder treffen hier auf Schrauber. 9elements organisiert alle zwei Monate ein lokales JavaScript Meetup, das jedes Mal rund 50 Entwickler anzieht.

Die Veranstaltung findet im Hackerspace Das-Labor statt. Hier wird gelötet, gebastelt und gelasert. Ein weiterer Ort für solche Treffen ist das Unperfekthaus in Essen. Vielleicht entspringt hier der Funken, der für eine Startup-Story sorgt.

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