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Liebe 2.0 Gute Geschäfte mit Sex und Sehnsucht

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epa02920613 A couple ride Quelle: dpa

Einer dieser digitalen Liebes-Revoluzzer besetzt gleich drei Stockwerke in einem Haus am feinen Hamburger Speersort. Der Marktführer braucht Platz. Parship ist einer der Dienste, die in den vergangenen Jahren die Online-Partnersuche in Deutschland gesellschaftsfähig gemacht haben. Unten sitzt der Kundenservice, oben empfängt Vorstandschef Peter Schmid. 160 Mitarbeiter arbeiten hier. Sie sitzen an einem Ort, der wohl gewählt ist: auf einer Seite die Mönckebergstraße, die Einkaufsmeile Hamburgs, das echte Leben also; gegenüber der "Zeit" Verlag, der mit fünf Prozent an Parship beteiligt ist.

Der Ausblick passt, weil er Schmid vor Augen führt, woher sein Geschäft kommt. Schließlich war die Partnervermittlung über Jahrzehnte eine Domäne von Agenturen, die ihre Dienste in den Wochenzeitungen bewarben. Es war ein Nischenmarkt für die gehobenen Stände. Der klassische Single beendete seine Einsamkeit auf dem Dorffest, in der Disko oder am Arbeitsplatz.

Internet ist überall

Das hat sich verändert. Neun Millionen Deutsche, behauptet der IT-Branchenverband Bitkom, haben bisher einen Partner im Internet gefunden, so wie Andrea Bartoschek und Thomas Schulte im Jahr 2010. Sieben bis neun Prozent aller Paare sind Internetbekanntschaften, hat der Bamberger Soziologe Hans-Peter Blossfeld ermittelt. Sie zollen damit zwei gesellschaftlichen Trends Tribut: Erdrückt von Berufstress bleibt vielen gut gebildeten und verdienenden Großstadt-Singles kaum noch Gelegenheit, jenseits des Büros Bekanntschaften zu knüpfen. Und das Internet hat es mit den Jahren geschafft, in nahezu alle Lebensbereiche der Deutschen vorzudringen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die virtuelle Welt auch das Schlafzimmer erreichte.

Matching

Das Internet hilft dabei, wo es kann. Es stellt mit Friendscout24, einer Tochter der Deutschen Telekom, oder Neu.de Portale bereit, die Platz zum Kennenlernen und Flirten bieten. Es hält aber auch Angebote wie Elitepartner, Edarling oder Parship vor, die die Partnersuche systematischer angehen - indem sie per Fragebogen die Kandidaten durchleuchten und dann ausrechnen lassen, wer zu wem passt.

Kunden beantworten während dieses sogenannten Matchings Fragen wie: "Stellen Sie sich vor: Sie feiern Geburtstag und ein flüchtiger Bekannter überreicht Ihnen ein ziemlich aufwendiges Geschenk. Wie reagieren Sie?" oder "Bevorzugen Sie für Ihren Urlaub Ibiza oder einen norwegischen Fjord?" Das Ganze folgt der Logik, dass zusammenpasst, wer gleiche Interessen und Lebenseinstellungen hat. Nach einem logarithmischen Verfahren lost der Computer dann Vorschläge aus. 50 bis 100 Euro monatlich kostet das.

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