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Nachhaltige Geschäftsideen Womit soziale Gründer Geld verdienen

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Ideen so simpel wie erfolgreich

Erfolgreiche Gründer und ihre Geheimnisse
Renzo Rosso Quelle: REUTERS
Titus Dittmann Quelle: dpa
James Dyson Quelle: dpa
Günther Fielmann Quelle: dpa
Eike Batista Quelle: REUTERS
Erich Sixt Quelle: dapd
Richard Branson Quelle: REUTERS

Die Idee ist so simpel wie erfolgreich: Etwa ein Jahr nach der Gründung haben Vahle und Eckert rund 5.000 Nutzer angelockt, die mit ihren Einkäufen schon mehr als 60.000 Euro Spenden generiert haben und über soziale Netzwerke neue Nutzer anlocken. Rund 600 Charity-Projekte haben davon schon profitiert.

Für die Gründer selbst blieben davon allerdings erst ein paar Tausend Euro übrig. Um von Boost leben zu können, bräuchte die Plattform mehr als 100.000 Nutzer, schätzt Vahle. Deswegen übernehmen die Gründer Programmieraufträge und haben rund 90.000 Euro bei Freunden eingesammelt, um Boost starten zu können.

Tatsächlich ist die Finanzierung für viele Sozialunternehmer eine Herausforderung - doch es gibt auch Geldquellen für Gründer mit diesem Geschäftsmodell. Markus Schulz und Daniela Schiffer etwa haben gerade über das Crowdfunding-Portal Seedmatch mehr als 84.000 Euro Risikokapital von über 150 Privatleuten eingesammelt. Daneben können Sozialunternehmer Spenden, Stiftungsmittel, Zuschüsse, Förderkredite und sogar Risikokapital an Land ziehen.

Benjamin Vahle und Frank Eckert vom Startup

Weil die Geldgeber aber Auflagen machen und Renditen erwarten, will Ashoka eine Finanzierungsagentur aufbauen. Sie soll Sozial-Startups passende Kapitalpakete schnüren: "Die Geldgeber sollen sich um die besten Ideen kloppen, nicht umgekehrt", sagt Felix Oldenburg. "Gute Sozialunternehmer sind knapper als Kapital."

Anja Kersten, Ansgar Jonietz und Johannes Bittner könnte eine solche Agentur womöglich helfen. Die drei Gründer aus Dresden bauen ein Startup auf, das von Anfang an durchschlagenden Erfolg hatte. Während ihres Medizinstudiums wurde Kersten von einer Bekannten gefragt, wie sie einen Befund ihrer Ärztin verstehen solle. Im Text wimmelte es nur so von Fachbegriffen. Das brachte Kersten und ihre Mitgründer auf eine Idee: Wie wäre es, wenn Medizinstudenten Befunde in verständliches Deutsch übersetzen und so Patienten helfen und selbst lernen, besser zu kommunizieren?

Also rekrutierten die Gründer angehende Ärzte und starteten 2011 die Plattform Washabich.de. Exakt zwölf Minuten nach dem Launch fanden sie den ersten Befund in ihrer Mailbox, bis heute haben sie mithilfe Hunderter Medizinstudenten mehr als 12.500 Befunde übersetzt. Und ihren Patienten zum Beispiel erklärt, dass eine "blutige Imbibierung der Muskelmanschette des Humeruskopfes" eine Einblutung in jene Muskeln ist, die das Schultergelenk wie einen Mantel umgeben.

Hier studieren die Unternehmer von morgen
Universität Magdeburg Quelle: dpa
Signavio GmbH
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Platz 7: FU Berlin Seit 2006 sind aus der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, die sich „Profund“ nennt, über 70 Kapitalgesellschaften hervorgegangen. Jährlich führt sie zwischen 150 und 200 Beratungsgespräche und bietet in fünf sogenannten Gründerhäusern auf dem Campus 120 Arbeitsplätze für studentische Start-Ups. Außerdem veranstaltet die FU etwa ihren „Entrepreneurship Summit“, der rund 1.500 Teilnehmer pro Jahr anlockt. Auf den mehrmals jährlichen „Business & Beer“-Abenden können Gründer ihre Konzepte vorstellen und den Vorträgen etablierter Unternehmer oder Experten lauschen. ePortrait soll den Gang zur Fotokabine für Passbilder überflüssig machen. Die im März 2012 gestartete Ausgründung der FU Berlin bietet die Möglichkeit, per Webcam biometrische Passbilder am PC zu machen und sie zu bestellen. Das Unternehmen setzt auch auf Geschäftskunden. So ist das Programm seit Mai in der Website einer Krankenkasse integriert und kann für die Fotos auf elektronischen Gesundheitskarten genutzt werden.
Platz 6: Universität Rostock Mit Wettbewerben will die Universität Rostock den Unternehmergeist ihrer Studenten wecken. 2009 organisierte das Gründerbüro erstmals „Idee sucht Mentor“. Dabei stellen die Teilnehmer bei einer Art Speed-Dating verschiedenen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ihre Geschäftsidee vor. Haben Studenten und Mentoren zusammengefunden, erarbeiten sie ein Geschäftskonzept und messen sich dabei mit anderen Gruppen. In der zweiten Jahreshälfte organisiert das Gründerbüro außerdem den Jungunternehmerpreis der Universität Rostock. Seit 2006 wurden laut Uni dort 130 Firmen gegründet. Berührungslose Messtechnik für die Industrie verkauft die Astech Angewandte Sensortechnik GmbH in Warnemünde. Zum Portofolio der Ausgründung der Uni Rostock gehören Sensoren, um Geschwindigkeit, Länge, Abstand, Position, Breite und Farbe zu bestimmen. Quelle: ZB
Platz 5: RWTH Aachen Im Jahr 2000 hat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen gemeinsam mit der örtlichen IHK und den Sparkassen ihr Gründerzentrum ins Leben gerufen. 2003 folgte der Entrepreneurship-Lehrstuhl „Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler“ (WIN). Die Uni begleitet ihre Jungunternehmer nicht nur während der Gründung, sondern auch in den ersten fünf Jahren danach. Auf Pursenal.de können sich Nutzer ihre eigene Handtasche gestalten. Dabei lassen sich   unter anderem  Größe, Lederfarbe, Fadenfarbe, Futter, Innenausstattung, Verschluss und Riemenlänge variieren. Quelle: dpa
Platz 4: Universität Lüneburg Auch die Leuphana Universität Lüneburg setzt auf Beratung, Gründungslehre, Wettbewerbe und Netzwerke. Zusätzlich bietet sie jedem Gründer ein sogenanntes Starter-Set an, genauer gesagt einen 50-Euro-Gutschein, der unter anderem für kostenpflichtige Gründungsveranstaltungen gilt.  Mit der Ticcats GmbH hat der ehemalige Leuphana-Student 2010 Deutschlands erstes Online-Preisvergleichs-Portal für Live-Unterhaltungs-Tickets gegründet.

Um diese Hilfe auch in Zukunft kostenlos anbieten zu können, setzt das Trio auf eine Mischfinanzierung: Jeder dritte Patient bedankt sich mit ein paar Euro für die Übersetzung. Dazu kommen bezahlte Projekte und Studien, etwa mit der Bertelsmann Stiftung oder für den AOK-Bundesverband. Laufende Einnahmen versprechen sich die Gründer von einer engeren Zusammenarbeit mit Kliniken, die sich auf Washabich.de präsentieren und dort um gute Ärzte werben. Dieses Modell soll auch Risikokapitalgeber überzeugen. Leute wie Erwin Stahl.

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